Magdeburg l Mission abgeschlossen - der Motorwolf läuft. Binnen drei Jahren und in unzähligen Arbeitsstunden haben Mitglieder des Technikmuseums Magdeburg eine fahrbare Patentheißdampfmotorlokomobile, kurz Motorwolf genannt, von einem hoffnungslosen Fall in ein voll funktionsfähiges Ausstellungsstück verwandelt. Sie stammt aus der Schmiede der Buckau Wolf AG und ist vermutlich 1926 hergestellt worden, so Museumsleiter Gerhard Unger. Sie wurde vorzugsweise in der Landwirtschaft eingesetzt und sollte die großen Lokomobilen etwa beim Dreschen ersetzen. Mit Pferden konnte der Motorwolf zum jeweiligen Einsatzort bewegt werden. "Eine große Lokomobile hatte den Nachteil, dass sie einen Tag im Voraus angeheizt werden musste, um betriebsbereit zu sein", so Unger. Die kleinere Lokomobile benötigte lediglich eine halbe Stunde zum Anfahren.

Funktionsweise: Der Dampf, der im Kessel beim Erhitzen entsteht, wird auf den Antrieb übertragen. Zwei Kolben, die entsprechend gesteuert werden, wandeln die senkrechte Bewegung in eine Kurbelbewegung um. "Wir vermuten, dass man mit solchen Motoren gegen die Entwicklung von Dieselmotoren gegenhalten wollte", sagt Gerhard Unger. Denn der Motorwolf konnte mit allem befeuert werden.

Ehe das 2012 erworbene Modell in Betrieb genommen werden konnte, war viel Fleiß gefragt. Fehlende Unterlagen zum Aufbau des Motorwolfes erschwerten dessen Wiederaufbau. Dr. Konrad Pusch, Ronald Tannenberg und Peter Wieland nahmen sich der Aufgabe an, das gute Stück zum Laufen zu bringen. Konrad Pusch legte eine Dokumentation mit Aufbau und Funktionsweise an, "die später einmal, wenn nochmals Hand angelegt werden muss, am Motorwolf genutzt werden kann."

Einst ist die Patentheißdampfmotorlokomobile den Mitstreitern des Technikmuseums in einem Prospekt aufgefallen. Recherchen, wo solch ein Motorwolf noch existieren würde, blieben zunächst erfolglos. Hans-Werner Schmidt fasste den Plan, solch einen Motorwolf als Miniaturmodell nachzubauen. Dazu benötigte er lediglich zwei Maße, um die Relationen herstellen zu können. Über das Internet stieß er schließlich auf einen Engländer, der die Sache ins Rollen brachte. Denn dieser gab den Hinweis auf einen Sammler aus Baden-Württemberg, der noch über einen Motorwolf verfügte und diesen sogar verkaufen wollte. Beim Preis zeigte sich der Herr verhandlungsresistent, so dass das Technikmuseum 12 000 Euro investieren musste, um sich die Maschine und damit ein Stück Magdeburger Industriegeschichte zu sichern. "Nach unseren Informationen ist es das letzte Modell seiner Art", so Gerhard Unger. Mit Hilfe von Spenden etwa der Nord LB, der Stadtsparkasse Magdeburg und den Städtischen Werken Magdeburg sowie von Privatpersonen konnte die Summe gestemmt werden.

Die Patentheißdampfmotorlokomobile soll bald in der Grusonschen Werkhalle an der Dodendorfer Straße Besuchern präsentiert werden. Sie ist auch in Fernsehbeiträgen zu sehen, die ab dem 12. Februar im MDR in der Reihe "Schrauben, Schmieren, Sammeln - die Magdeburger Museumsretter" ausgestrahlt werden.

Das Technikmuseum Magdeburg ist in der Wintersaison wöchentlich von Dienstag bis Sonntag in der Zeit von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Weitere Informationen:

www.technikmuseum-magdeburg.de