Magdeburg l Der Spätsommer zeigte sich am vergangenen Sonnabendmorgen von seiner schönsten Seite: strahlend blauer Himmel und steigende Temperaturen. Auf dem Gelände der Landesbereitschaftspolizei (LBP) in Prester herrschte bereits geschäftiges Treiben. Auf dem Areal präsentierten sich neben der LBP auch andere Einheiten, etwa das Sondereinsatzkommando (SEK), das Technische Hilfswerk (THW) und die Bundespolizei.

Noch während alle aufbauten, war für eben jene Bundespolizisten die Veranstaltung auch schon wieder beendet. Das Tagesgeschehen forderte seinen Tribut. Denn kurz vor neun Uhr sickerte die Nachricht durch, dass ein Kesselwagen mit hoch explosiver und giftiger Flüssigkeit am Magdeburger Hauptbahnhof undicht ist, das komplette Areal evakuiert werden muss (siehe Seite 7). Da Bahnhöfe in den Aufgabenbereich der Bundespolizei fallen, mussten die Beamten plötzlich das leisten, was sie zuvor noch theoretisch erklären wollten. "Manchmal entwickelt sich die Einsatzlage äußerst rasant", kommentierte Bundespolizistin Chris Kurpiers.

Das weiß auch Harry Franck (55). Er ist Kommandant eines geschützten Sonderwagens. Er ist eine Art Schutzschild bei Polizeieinsätzen. Er und sein Team sind immer vorn mit dabei. "Typische Einsätze sind für uns etwa die Krawalle am 1. Mai", sagte Franck. Sein Gefährt ist ein gepanzertes zehn Tonnen schweres Ungetüm mit zehn Sitzplätzen, das er und seine Kollegen an einer der zahlreichen Stationen vorführen. Ausgestattet ist der Wagen mit Räumschild, ABC-Schutz- und Belüftungsanlage und Sperranlage. Bei Bedarf kann der Wagen etwa auch eine schützende Stahlplatte ausfahren. "Das kommt beispielsweise bei Hausbesetzungen zum Einsatz", sagt Franck. Die Kollegen können unter der Stahlplatte Schutz suchen, wenn die Gefahr besteht, dass Gegenstände geworfen werden.

Mehr als 2000 Besucher schauten am Sonnabend hinter die Kulissen der Bereitschaftspolizei und ließen sich Technik wie den geschützten Sonderwagen vorführen. So wurde etwa das Vorgehen der Einsatzhundertschaften bei randalierenden Personengruppen gezeigt. In einer Schauvorführung versammelten sich 30 Randalierer hinter brennenden Müllcontainern und Schrottautos und bauten Barrikaden. In einer anderen Vorführung zeigte das SEK das Vorgehen bei Geiselnahmen.

Etwas abseits des großen Spektakels gab es auch eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Vor einer der Baracken stand ein alter Robur LO 2002. Das restaurierte Fahrzeug gehört mittlerweile dem Blaulichtmuseum Beuster. Das Fahrzeug war von 1984 bis 1990 Teil des Fuhrparks der Magdeburger Volkspolizeibereitschaften. "Ich bin früher damit gefahren", sagte Polizist Eckard Jahn von der Polizeidirektion Nord. Für den 59-Jährigen war es ein Wiedersehen nach langer Zeit. "Ich bin nur deshalb hier", sagte er.

 

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