Reuden muss in diesem Jahr mit erheblichen Kürzungen bei den Verfügungsmitteln für freiwilligen Leistungen rechnen. Eine Unterstützung der örtlichen Vereine in der bisherigena Form wäre damit nicht mehr möglich. Auch um die Finanzierung der Veranstaltungen sorgen sich die Reudener. Sie empfinden den drastischen Einschnitt als ungerecht.

Reuden. "Wir werden nicht mal mehr zehn Prozent der bisherigen Gelder zur Verfügung haben", informierte Ortsbürgermeister Elard Schmidt am Dienstagabend die Vorsitzenden der Reudener Vereine. Auch die Ortsgruppe der Volkssolidarität und die Ortsfeuerwehr waren bei der Zusammenkunft vertreten. Für die freiwilligen Leistungen sollen sie nur noch 1900 Euro erhalten, berichtete ihnen der Ortschef vom Vorschlag der Kämmerei, den finanziellen Rahmen auf 6 Euro pro Einwohner festzusetzen. Bei den 311 Einwohnern, die Reuden zählt, ergibt sich die genannte Summe. Und diese liegt deutlich unter den bisherigen 19 000 Euro. Die Folge ist: "Es wird nichts geben", bezog sich Elard Schmidt auf die Zuschüsse an die Vereine. Was ihn besonders ärgerte, war, dass ein Verwaltungsmitarbeiter den Pro-Kopf-Betrag errechnet, und keiner etwas dagegen sagt.

So blieb er einen Abend später im Zerbster Stadtrat, als die erste Haushaltslesung anstand, der Einzige, der sich wegen der vorgesehenen Mittelkürzungen zu Wort meldete. Ihn verwunderte, dass die 6-Euro-Pauschale, über die bei der letzten Arbeitsberatung des Stadtrates "sehr emotional gestritten wurde", dennoch Eingang in den Haushaltsplan fand. Er sei davon ausgegangen, dass sie nicht auftaucht. "Gleichmacherei ist nicht Gerechtverteilung", betonte er.

"Wir haben das Geld nicht verpulvert", hob er in der Reudener Runde hervor. Rentner, Kirche, Vereine - alle hätte die Gemeinde über die Jahre unterstützt. Wenn der Stadtrat den Haushaltsplan in der vorgeschlagenen Form im März beschließt, gibt es dafür keinen Spielraum mehr, wie Elard Schmidt ausführte. Denn in den 1900 Euro einbegriffen sind beispielsweise ebenfalls die Ausgaben für den Kleinbus der Ortschaft, die GEZ-Gebühren für den Fernsehen im Bürgerhaus oder auch die Mittel für Dorffeste sowie für Ehrungen und Jubiläen. "Wir haben dieses Jahr zwei 90-Jährige. Da bezahle ich den Blumenstrauß dann selber", bemerkte Schmidt. Ihn störte zudem, dass die Einnahmen der Ortschaften nicht mehr im Haushaltsplan erkennbar sind. Das aber ist ein Ergebnis der Bildung einer Einheitsgemeinde.

"Wir sind der zweitgrößte Steuerzahler", dachte der Ortschef an die in Reuden fließenden Gewerbesteuereinnahmen. "Ich will ja gar nicht alles. Ich möchte nur zehn Prozent der eingenommenen Gewerbesteuer", sagte Elard Schmidt. Er sehe nicht ein, dass der Zerbster Schlossverein so viel Geld bekomme "und wir keinen Cent". Seiner Ansicht nach ist das Geld in der Einheitsgemeinde vorhanden, "es muss nur richtig verteilt werden". Und die Verteilung pro Einwohner hielt er da für die falsche Form.

