Magdeburg l Offiziell heißen die im Volksmund bekannten Ein-Euro-Jobs "Maßnahmen mit Mehraufwandsentschädigung". Hinter dem sperrigen Behördenbegriff verbergen sich Menschen, die gern wieder auf den regulären Arbeitsmarkt zurückwollen. In den Ein-Euro-Jobs machen sie sich fit oder bieten sich mitunter direkt beim Arbeitgeber an. Rund 1100 Magdeburger sind in solchen "Maßnahmen" tätig, häufig ohne dass es der Magdeburger merkt. Denn Vereine, Verbände, Museen und andere gemeinnützige oder städtische Einrichtungen müssten Angebote einstellen oder aber zurückfahren, gäbe es die Unterstützung durch die Ein-Euro-Jobber nicht. Die Magdeburger Tafel als Essenausgabestelle für bedürftige Elbestädter gehört ebenso dazu wie das Technikmuseum. Von Ein-Euro-Jobs profitieren beide Seiten: Der Jobber hat wieder mehr Kontakt zur Arbeitswelt - und die Einsatzstelle zusätzliche Unterstützung. Obendrauf gab es bisher zum Arbeitslosengeld II (Hartz IV) noch je Stunde 1,28 Euro ohne Anrechnung auf andere Leistungen.

Dieser Satz wird jetzt erhöht. Ab Montag wird den Ein-Euro-Jobbern 1,50 Euro pro Stunde gezahlt. Damit steigt das Entgelt für die Teilnehmer der Maßnahmen von 1,28 Euro um 22 Cent auf 1,50 Euro. Nach Berechnungen des Jobcenters stehen den Teilnehmern der Maßnahmen so zusätzlich bis zu 45 Euro mehr pro Monat zur Verfügung.

Vergütung wird regional unterschiedlich gezahlt

Momentan nutzen über 1100 Arbeitslose über das Jobcenter einen Ein-Euro-Job. Insgesamt zählen 23800 Magdeburger zu den Empfängern von Arbeitslosengeld II und können Ein-Euro-Jobs übernehmen.

Für die Landeshauptstadt Magdeburg bleiben solche Maßnahmen auch weiterhin von großer Bedeutung. "Arbeitslosengeld-II-Empfänger können dadurch Berufserfahrung sammeln, Selbstbewusstsein erlangen und sich mit aktuellen Entwicklungen in ihrem Beruf vertraut machen bzw. ihre Kenntnisse auffrischen, zum Beispiel wenn sie ihren Beruf sehr lange nicht ausgeübt haben", sagt Jobcenter-Sprecher Christian Schmidt.

Auch die Träger der Maßnahmen begrüßen die Erhöhung. Alexandra Rießler, Chefin der Magdeburger Gesellschaft für Arbeit, Qualifizierung und Beschäftigung (AQB), koordiniert derzeit 388 Ein-Euro-Jobber in Einrichtungen wie der Magdeburger Tafel, der Straße der Romanik oder in Sportvereinen oder Museums- projekten der "Megedeborch". "Ich freue mich für unsere Teilnehmer, weil ja auch die Lebenshaltungskosten gestiegen sind und viele einen guten Job machen. Sie haben es einfach verdient."

Chancen, aus dem fünf- bis sechsmonatigen Gelegenheitsjob neben dem ALG-II-Geld in eine reguläre Anstellung zu wechseln, bestehen durchaus. "Wir machen die Erfahrung, dass sich Arbeitgeber eher für einen Ein-Euro-Jobber entscheiden, weil sie ihn persönlich kennengelernt haben, als wenn sie nur seine Bewerbungsunterlagen sehen. Das hat schon mehrfach geklappt", so die AQB-Chefin weiter. Und genau das ist ohnehin das Ziel der "Maßnahmen mit Mehraufwandsentschädigung", die nun etwas besser als vorher vergütet werden.

Übrigens: Die Ein-Euro-Jobs werden regional unterschiedlich vergütet. Abhängig ist das u.a. von den lokalen Lebenskosten, den Zuweisungen des Bundes und der Arbeitsmarktlage.