Am Donnerstag fand in der Zerbster Volksbank eine vom Deutschen Roten Kreuz ( DRK ) durchgeführte Blutspende statt. Anlass genug für Volksstimme-Volontär Tobias Dachenhausen, sich das erste Mal auf die gemütlichen Liegen zu begeben und alles aus nächster Nähe zu erleben.

Zerbst. " So, als erstes werde ich ihnen das Ohr abschneiden, etwas Blut abnehmen und dann wieder drannähen ", waren die ersten Worte der Schwester, als sie meinen Hämoglobinwert ermittelte. Die ersten Schweißtropfen bildeten sich auf meiner Stirn, aber alles halb so schlimm.

Mit Aufkleber gebranntmarkt

Mit einem " Ich bin Erstspender " -Aufkleber auf dem rechten Handrücken, wurde ich beim Registrieren, der ersten von acht Stationen, gebranntmarkt. Zusammen mit einer kleinen Sektflasche wurde mir der Anmeldebogen überreicht. " Aber nicht gleich trinken ", warnte mich Peter Stoye aus der DRK-Geschäftsstelle Zerbst. In der zweiten Etage der Volksbank war alles bestens organisiert, alle Stationen mit weißen Schildern und roter Schrift ausgewiesen, so dass auch ein unerfahrenes Lämmchen wie ich sich zurecht finden konnte.

Nach dem Beantworten vor allem medizinischer Fragen, reihte ich mich in die kleine Menschenschlange ein, mit Blick in den Raum, wo mir gleich ein halber Liter Blut abgenommen werden sollte. Acht Stühle wurden darin aufgebaut und zwei Schwestern wuselten vom einen zum anderen Platz. Die Sitzenden begrüßten sich alle mit einem kurzem " Hallo ". Ich hatte das Gefühl, in eine offene Gesellschaft eingedrungen zu sein – den Blutspendern – mit dementsprechend großen Augen wurde ich auch angeguckt, eben als Neuer identifiziert.

" Neu hier ", fragte mich dann auch Hermann Wank und interpretierte somit meine nach Orientierung suchenden Blicke. " An mein erstes Mal spenden, kann ich mich gar nicht erinnern, das muss vor 40 Jahren gewesen sein ", sagte Wank. Nach seinen Beweggründen gefragt, sagt er : " Einmal damit angefangen, hört man nicht mehr auf. Ich kann ja auch mal in die Situation kommen, wo ich auf Blut anderer angewiesen bin ", erklärt er mir. Er war zum 62. Mal vor Ort und spendete schon über 30 Liter Blut in seinem Leben. Dieser erfahrene Mann an meiner Seite beruhigte mich etwas und ließ die ganze Atmosphäre gar nicht mehr so medizinisch wirken. Ich war Teil der Familie.

Nachdem mir ein Tropfen Blut aus dem Ohr genommen wurde, ohne es abzuschneiden, ging es weiter zur leitenden Ärztin, Dr. Knobloch. " Ihr Blutdruck ist etwas zu hoch. Sind sie aufgeregt oder ist das normal ?", fragte mich die Ärztin. Die etwas feuchten Hände verbergend, antwortete ich mit einem charmanten Lächeln : " Eigentlich ist alles okay. " Dennoch bekam ich, je mehr sich mir die Injektionsnadel näherte, ein immer flaueres Gefühl im Magen, aber so ist das eben beim ersten Mal.

105 Blutspender bei Zerbster Termin

Mit den Ergebnissen der ärztlichen Untersuchung bekam ich dann den zugehörigen Blutbeutel und weitere Ampullen, deren Bedeutung mir heute noch schleierhaft sind und wartete auf einen freien Platz. Ganz vorn rechts war es dann so weit. " Klasse, sollte ich hier umkippen, bekommt es wenigstens jeder mit ", beruhigte ich mich selbst. Hingesetzt, eine Vene gesucht, den Arm gekühlt und hinein die Nadel. So sehr mich alles interessierte, konnte ich tatsächlich beim Einstechen nicht hinschauen, warum auch immer, aber es tat absolut nicht weh. " Nun müssen sie pumpen ", sagte mir die Schwester. Etwas verlegen, verdeutlichte ich ihr nicht zu wissen, was gemeint sei, bevor sie dann ihre Faust auf und zu machte und ich gleiches tat.

Fünf Minuten dauerte die Prozedur, kurz sitzen bleiben und auf einen weiteren Stuhl rücken. " Kein Schwindelgefühl, kein Schwarzwerden vor den Augen. Es war vorbei. Gar nicht so schlimm ", dachte ich. Mit einem Pflaster versorgt, ging es dann zum wohlverdienten kleinen Buffet, worauf ich mich schon die ganze Zeit freute. Da die Station 8 hinter der Registrierung lag, wusste ich bereits zu Beginn, dass es noch etwas zu essen gibt. Kaffee und Würstchen wurden mir sofort, als ich den Raum betrat, von ehrenamtlichen Helfern angeboten. Zur Stärkung nahm ich es natürlich dankend an.

Insgesamt 105 Blutspender, davon fünf Erstspender, haben sich an diesem Tag in Zerbst gefunden. " Ein erstaunliches Ergebnis. Wir hatten mit 70, vielleicht 80 gerechnet ", resümierte Peter Stoye.

In zehn Tagen bekomme ich nun meinen Blutspendeausweis und verließ die Volksbank stolz wie Oskar mit dem schönen Wissen, etwas Gutes getan zu haben.

• Blutspender müssen mindestens 18 Jahre alt sein und dürfen nicht älter als 70 sein.

• Die maximale Anzahl an Blutspenden pro Spender ist begrenzt : Männer dürfen nicht mehr als sechs Vollblutspenden im Jahr, Frauen nicht mehr als vier leisten.

• Zwischen zwei Blutspenden sollte ein Abstand von 12 Wochen eingehalten werden. Der Mindestabstand beträgt acht Wochen.

• Menschen, die Blut spenden möchten, müssen gesund sein. In jedem Einzelfall wird durch einen Arzt die Spendenfähigkeit individuell abgeklärt.