Magdeburg l Die Helfer des Technischen Hilfswerkes Magdeburg haben seit dem tödlichen Boots-Unfall auf der Elbe schwierige Monate durchlebt. Langsam finden sie zurück in den Alltag.

Sonnabendmorgen, Nieselregen, grauer Himmel: Das Technische Hilfswerk hält eine Übung am Schiffshebewerk ab. Mehr als 20 Helfer transportieren eine 3,5 Tonnen schwere Drehbank vom Technikmuseum nach Rothensee. Gleichzeitig baut die Mannschaft für Übungszwecke eine Fahrzeug-Desinfektionsschleuse auf, die zum Beispiel bei Tierseuchen eingesetzt wird. Zuletzt war das 2006 auf Rügen nach Ausbruch der Vogelgrippe der Fall.

Mit vor Ort sind auch Mitglieder der Bootsgruppe, die dabei waren, als vor einem halben Jahr auf der Stromelbe zwei Helferinnen verunglückten. Eigentlich sollte es auch an diesem Tag mit einem Boot raus auf die Elbe gehen. Der niedrige Wasserstand lässt das aber nicht zu.

"Der Unfall ist noch in vielen Köpfen drin, aber irgendwie muss es weitergehen, auch wenn es anstrengend ist", sagt Axel W. Moch, THW-Ortschef. Der alleinerziehende Familienvater ist seit 2002 dabei. "Das Hochwasser hat mich zum THW gebracht", sagt er. Moch arbeitet hauptberuflich bei Dataport in Magdeburg.

Um den THW-Ladekran stehen mehrere Bergungshelfer. Das Problem ist nicht das Gewicht der 3-Tonnen-Drehbank. "Wir können entgleiste Züge wieder aufrichten", sagt Moch. Es ist vielmehr das unwegsame Gelände. Nachdem der Kran das Gerät ein Stockwerk tiefer vor das Trafohäuschen gewuchtet hat, rollen die Helfer es auf Holzbalken Zentimeter für Zentimeter vorwärts. "Ja, das ist Schwerstarbeit", sagt Moch.

Bei der Übung dabei ist auch seine 14-jährige Tochter Lea Almuth. Sie ist bei der Jugendgruppe des THW. Nach abgeschlossener Grundausbildung kann man beim Technischen Hilfswerk erst ab 18 aktiver Helfer werden. Sie sitzt daher im Lagefahrzeug. Moch beobachtet seine Kollegen, überlegt lange, bevor er antwortet. "Natürlich habe ich Angst um meine Tochter. Ich freue mich aber auch, dass sie in meine Fußstapfen treten möchte. Wir alle mussten nach dem Unglück erst lernen, mit dieser Situation umzugehen", sagt er.

Auch einer der Helfer, der am Unglückstag gemeinsam mit Cora und Jessica im Unglücksboot saß, ist da. Noch kann er nicht über den Tag sprechen. Zu heftig sind die Erinnerungen. Die THW-Helfer wurden neben den Familienangehörigen auch psychologisch betreut. Seit Anfang dieses Monats die Staatsanwaltschaft Magdeburg in wenigen Zeilen bekanntgab, dass sie die Ermittlungen einstellen werde, blickt man beim THW wieder nach vorn. Denn nun hat das Unglück zumindest juristisch ein Ende.

Der Ortsverband Rüsselsheim hat eines seiner Boote bereits Cora getauft. Auch in Magdeburg soll wahrscheinlich eines den Namen Jessica tragen. In beiden Ortsverbänden soll es bald auch Gedenkplatten geben, die an die beiden Opfer erinnern.

Im Internet: www.ov-magdeburg.thw.de

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