Gemeinsam mit der Evangelischen Landeskirche Anhalts lud der Förderkreis "Entschlossene Kirchen" im Kirchenkreis Zerbst am Sonnabend erneut zu einem Seminar für Kirchenführer ein. Gut 20 Interessenten nahmen an der Veranstaltung teil. Bei einzelnen Referaten befassten sie sich umfassend mit der Taufe. Darüber hinaus besichtigten die Teilnehmer die Kirchen von Eichholz und Kermen.

Eichholz/Kermen. "Ich habe ein großes Interesse an der Taufe und wo erfahre ich da schonmal was drüber?", sagte Margot Schoch. Deshalb hat sie sich am Sonnabendmorgen von Dessau aus nach Eichholz aufgemacht. Ihrem Beispiel folgten weitere Frauen und Männer. Aus Zerbst, Hohenlepte, Nutha oder auch aus entfernteren Ecken reisten die Teilnehmer des 4. Kirchenführerseminars an. "Ich finde es toll, dass solch ein Seminar angeboten wird", erklärte Gerd Norgel aus Vockerode. Und mit der Meinung steht er nicht allein da.

Die Mischung aus Referaten und Besichtigungen stieß von Beginn an auf ein positives Echo. "Wir wollen eine praxisorientierte Ausbildung anbieten", erläuterte Sonja Hahn das Konzept der Veranstaltung, die der Förderkreis "Entschlossene Kirchen" anfangs noch allein durchführte. Inzwischen geschieht es gemeinsam mit der Evangelischen Landeskirche Anhalts, die sich mit der Erwachsenenbildung sowie der Arbeitsstelle Kirche und Tourismus einbringt.

Die Zielgruppe sind Menschen, die sich der Kirche in ihrem Ort verbunden fühlen. Sie sollen ermutigt werden, ihre Kirchen für Besucher zu öffnen und Interessierten ihr Gotteshaus vorzustellen. Das Rüstzeug dazu erhalten sie in den bislang einmal jährlich stattfindenden Tagesseminaren, bei denen einzelne Themen gezielt beleuchtet werden. So drehten sich die Vorträge in Eichholz um die Taufe.

Neben dem Ritual an sich befassten sich die Teilnehmer mit den Gegenständen, die über die Jahrhunderte dafür eingesetzt wurden - angefangen bei den Taufsteinen über die Taufschalen und Taufkannen bis hin zu den Taufengeln. Außerdem tauchten sie ein in die christliche Symbolik, die sich manchem heute nicht mehr sofort erschließt.

"Mit der Taufe verbinde ich den Beginn des Lebens. Wie passt dazu eine Kreuzigungsszene?", stellte Sonja Hahn eine rhetorische Frage, die sie selbst beantwortet. Mit der Kreuzigung, nach der Jesus wieder auferstanden ist, werde sowohl an den Tod Christi als auch an den Beginn des ewigen Lebens erinnert, erklärte sie. Zugleich verwies die Kunsthistoriker darauf, dass der Tag der Auferstehung als achter Schöpfungstag gilt. Darüber hinaus ist die liegende Acht ein Zeichen der Unendlichkeit.

Beispiele für diese Formen-sprache entdeckte die Seminargruppe, als sie die Eichholzer Kirche besichtigte. Beide dortigen Taufsteine - sowohl das ältere, wahrscheinlich aus dem 14./15. Jahrhundert stammende Exemplar, als auch jener von 1886 - sind achteckig. An ihnen erläuterte Andreas Janßen, Leiter der Arbeitsstelle Kirche und Tourismus, den Frauen und Männern zwei Varianten, wie sie bei einer Kirchenführung geschickt zum Thema Taufe überleiten können.

Zuvor hatte ihnen Sonja Hahn das romanische Gotteshaus mit dem massiven Querriegelturm in einer "Mini-Führung" nähergebracht. Ob es die älteste Kirche auf anhaltischem Gebiet östlich der Elbe ist, ließ sie dahingestellt. Die untersuchten Hölzer im Dachstuhl zumindest datieren ins Jahr 1212. "Das passt zumindest sehr gut mit 800 Jahre Anhalt zusammen", dachte sie an das 2012 bevorstehende Jubiläum.

Nachdem die Frauen und Männer auch die geheimnisvolle Kammer im Turm in Augenschein genommen hatten, fuhren sie im Korso nach Kermen hin-über. Staunend betraten sie die kleine Feldsteinkirche, die in ihrem Inneren einen eindrucksvollen Kanzelaltar beherbergt. "Er ist noch vollständig im Original erhalten", hob Sonja Hahn den Wert hervor. "Die Schädlinge sind leider auf dem Vormarsch", wies Albrecht Lindemann auf die dringend notwendige Restaurierung hin. Als hinzugezogenen Eichholzer war der Leiter der Erwachsenenbildung Gastgeber an diesem Tag, der für die Seminarteilnehmer mit vielen neuen Eindrücken zu Ende ging. Um einiges Wissen reicher, kehrten sie heim.

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