Werder l "Wir können nicht ewig den alten Zeiten hinterherheulen", fand SPD-Stadtrat Jens Rösler direkte Worte für die Café-Befürworter unter seinen Ratskollegen. Denn davon gibt es noch einige, wie sich am Donnerstag wieder zeigte - trotz der seit Jahren gebetsmühlenartig vorgetragenen Versicherungen von Verwaltung und Turmbetreiber MVGM, dass eine gastronomische Einrichtung finanziell nicht tragbar sei.

Und auch diesmal erklärte Oberbürgermeister Lutz Trümper, dass "nicht einmal eine Person von den wenigen Caféplätzen leben könnte". Zu groß seien die Kosten für Brandschutz sowie Heizung im Winter und Wärmeschutz im Sommer. Weit über eine halbe Million Euro müssten investiert werden und das will bislang kein Gastronom riskieren.

Um dem "Kleinod die mythische Bedeutung, die ihm sein Erbauer zugemessen hatte" (O-Ton Grünen-Stadtrat Sören Herbst) zumindest ein Stück zurückzugeben, solle der Albinmüllerturm besser genutzt werden. So lautete der Ursprungsantrag der Grünen, zu dem sich die Debatte entspann. "Wir wollen den Besuchern mehr als den wunderbaren Ausblick bieten", erklärte Herbst weiter.

Der Antrag seiner Fraktion hatte seit Einreichung am 10. Januar 2014 bis zur Entscheidung in dieser Woche bereits ordentlich Patina ansetzen können. Gleich drei Stellungnahmen gab die Stadt zwischenzeitlich dazu ab. Noch viel länger reicht aber die eigentliche Diskussion um das Café im Turm zurück, wie Ratsveteran Alfred Westphal (Grüne) anmerkte, nämlich über ein Jahrzehnt. Sein Kollege aus den Reihen der CDU, Michael Hoffmann, konstatierte folglich: "Wir haben bisher nichts gekonnt." Gastronomisch ginge es seiner nicht ganz ernst gemeinten Meinung nach nur so: "Sechs Studenten, zwei Kisten Bier und dann ist gut."

Doch laut Stadt wäre selbst eine nicht-gastronomische, private Nutzung des früheren Cafébereichs über der Aussichtsebene nur mit entsprechenden Brandschutz- und Sanitäranlagen möglich. Und das kostet bereits über 100000 Euro.

Alfred Westphal forderte den Baubeigeordneten Dieter Scheidemann auf, eine "Lösungsgemeinschaft" einzuberufen, deren oberstes Ziel es sein müsse, "das Eigentum der Stadt zu nutzen".

Während ein Änderungsantrag der Linken, der explizit auf die Café-Nutzung abzielte, durchfiel, wurde der Ursprungsantrag für ein neues, "anspruchsvolles" Nutzungskonzept schließlich einstimmig beschlossen. Wie genau diese aussieht, sollen Stadt, MVGM und Forum Gestaltung jetzt gemeinsam herausfinden.

Nachdem bereits jetzt ein Jahrzehnt ins Land ging, bietet sich das 100-jährige Bestehen des Baudenkmals im Stadtpark im Jahr 2027 aber als mögliches Fernziel für die Umsetzung am Albinmüllerturm an.