Halle (dpa) l Eine Frau greift zur Axt, tötet ihren Ehemann, zerstückelt ihn und vergräbt die Leichenteile. Vor Gericht gibt sie alles zu - und kann doch vieles nicht erklären.

Bei dem Geständnis, knapp viereinhalb Jahre nach der Tat, stockt den Zuhörern im Landgericht Halle der Atem. Eine kleine Frau, frisch frisiert, im dunklen Hosenanzug, mit Schal und langer Herz-Kette um den Hals, sitzt auf der Anklagebank - wegen Totschlags. Die 60-Jährige sieht aus wie eine ganz normale Frau von nebenan. Doch Grausames kommt über ihre schmalen Lippen. Anfangs weint sie, dann wird sie sachlich - und erzählt, wie sie ihren Mann getötet hat.

Mit Armen und Händen schildert sie zu Beginn der Gerichtsverhandlung am Donnerstag, wie sie den 65-Jährigen im September 2009 in der Wohnung in Sangerhausen im Südharz mit einer Axt getötet, mit Säge und Messer zerstückelt und die Leichtenteile in der Kleingartenanlage "Bergfrieden" versteckt hat. Zwei Tage zuvor habe sie ihm gesagt, sie werde ihn verlassen, nach 25 Jahren Ehe. Am Abend der Tat habe ihr betrunkener Mann sie geschlagen, mit der Axt bedroht und Schlampe genannt.

"Ich habe ihn zwei Tage im Wohnzimmer liegen lassen. Ich habe niemanden informiert." Sie habe sich nicht getraut, zur Polizei zu gehen oder es ihren erwachsenen Kindern zu sagen. Zwei Tage habe sie gebraucht, um ihren toten Mann samt Knochen zu zerstückeln. Immer, wenn es dunkel wurde, habe sie Müllsäcke mit den Leichenteilen im Korb mit dem Fahrrad einzeln in den Garten geschafft. Ihrem Umfeld erzählte sie, ihr Mann habe sie verlassen und sei bei seinem Bruder im Erzgebirge.

"Es hat mich bestürzt, dass es scheinbar niemanden interessiert hat, was mit dem Mann ist", sagt ein 44 Jahre alter Kriminalbeamter als Zeuge. Es sei für ihn bisher einmalig gewesen, dass ein Mensch erst nach mehr als drei Jahren als vermisst gemeldet wird, von einer Tochter der Familie im März 2013. Die umfangreichen Nachforschungen der Polizei zum Verbleib des Mannes, bei dessen Bruder in Oberwiesenthal, bei der Bank, der Krankenkasse oder auch in Obdachlosenheimen, hätten nichts ergeben.

Laut Anklage hat die Frau die Leichenteile zunächst in ihren zwei Gärten in Tonnen versteckt, dann vergraben hat. Jahrelang habe sie sich ganz normal im Garten aufgehalten, sei mit ihren Enkelkindern dort gewesen, hält ihr Richter Jan Stengel vor. "Wie kann man das machen?", will er wissen. Eine Erklärung hat die Frau dafür nicht. "Aber wenn die Rente Ihres Mannes kam, haben Sie die sofort vom Konto abgehoben", sagt der Richter. "Ich musste ja von irgendwas leben", sagt die Facharbeiterin, die einen Büroberuf gelernt und später zu Hause war.

Im September 2013 rücken Polizei und Staatsanwaltschaft mit Durchsuchungsbeschluss, Bagger und Spaten in ihrem Garten an. Erst da bricht sie ihr Schweigen. "Weil ich den Druck nicht mehr ertragen konnte. Ich war froh, dass ich es sagen konnte." Ein Urteil wird voraussichtlich Ende kommender Woche gesprochen.