Lauvstad(Magdeburg (ka) l Rund um den Globus fiebern Fans des 1. FC Magdeburg den Relegationsspielen gegen die Kickers Offenbach entgegen. 1600 Kilometer entfernt, im norwegischen Lauvstad, hat Christoph Allecke die blau-weiße Fahne gehisst. Stolz weht sie über dem Fjord - wie immer, wenn in seiner Heimat der Club spielt.

Vorausgesetzt, Allecke ist nicht selbst im Stadion. Denn für den Club pendelt er auch gern mal 1600 Kilometer zwischen Magdeburg und Lauvstad. Bei jedem Heimatbesuch stehen die Clubspiele auf der To-do-Liste. Klar besuche er die Familie - "aber der generelle Urlaubszeitraum orientiert sich dann doch sehr oft am Spielplan der Regionalliga Nordost", verrät der 31-Jährige, der in Oebisfelde aufgewachsen ist.

Offenbach nicht unterschätzen

Nur ausgerechnet zu den Relegationsspielen kann der Garten- und Landschaftsbauer nicht live dabei sein. "In Norwegen herrscht gerade Hochkonjunktur, was es mir leider nicht möglich macht, einmal mehr unsere Jungs von den Rängen hinter dem Tor nach vorne zu brüllen." Aber guten Gewissens, dass das Stadion ohnehin ausverkauft ist, verfolge er das Spiel am Bildschirm.

Die Chancen für den Aufstieg der Magdeburger schätzt Allecke übrigens als durchaus positiv ein. "Magdeburg hat eine mehr als beeindruckende Serie hingelegt, stets unter Druck Sieg für Sieg eingefahren und somit die direkten Konkurrenten ins Straucheln gebracht. Denn jeder lässt irgendwann mal Punkte liegen."

Offenbach mit seiner ebenso großen Anhängerschar sei nicht zu unterschätzen. "Man setzt sich schließlich nicht ohne Grund so früh als Staffelsieger ab. Aber auch die Kickers sind zu schlagen, wie sie uns an ihrem letzten Spieltag gezeigt haben", so der Wahlnorweger. "Magdeburg kann sie alle schlagen", sagt er, "solange die Köpfe frei sind und man sich auf seine Stärken beruft. Nicht ohne Grund haben wir deshalb im DFB-Pokal einmal mehr für Furore gesorgt."

Denn eine der Stärken des Clubs sei in seinen Augen neben der geradlinig treuen und zahlreichen Anhängerschaft ein gut abgestimmter Kader. Die Abwehr rund um Silvio Bankert mache einen äußerst soliden Job und habe somit einen erheblichen Anteil am Staffelsieg. "Denn was kann schon schiefgehen, solange hinten die Null und vorne ein Christian Beck steht." Doch letztlich sei es das gesamte derzeitige Team rund um Jens Härtel gewesen, das den 1. FC Magdeburg an der Tür zum langersehnten Profifußball klopfen lässt und auch genau diese ganz weit aufstoßen wird, so Christoph Allecke.

Am Mittwoch und am Sonntag wird er jedenfalls gebannt vorm Fernseher sitzen und mit den Magdeburgern fiebern. "Es heißt nicht ohne Grund \\\'Einmal - Immer\\\'", sagt er. Und das eine Mal, also das erste Mal FCM, liegt nunmehr acht Jahre zurück. Es sei das Spiel im Juni 2007 gegen St. Pauli gewesen, das zum "Immer" führte und das Feuer entzündete.

Zwar war damals das Ergebnis verheerend gewesen, dennoch habe das Stadion seine Mannschaft auch nach knapp verpasstem Aufstieg für eine tolle Saison gefeiert. "Dieses Erlebnis war mein Einstieg zum Club und führte mit jedem weiteren Stadionbesuch zu wachsender Begeisterung." Die wuchs nun sogar weit über die Landesgrenzen hinaus, so dass zu besonderen Spielen wie zum Pokalspiel gegen Leverkusen oder Ligaspiel gegen Zwickau auch mal eine Sonderfahrt eingeräumt wird.

Dann gehe es nach der Arbeit los und nach gut 24-stündiger Fahrt werde die Familie schnell gedrückt, ehe es ins Stadion und dann wieder nach Norwegen geht. "Wenn alles passt, schaffe ich es pro Saison, mir vier bis fünf Spiele anzusehen", verrät er.

Selbst wenn die Zeit drückt, wird versucht, "möglich zu machen, was möglich ist". Da werde auch schon mal zwischen einer Hochzeit und einem Spiel gependelt. Dank einer außergewöhnlich langen Pause des Brautpaares nach dem Ja-Wort war es möglich, kurz vor dem Gruppenfoto mit breiter Brust und wedelnder Clubkrawatte zum Rest der Hochzeitsgesellschaft wieder dazuzustoßen. "Gott sei Dank kam es zu keinem Stau auf der Autobahn. Andernfalls hätte es eine riesige Schelte von meiner Frau gegeben."

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