Zerbst. "Es ist grad nicht sehr angenehm. Auf die Terrasse wollen wir derzeit nicht." Bernd Richter, Hausbesitzer und Vermieter in der Gartenstraße, kennt wie all seine Nachbarn den "gigantischen Unterschied zu früherem Gestank. Die geben sich gewaltig Mühe. Und gerade darum ist es seltsam, dass wir dieser Tage doch eine ganz schöne Belästigung haben."

Hinter Richters Gartenzaun sollen die Abwasser-Gerüche hochsteigen. Dort befinden sich seit Jahrzehnten die Klärbecken des längst außer Betrieb gegangenen einstigen Klärwerkes Zerbst. "Irgendetwas ist dort im Gange, man hört Maschinen und Geräusche."

Der Argwohn des Gartenstraßen-Anwohners legte sich sehr schnell, nachdem er sich bei der zuständigen Wasserbehörde erkundigte und zügig Antwort bekam. "Die Becken werden entleert. Da hat sich einiges angesammelt und ist dort vermodert. Jetzt kommt das an die Luft und stinkt. Alles klar."

Wenn auch dadurch die "Gerüche" noch nicht beseitigt sind, so ist Richter zumindest über ihre Herkunft nun im Bilde. Er kennt zahlreiche der Einflussfaktoren auf die Geruchssituation. Da wäre zum einen der stetig sinkende Trinkwasserverbrauch, wodurch ebenso der Abwasseranfall sinkt, was eine längere Verweildauer des Abwassers in den Leitungen bewirke. Der Faktor Zeit jedoch ist ausschlaggebend für die Bildung von Schwefelwasserstoff, gerade in Freispiegelleitungen. Zum zweiten befindet sich auf dem Gelände des einstigen Klärwerkes der zentrale Einlaufschacht für sämtliche Zerbster Abwasserleitungen. Von hier wird das Abwasser nach Nutha ins Klärwerk gedrückt. Die Hebestelle ist nach oben offen.

Drittes wesentliches Moment ist die aktuelle Wetterlage: Wechselt die Witterung in kurzer Zeit so erheblich wie von Dienstag auf Mittwoch, dann kann es zusätzlich zum Ausströmen von Schwefelwasserstoff kommen. All diese Umstände sind aktuell zusammen eingetreten, und obendrein wird tatsächlich an den alten Klärwerksbecken gearbeitet. "Damit sie vom hohen Grundwasserstand nicht auftreiben und Risse bekommen, sind sie mit Wasser gefüllt. Das pumpen wir aus und säubern die Becken, dabei kann es zu einer Überlagerung des bestehenden Geruchsniveaus kommen", erklärte Helge Staffe, Geschäftsführer der Zerbster Spezialitäten Fleischwaren GmbH. Dem Unternehmen gehören die Becken.