Magdeburg l Namhafte Forschungseinrichtungen Sachsen-Anhalts konnten in diesem Jahr einmal mehr zeigen, wie leistungsfähig die sachsen-anhaltische Forschungslandschaft ist - die Volksstimme berichtete. Ein Blick auf die Liste der mit Preisgeldern geehrten Akteure zeigt aber auch: Einen erheblichen Anteil leisten auch Unternehmen aus Magdeburg.

Übung für komplizierte Arbeit am Innenohr

Doppelt mit dabei ist Dornheim Medical Images GmbH. Mit dem Projekt "Didaktische Ohr-Operationsmodelle" haben die Magdeburger in Kooperation mit den Medizinern und Ingenieuren der Otto-von-Guericke-Universität den begehrten und mit 10 000 Euro dotierten Hugo-Junkers-Preis für die innovativste Allianz abgeräumt. Dem Team ist es gelungen, patientenindividuelle Präparationsmodelle in einem hochqualitativen Verfahren herzustellen. Eine Weltneuheit. Hintergrund: Um einem gehörlosen oder gehörgeschädigten Patienten ein Innenohrimplantat in die Hörschnecke einzusetzen, muss der HNO-Chirurg sehr präzise einen Zugang durch das harte Knochengewebe fräsen, ohne Nerven oder Hör- und Gleichgewichtsorgane zu verletzen. Die künstlichen Felsenbeine (Foto) ermöglichen Medizinern nun, vor einer schwierigen Operation die chirurgischen Eingriffe zu trainieren und zu planen. "So unterschiedlich, wie Menschen sind, so verschieden sind ihre Felsenbeine", erklärt Mediziner PD Dr. Ulrich Vorwerk.

"Das lange Warten auf geeignete Präparate oder risikobehaftete Eingriffe am Patienten haben ein Ende", sagt Lars Dornheim. Sprich: Anders als bislang können jetzt Modelle zeitnah und in beliebiger Stückzahl zur Verfügung gestellt werden - und zwar dank der ausgefeilten Fertigungstechnik in einer Qualität, die dem menschlichen Ohr äußerst nahe kommt.

Dornheim Medical Images hat als Anbieter für neuartige Produkte und technologische Lösungen für alle Bereiche zwei- und vor allem dreidimensionaler Daten zudem in der Kategorie Grundlagenforschung den dritten Platz erzielt. Diesen erhielten sie zusammen mit der Uniklinik für Dermatologie und Venerologie, dem Fraunhofer IFF und der Hasomed GmbH für die Entwicklung eines Ganzkörperscanners für Hautkrebsvorsorgeuntersuchungen.

Automatisierung für die globale Petrochemie

Mit der MIAM - Magdeburger Industriearmatur-Manufaktur GmbH konnte ein weiteres landeshauptstädtisches Unternehmen einen mit 10 000 Euro dotierten ersten Preis verbuchen - und zwar den in der Kategorie Innovativste Produktentwicklung. Den Erfolg brachte der "Inno-Mat"-Getriebemechanismus zur Betätigung anlüftbarer Kükenhähne. Die riesigen Absperrhähne sind in der Petrochemie ein Klassiker - sie wurden vor rund 100 Jahren in Deutschland entwickelt. Das Prinzip funktioniert bis heute problemlos. Der Automatisierungsgrad in den Anlagen war damals allerdings noch gering und kleinere Nennweiten bei den Rohrleitungen waren üblich. "Höhere Drücke, größere Durchmesser und damit verbunden verstärkte Stellkräfte verlangen in der Gegenwart förmlich nach einer Vereinfachung", heißt es in der Übersicht des Hugo-Junkers-Preises. Hier setzen die Magdeburger mit ihrer Entwicklung an. Mehr als 40 Geräte haben die MIAM-Ingenieure bereits in die USA verkauft und dort zum Einsatz gebracht. Weitere Anfragen gibt es unter anderem aus Argentinien und Brasilien.

Neue Werkstoffe am Computer komponiert

Am mit 7500 Euro dotierten zweiten Platz der Kategorie Innovativste Projekte der angewandten Forschung beteiligt ist die Iratec GmbH aus Magdeburg. Weitere Partner sind die Köthener Spezialdichtungen GmbH und die Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt Halle. Titel des Erfolgsprojekts: "Werkstoffe nach Maß - die R:LM² Technologie (Rapid Laser Materials Manufacturing)". Ziel war es aus verschiedenen Metallpulvern am Computer zunächst einen neuen Werkstoff zu simulieren und im Anschluss die Pulver real zu mischen, im Laserstrahl zu verschmelzen und den neuen Werkstoff Schicht für Schicht in der gewünschten Form zu platzieren. Das Verfahren ermöglicht es, computergestützt neue Werkstoffe zu entwickeln. Künftig sollen Armaturengehäuse mit Sitzdichtung und Verschleißschutz komplett gefertigt werden - und zwar ganz ohne Gießtechnik und Zerspanung.

Den ersten Platz in dieser Kategorie hatte übrigens das E-Power-Wheel der Otto-von-Guericke-Universität belegt - die Volksstimme berichtete anlässlich der Preisverleihung.

System erkundet anspruchsvolle Flächen

Über einen mit 3000 Euro dotierten dritten Platz konnten sich die Magdeburger Forscher und Entwickler der INB Vision AG, der Otto-von-Guericke-Universität und des Fraunhofer-Instituts für Fabrikbetrieb und Fabrikautomatisierung IFF freuen. Sie haben im Projekt "Oberflächeninspektion auf der Basis angepasster Oberflächenmodelle" gemeinsam mit Anwendern aus der Automobilindustrie ihre Kompetenzen gebündelt und ein System entwickelt, welches das Aussehen fehlerfreier Oberflächen lernt, größere Flächen in einem Arbeitsschritt erfasst und kleinste Fehler zuverlässig erkennt. "Mit ihrer intelligenten optischen 3D-Oberflächeninspektion surfaceCONTROL stehen die Wissenschaftler als eine der ,innovativsten Allianzen` im Finale des Wettbewerbs um den Hugo-Junkers-Preis", heißt es in einer Auflistung der Preisträger.