An jedem Mittwoch und Freitag verwandelt sich das Hedwig-Pfeiffer-Haus in der Stresemannstraße in eine kleine Bäckerei. Pünktlich um zehn Uhr beginnen Beschäftigungs-Mitarbeiterin Petra Krunig und einige an Demenz erkrankte Bewohner damit, einen Kuchen für den nachmittäglichen Kaffeeklatsch zu zaubern.

Auch gestern war es wieder so weit. Und dieses Mal gab es sogar prominente Unterstützung: Innenminister Holger Stahlknecht half beim Backen eines leckeren Apfelkuchens.

Der CDU-Politiker griff nicht ohne Grund beherzt zum Messer, um die August-Äpfel von ihrer Schale zu befreien. Am 25. Januar zog er einen Wunschzettel vom Wunschbaum der Winterzauber-Gala. "Wir haben uns bewusst keine Geldspende gewünscht. Zeit ist auch kostbar und wichtig. Deshalb sollte es eine Zeitspende in Form von Kuchenbacken mit unseren Bewohnern sein", erzählte Pflegedienstleiterin Anne Müller.

Eine kleine Herausforderung für den Innenminister. Denn:

Kochen sei für ihn kein Problem, Backen hingegen schon, scherzte er. Beim Schälen der Äpfel zeigte sich dann auch, warum. "Zu Hause benutze ich immer einen Sparschäler. Mit dem Messer kann ich nur Bauklötze aus den Äpfeln schnitzen", so Stahlknecht lachend.

Die ungewollte Großzügigkeit beim Äpfelschälen machte der Politiker aber beim Belegen des Teiges wieder mehr als wett. Geschickt legte er die zu Scheiben weiterverarbeiteten Apfelklötze herzförmig auf den Teig. "Wenn Männer mal was machen, dann machen sie es richtig", kommentierte Bewohnerin Maria D. mit einem Nicken die nun doch vorhandenen Backkünste des Innenministers.

Neben Maria D. versammelten sich an diesem Morgen noch 14 weitere Bewohner um Holger Stahlknecht.

Einige von ihnen befinden sich im frühen Stadium der Demenz, manche von ihnen im weit fortgeschrittenen. Und doch haben sie eines gemeinsam, weiß Pflegedienstleiterin Anne Müller: "Unsere Bewohner sehnen sich nach Sicherheit. Wenn wir zum Beispiel gemeinsam Kuchen backen, werden die Sinne angeregt. Das Geräusch des Mixers und der Duft des frischen Kuchens wecken schöne Erinnerungen an früher."

Von den Pflegerinnen und Pflegern der Einrichtung zeigte sich Holger Stahlknecht beeindruckt: "Die Menschen, die hier arbeiten, gehen wirklich einer Berufung nach. Ich ziehe meinen Hut vor ihnen. Schön, dass ich heute hier sein darf."

Anne Müllers Urteil über den nicht alltäglichen Besuch fällt ebenfalls positiv aus: "Unsere Bewohner freuen sich immer, wenn etwas los ist. Herr Stahlknecht strahlt eine Ruhe aus, die sehr wichtig im Umgang mit dementen Menschen ist. Er hat seine Sache prima gemacht!" (jmd)