Magdeburg l Das Gericht sprach den 15-jährigen Y. sowie den vier Jahre älteren S. am Montag wegen versuchter schwerer räuberischer Erpressung schuldig. Die Urteile gegen sie sind noch nicht rechtskräftig.

S. kommt laut Richterspruch zur zweijährigen Bewährung auf freien Fuß. Im Gegensatz zu Y.: Er wurde aufgrund seiner Vorstrafen (u. a. wegen Raubes, räuberische Erpressung und Körperverletzung) nun zu drei Jahren hinter Gittern verurteilt. Erst Ende 2013 war eine Jugendstrafe gegen Y. zur Bewährung ausgesetzt worden.

Beide Angeklagten saßen seit ihrer Festnahme im Januar in Untersuchungshaft. Sie räumten vor Gericht die Vorwürfe ein. Demnach waren sie am 15. Januar gegen 11 Uhr mit Schreckschusspistolen und übergestreiften Skimasken in das Juweliergeschäft an der "Halber" eingerückt.

1000 Euro für Drogen, Party und Hotelzimmer

Der 64 Jahre alte Goldschmiedemeister erinnerte sich gestern so: "Ich saß da und habe gearbeitet, da kam plötzlich jemand rein." Einer der Maskierten sei an den Tresen gekommen und habe ihm eine Pistole vor die Brust gehalten. "Die war sehr dicht an mir dran. Er hat gesagt: ,Das ist ein Überfall!`" Beute machten die Maskierten keine. Der Juwelier erklärte, er habe "rot gesehen" und den Arm des Mannes weggeschlagen: "Ich bin an ihn ran, hab´ ihn rausgeschoben." Auch den zweiten Täter, der an der Tür stand, habe er mit auf die Straße "verfrachtet".

Die Maskenmänner hatten mit solch beherztem Eingreifen nicht gerechnet. Sie nahmen Reißaus. Doch zwei Zeugen nahmen die Verfolgung auf. Einer von ihnen konnte Y. mit dem Fahrrad einholen. Vor Gericht schilderte der mutige Helfer, wie er von Y. ebenfalls mit einer Pistole bedroht wurde. Er habe nun unter psychischen Folgen zu leiden, so der Mann, der bereits in der Vorwoche unter Tränen vor Gericht ausgesagt hatte. S. und Y. wurden später nahe der Schule Amsdorfstraße gefasst. Mehr als 20 Polizisten waren im Einsatz. Lehrer hatten das Gebäude abgeriegelt.

Wie sich herausstellte, hatten die Maskierten zwei Schreckschusswaffen verwendet. Diese waren auch nicht funktionstüchtig. "Das konnte man aber nicht erkennen", so Richterin Raue.

Der 19-jährige S. las gestern einen an den Goldschmied gerichteten Entschuldigungsbrief vor: "Ich war derjenige, der mit der Waffe vor Ihnen stand", so S. Er beteuerte: "Es tut mir alles sehr, sehr leid. Aber ich hätte Ihnen niemals etwas getan. Ich und mein Kumpel, wir waren auf Drogen, haben alles dafür gemacht." Cannabis und Speed sollen sie an dem Tag intus gehabt haben. Wie es an anderer Stelle hieß, hätten sie 1000 Euro "für eine Party" auftreiben wollen. Außerdem habe S. sich Geld für eine Hotelübernachtung besorgen wollen: "Ich war kurz vor Weihnachten zu Hause rausgeflogen und lebte auf der Straße", sagte der 19-Jährige.

Juwelier will nach Schock den Laden aufgeben

S. hatte noch keinen Eintrag im Vorstrafenregister. Allerdings wurden ihm jetzt vor Gericht auch noch ein Diebstahl mit Waffen und zwei weitere Diebstähle zur Last gelegt. Darunter ein gestohlener Trabant, den er nach eigener Aussage mit einem anderen Kumpan "zum Herumfahren am Neustädter See" geknackt hatte. Das Gericht verhängte eine Gesamtstrafe von zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung. Sein Vater will ihn wieder zu Hause aufnehmen. Der bereits vorbestrafte Y. soll hingegen seine drei Jahre im Jugendgefängnis absitzen.

An den Sudenburger Ladeninhaber sollen beide nun ein Schmerzensgeld zahlen. Der Goldschmied gestern: "Der Schock ist da. Anfangs musste ich Tabletten nehmen, um nachts schlafen zu können." Zum Jahresende wolle er sein Geschäft aufgeben.

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