Magdeburg l Als Kommissarin Kerstin Gerke (32) und ihr Kollege Hauptkommissar Eric Tempel (43) Freitagnacht in die Gröperstraße einbiegen, sehen sie sofort, dass etwas nicht stimmt. Aus dem Dachgeschoss eines alten Wohnhauses steigt dichter Rauch auf. Zuerst sieht es so aus, als komme dieser aus einem Schornstein. "Man hat zwar keine Flammen gesehen, aber die Rauchentwicklung war nicht normal. Dafür war es zu viel", sagt Tempel.

Die beiden Polizisten alarmieren sofort die Feuerwehr und versuchen die Bewohner wachzuklingeln. Es ist weit nach Mitternacht. Die Lage ist unübersichtlich. Das alte Haus ist nicht vollständig bewohnt, es gibt noch einen Hintereingang. Gerke und Tempel klopfen an Türen und werfen kleine Steinchen an die Fenster.

Als auch das nichts nützt, fährt Eric Tempel mit dem Streifenwagen vor das Haus und fordert die Bewohner über Lautsprecher auf, herauszukommen. In der Zwischenzeit versucht seine Kollegin, über den Hintereingang in das Haus zu gelangen. Zu diesem Zeitpunkt ist unklar, wie viele Personen sich tatsächlich in dem Haus befinden.

Sieben Bewohner werden aus dem Haus evakuiert

Die ersten Bewohner werden durch die Rufe wach und verlassen das Haus. Mittlerweile ist die Rauchentwicklung so stark, dass man ohne Atemschutz nicht mehr in die oberen Stockwerke kommt. "Es ging alles ganz schnell", erinnert sich Tempel. Inzwischen ist auch die Feuerwehr vor Ort und hilft bei der Evakuierung.

Sieben Leute wohnen in dem Haus, darunter auch Kinder. Niemand wird verletzt. Die Feuerwehr rettet auch die Haustiere, darunter ein Hund. In der Nacht kann die Volksstimme kurz mit einer Frau sprechen, die mit ihrer 10-jährigen Tochter aus dem Brandhaus evakuiert wurde. Man habe den Brand nicht bemerkt, sagt sie. Um den ersten Schock zu mildern, schenkten Tempel und Gerke dem kleinen Mädchen einen Plüschteddy.

50 Feuerwehrleute waren damit beschäftigt, ein Übergreifen der Flammen auf das Nachbargebäude zu verhindern. Das war nicht einfach, denn in das Haus sind die Feuerwehrleute nicht mehr reingekommen. Gelöscht werden musste über Drehleitern. Immer wieder schlugen die Flammen durch das Dach. Der Einsatz dauerte bis Freitagmittag.

Nach ersten Erkenntnissen kann Brandstiftung ausgeschlossen werden. Ein technischer Defekt gilt als Ursache für das Feuer. So sollen laut Brandursachenermittlern heiße Rauchgase aus dem Schornstein den Brand im Dachgeschoss ausgelöst haben. Das Haus ist nicht mehr bewohnbar und ist nach einer ersten Einschätzung einsturzgefährdet. Der Gesamtschaden soll laut Feuerwehr 400 000 Euro betragen. Die Bewohner sind bei Verwandten und in einem Hotel untergebracht.

"Zum Glück wurde niemand verletzt", sagt Hauptkommissar Tempel. Als Leitender Einsatzbeamter vom Dienst (LEvD) - quasi der oberste Polizist der Schicht - ist es eigentlich nicht üblich, dass er selber auf Streife ist. Dass er und seine Kollegin in jener Nacht zusammen auf Streife waren und dann auch noch im richtigen Moment an der kleinen Gröperstraße entlang fuhren, ist ein großer Zufall - für die Bewohner des Hauses ein lebensrettender Zufall.

 

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