"Gleichmacherei ist nicht Gerechtigkeit"

"Das können wir nicht einfach hinnehmen", fand Ines Stephan vom Reudener Museumsverein. Sie fragte sich, ob es Ziel der Gemeindegebietsreform sei, das Geld aus den ländlichen Orten abzuziehen. Die Pflege und Fortführung der örtlichen Traditionen sei wichtig und kräftige die Gemeinschaft. Es sei sehr traurig, wenn durch diese Mittelkürzungen, das Vereinsleben kaputtgehe. "Vereinsleben ist auch Lebensqualität", unterstrich sie. Es schweiße die Leute zusammen, verbinde Geneerationen und mache ein Dorf attraktiv, gab Ines Stephan zu bedenken. "Wir verlangen nur, dass das, was seit Jahren Bestand hat, erhalten bleibt", erklärte sie.

"Dass es weniger Geld gibt, haben wir uns ja gedacht, aber, dass wir gar nichts kriegen...", reagierte Inge Rautmann enttäuscht. "Wie sollen wir arbeiten?", fragte sich die Vorsitzende der Reudener Volkssolidaritätsgruppe. Die geplanten Vorträge könnten sie sich dann nicht mehr leisten.

Genau das war die Frage, die Elard Schmidt in den Raum stellte: "Was kann man noch leisten?" Und zwar nicht nur finanziell, sondern eben auch ehrenamtlich. "Wie soll es weitergehen?", wandte er sich an die Runde. Das einzige, was sich allein trage, sei das Backofenfest, fügte er an. "Ich will, dass wir weitermachen. Wir lassen uns nicht kaputtmachen", machte der Ortsbürgermeister seinen Standpunkt klar. "Man muss weitermachen, egal, was passiert", stimmte ihm Dr. Ljuba Schmidt zu. Die Stadtverwaltung rechne damit, dass die Vereine andere Wege finden, um ihre Projekte durchzuführen, glaubte die Vorsitzende des Vereins Hilfe für Tschernobylkinder in Brjansk.

Die Vorsitzende des Reudener Traditionsclubs, Annegret Lorenz, schlug vor, Betriebe anzuschreiben, wie sie es ganz am Anfang getan hätten. Es müsste mal ein Kassensturz gemacht, meinte Ines Stephan. Ihrer Ansicht nach müsste aufgeschlüsselt werden, was die Gemeinde bislang als Zuschuss zahlte, welche Kosten ohne die finanzielle Unterstützung auf die Vereine zukommen würden und was sich die Vereine selbst leisten könnten.

Unabhängig davon fand Ines Stephan, dass sie gegen die vorgesehene 6-Euro-Pauschale vorgehen müssten. Die Runde verständigte sich darauf, dass sich alle Reudener Vereine in einem gemeinschaftlichen Brief an den Zerbster Stadtrat gegen die Mittelkürzung positionieren.

"Wir haben das Geld nicht verpulvert"

Es könne nicht sein, dass Leute, die sich uneigennützig und ehrenamtlich für die Gemeinschaft engagieren, dafür auch noch bezahlen, erklärte der Ortsbürgermeister. "Wir machen schon alles freiwillig und dann machen sie sowas", schüttelte Inge Rautmann den Kopf. "Ich habe vorausgesehen, dass es so kommt", klang Annegret Lorenz nicht überrascht. Elard Schmidt indes war sichtlich verärgert. Er habe nichts gegen die Faschfesttage oder Kulturfesttage. Aber: "Wir wollen auch ein Stück von unserer Kultur erhalten."

"Wir werden doch nicht für voll genommen", meinte der Sportvereinsvorsitzende Eckhard Wohlfeil. Und Ortswehrleiter Daniel Pötsch wollte am liebsten seine Gewerbesteuern zweckgebunden für Reuden einzahlen. Er war außerdem der Ansicht, dass der Haushaltsplanentwurf öffentlich gemacht werden muss, damit die Bürger darüber diskutieren könnten. Wenn dass Papier erst beschlossen sei, sei es zu spät.

Eines ließ Elard Schmidt an dem Abend nicht unerwähnt: die gute Zusammenarbeit mit der Zerbster Tourist-Information. "Das klappt", berichtete der Ortschef von einem Flyer, in den die Reudener Ausflugsziele wie das Dorfmuseum und die Bauernkate mit aufgenommen wurden.