Die im Vorjahr nach viereinhalbjähriger Restauration fertiggestellte "Gustav Zeuner" ist ab sofort begehbar. Der Kettendampfer hat bis 31. Oktober geöffnet. Fünf Experten der Gise übernehmen die Führung auf dem Museumsschiff. Sie hatten gestern den ersten großen Besucheransturm zu bewältigen.

Alte Neustadt. Gestern, 13 Uhr. Eine Menschentraube steht vor dem auf Trockendock liegenden restaurierten Kettendampfer des Baujahrs 1894. Wenig später "entern" die Besucher die "Gustav Zeuner". Sowohl die Erläuterungen und Besichtigungen auf Deck als auch das Innenleben mit den Kajüten, dem Maschinenraum und der laufenden Dampfmaschine finden großen Anklang. In der hinteren Deckkabine locken die Dokumentationen über die Kettenschifffahrt viele Interessenten an. Andere verschaffen sich in der zweiten Kabine einen Einblick in die Arbeitsbedingungen der früheren Elbeschiffer. Oder sie befühlen einfach die Kette, die sich einst 730 Kilometer lang auf dem Elbgrund zwischen Usti und Hamburg erstreckte.

Als die Gise-Experten gegen 15 Uhr die Schotten am Schiff wieder dicht machen, steht fest: Gut 200 Besucher waren gestern zum Handelshafen-Becken gekommen, so Geschäftsführer Reinhard Kuhne. "Das Museumsschiff trifft voll den Geschmack der Magdeburger", freute er sich. In aller Stille ist das viereinhalb Jahre lang unter großer Anteilnahme der Bevölkerung restaurierte Museumsschiff eröffnet worden. Warum der Termin klammheimlich ablief, konnte Elb-Anrainer Werner Grundler gestern schwer nachvollziehen. "Ist doch eine tolle Sache", schwärmte er. Da hätte man ein Volksfest draus machen können. Rathaus-Pressesprecher Michael Reif: Im Oktober habe es zur Fertigstellung eine große Eröffnungsfeier gegeben. Von da an sei bis zur letzten Minute an der Neugestaltung der Umgebung gearbeitet worden, sagte er. Inzwischen ist nicht nur das 55 Meter lange Schiff, sondern auch das Umfeld niveauvoll hergerichtet. Gepflasterte Wege prägen das Areal an der denkmalgeschützten Hafen-Hubbrücke.

Unmittelbar neben dem Schiff wurde ein zum Info-Punkt ausgebauter alter Eisenbahnwaggon platziert. Im Hafenbecken schwimmen seit ein paar Jahren eine alte Taucherglocke, ein Eimerkettenbagger und eine Schute. Auch diese sollen in Perspektive besichtigt werden können. Die "Gustav Zeuner" als einer der letzten auf der Elbe verkehrenden Kettendampfer ist in einer spektakulären Aktion von Stadt, Gise und Arbeitsagentur/ Jobcenter wiederauferstanden. Lediglich ein verrosteter Rumpf war von dem 1931 außer Dienst gestellten Schiff übrig geblieben. Er wurde auf einem Grundstück am Salbker See geborgen. In einer wissenschaftlich-technischen Meisterleistung hat dann die Gise GmbH detailgenau den Schiffs-Oldtimer nachgebaut (Volksstimme berichtete). Fünf Kenner des Dampfers aus den Reihen der Gise informieren jetzt die Besucher des Museumsschiffs. Wie Reinhard Kuhne gestern erklärte, sei es mittwochs bis sonntags von 10 bis 15 Uhr geöffnet. Führungen gebe es ab 10, 12 und 14 Uhr. Der Eintritt ist frei. Dennoch ist nur bis 15 Uhr offen - das werden viele bedauern.

Das Schiffsmuseum beendet am 31. Oktober seinen Betrieb. Am 1. Mai 2012 werde es wieder geöffnet, erklärte der Gise-Geschäftsführer.

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