Magdeburg l Katzen sind pünktliche Tiere, auch an den öffentlichen Futterplätzen in Magdeburg. Kommt der Betreuer mit dem Futterkorb immer zur selben Zeit, dann warten die kleinen Streuner schon auf ihn. Zwischen 10 und 20 Katzen pro Futterstelle sind keine Seltenheit. Seit 2012 sind angemeldete Katzen-Futterplätze in Magdeburg erlaubt. Sinn dieser Verordnung ist es, zum einen die Tiere mit Futter zu versorgen, zum anderen aber die Vermehrung der freilebenden Katzen in den Griff zu bekommen. Denn an den Futterstellen kann man die Tiere leichter einfangen und kastrieren lassen oder medizinisch versorgen. Junge Tiere lassen sich möglicherweise auch an Katzenfreunde vermitteln. Das sehen auch die Tierschutzvereine der Stadt ähnlich.

Aber: Es gebe immer häufiger Probleme mit den Futterplätzen, berichtet jetzt das Magdeburger "Bündnis für Tiere". Oft sind die Futterplätze auf Privatgrundstücken eingerichtet und werden von Anwohnern betreut, so Vereinsvorsitzende Mirjam Karl-Sy. Die Rechte der Grundstückseigentümer stellten allerdings die Tierschutzvereine vor Probleme, denn es gelte "Privat geht vor Staat". Darum würden immer wieder geschützte Futterstellen abgelehnt. Ein neuerlicher Fall mache dies deutlich, so Mirjam Karl-Sy.

Nach dem Hochwasser im Juni 2013 hätten Anwohner aus dem Unterhorstweg den Tierschutzverein um Hilfe gebeten. Zahlreiche Katzen hatten sich vor dem Hochwasser aus Richtung Salbker See auf dem Gelände der Grundstücke 3 bis 12 in Sicherheit gebracht. Das "Bündnis für Tiere" habe dann dort eine Katzen-Futterstelle eingerichtet, die von einer Anwohnerin auch betreut wurde. Schon nach kurzer Zeit konnten dort sieben Tiere eingefangen werden, im Laufe des Jahres waren es 22, berichtet Mirjam Karl-Sy. Man habe die Futterstelle bei der Stadt angemeldet und auch Kontakt zur zuständigen Wohnungsbaugenossenschaft MWG aufgenommen. Der sei aber spärlich geblieben, allerdings wurde die Futterstelle auch nicht untersagt.

Eigentümer entscheidet


In diesem Frühjahr sei die Betreuerin der Futterstelle leider bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen, so Mirjam Karl-Sy. Die Folge war, dass die MWG dem Verein untersagt habe, die Futterstelle weiter zu betreuen. "Aus Sicherheitsgründen", so die Erklärung. Eine Nachfrage der Volksstimme bei der MWG ergab vorerst nur so viel: Man wolle die Sache prüfen. Wichtig sei aber, dass die MWG die entsprechenden Grundstücke und Wohnungen am Unterhorstweg nicht besitze, sondern nur für die Eigentümer verwalte. Es sei davon auszugehen, dass die Eigentümerversammlung wohl mehrheitlich die Futterstelle abgelehnt habe. Als Verwalter müsse man diesen Beschluss umsetzen.

Das Magdeburger "Bündnis für Tiere" schlägt jetzt Alarm. Die Sache im Unterhorstweg sei kein Einzelfall, im vergangenen Jahr sei es mehrfach zu Schließungen von Katzen-Futterstellen gekommen. So sei beispielsweise im vergangenen Jahr von einer anderen Wohnungsbaugesellschaft kurz vor dem Wintereinbruch eine seit 15 Jahren bestehende Futterstelle geschlossen worden.

Stadt sieht keine Probleme


Diese Situation schaffe nur Probleme, ist sich Mirjam Karl-Sy sicher. Nur über die Futterstellen lasse sich eine genaue Übersicht über die freilebenden Katzen gewinnen und deren ungezügelte Vermehrung in den Griff bekommen.

Nach Angaben der Stadt Magdeburg gibt es im Stadtgebiet zurzeit 79 registrierte Futterplätze für Katzen. Bis auf den vom "Bündnis für Tiere" geschilderten Fall sei der Stadt bis jetzt kein weiterer Fall bekannt, in dem Bürger Widerstand gegen Futterplätze geleistet hätten. Auch habe es bei der Stadt in dieser Hinsicht keine Einsprüche von Bürgern gegen Futterplätze gegeben, sagte Rathaussprecher Michael Reif auf Volksstimme-Anfrage. Dabei räumte er ein, dass ausschließlich die Grundstückseigentümer entscheiden, ob auf ihrem Gelände ein Futterplatz eingerichtet werde.

Kontrolliert würden die Futterplätze vom Stadtordnungsdienst nur, wenn konkrete Hinweise auf Probleme vorliegen. Bis jetzt hätten sowohl das Gesundheits- und Veterinäramt als auch das Ordnungsamt noch keine Futterstelle in Magdeburg verbieten müssen. Und die Zusammenarbeit mit den Tierschutzvereinen bezeichnete Michael Reif aus Sicht der Stadt als "vertrauensvoll".

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