Großwulkow/Genthin l Wenn Bernd Gericke heute, scheinbar entspannt im Sessel sitzend, über den Tod und das Sterben spricht, dem er nur knapp entgangen ist, schwingt immer noch ein leichtes Zittern in seiner Stimme mit. "Wenn alles nicht so gelaufen wäre, wie es gelaufen ist, gebe es mich heute nicht mehr", sagt er und wagt dabei einen Blick zu seiner Frau Marinda, die seine Worte mit einem stillen Nicken bestätigt.

Als der gelernte Schlosser, der beim Trink- und Abwasserverband Genthin (TAV) beschäftigt ist, am 27. Juni gegen 6 Uhr zur Arbeit nach Genthin aufbrach und sich von seiner Frau verabschiedete, ahnten beide nichts davon, dass es am Abend ein dramatisches Wiedersehen auf der Intensivstation des Genthiner Krankenhauses geben sollte.

"Der Arzt sagte uns, dass Bernd innerhalb der nächsten halben Stunde operiert werden müsste."
- Marinda Gericke

Der kräftige Mann, dessen Hände von einem zupackendem Leben gezeichnet sind, beginnt mit der Schilderung eines völlig unaufgeregten Tages.

Auf der Arbeit schnell noch eine Tasse Kaffee, dann rollte das Dienstfahrzeug auch schon runter vom Hof. "Ich hatte bereits Bauschmerzen, schenkte ihnen aber keine größere Beachtung", erinnert sich der Großwulkower.

Es sei nicht sein Ding, gleich beim ersten Wehwehchen umzufallen. Doch die Schmerzen hätten innerhalb kürzester Zeit derart an Intensität zugenommen, so dass er, angekommen an der Karower Straße, seinen Arbeitskollegen gebeten habe, ihn zur Notaufnahme des Krankenhauses zu bringen. Den glücklicherweise nur kurzen Weg konnte er noch laufen.

Die folgenden Untersuchungen, daran kann sich Bernd Gericke noch gut erinnern, ließen nicht lange auf sich warten. Die Schmerzen seien dann einfach nicht mehr auszuhalten gewesen. Beim CT (Computertomograph) habe er schon nicht mehr liegen können. Bernd Gericke kommt beim Erzählen ins Stocken, zuckt mit den Schultern und sagt fast entschuldigend: "Dann war mir irgendwie nicht mehr bewusst, was in der weiteren Folge geschah."

Das war aufregend genug: Die Ärzte diagnostizierten schnell eine lebensbedrohliche Darmperforation. Ein Riss des Darmes spülte bakteriellen, hochinfektiösen Darminhalt in die freie Bauchhöhle. Höchste Alarmstufe für den Patienten. Um eine drohende Blutvergiftung und ein multiples Organversagen zu verhindern, muss ein erfahrener Chirurg unverzüglich zum Skalpell greifen. Der war im Genthiner Johanniter-Krankenhaus mit Chefarzt Dr. Bernd Falkenberg vor Ort.

"Wir Mediziner haben alles getan, was wir tun konnten. Beten sie jetzt, dass ihr Ehemann es schafft."
- Dr. Bernd Falkenberg

Marinda Gericke und ihre Töchter Claudia und Kathrin, die gleich ins Krankenhaus eilten, haben ihn als Mann der klaren Worte kennen und schätzen gelernt. "Bei unserer ersten Begegnung teilte er uns mit, dass Bernd innerhalb der nächsten halben Stunde operiert werden müsse, sonst überlebe er nicht", holt Marinda Gericke tief Luft.

Nach der Operation konnten die Angehörigen am Abend zu ihrem Mann und Vater, der auf der Intensivstation lag. "Wir haben alles getan, was wir konnten. Beten Sie jetzt, dass er es schafft", habe ihnen der Chefarzt geraten. Und Bernd Gericke hat es geschafft, nach und nach bewältigt er immer noch einen Genesungs-Marathon. Eine knappe Woche Intensivstation, weiterer Krankenhausaufenthalt, Reha in Bad Schandau, ein weiterer Krankenhausaufenthalt, Krankschreibung.

Bernd Gericke ist kein Mann von großen Worten, artikuliert nur zögerlich seine Ängste und Hoffnungen: "Es war eine Zeit mit vielen Grenzwerterfahrungen. Solche Krankheiten, dachte ich bisher, sind etwas für alte Leute. Natürlich mache ich mir Gedanken, wie alles weitergehen wird. Vor allem steht die Frage, ob alles so wird wie früher. Ich hoffe das jedenfalls sehr."

"Ich teste mich aus, Heben, Radfahren, ein bisschen Hausarbeit. Ein junger Hund braucht Erziehung."
- Bernd Gericke

Ruhig und gelassen lässt sich der 55-Jährige jetzt auf ein Gespräch ein. Er teste sich aus, was er sich zumuten kann. Heben, Radfahren, ein bisschen Hausarbeit. Ein junger Hund brauche seine erzieherische Hand.

Die Taubenzucht, sein großes Hobby, hat der 55-Jährige eingeschränkt und die Taubenbestände etwas minimiert. Aber nur vorübergehend, zwinkert er.

Dass Hoffen und Bangen um das Familienoberhaupt sei für alle eine bittere, aber auch wichtige Erfahrung gewesen, sagt Marinda Gericke inzwischen. "Solch ein Ereignis war vorher für uns weit weg, und plötzlich musste unsere Familie damit fertig werden. Wir haben einfach alle Glück gehabt". Ohne das Können des Operateurs, die Kompetenz der Ärzte und Schwestern bis hin zur Hilfe und Unterstützung durch die Nachbarn hätten wir diesen Ausnahmezustand nicht packen können."

Am Freitagvormittag ist Bernd Gericke nach einer erneuten, planmäßigen Operation aus dem Genthiner Krankenhaus entlassen worden. Ein zwangloses Händeschütteln zwischen Arzt und Patient am Krankenbett ging dem voraus. "Alles ist wie früher, nur dass ich eine große Narbe habe", verabschiedet sich ein überglücklicher Bernd Gericke.