Gut, dass Corinna Köbele Psychotherapeutin ist. So zweifelte niemand an ihrer geistigen Verfassung, als sie vor anderthalb Jahren dem Kalbenser Stadtrat ihre Vision erklärte. Aus dem Altmark-Ort, in dem immer mehr leere Häuser die Straßen säumen, wollte sie eine Künstlerstadt machen - und zwar binnen weniger Monate. Schon im folgenden Sommer sollten junge Menschen aus ganz Deutschland die Stadt mit Kultur beleben. "Die Leute haben mir gesagt, das wäre eine Nummer zu groß", erinnert sich die 51-Jährige. Ihr war das egal. Sie fing einfach an. Allein. Und mit Erfolg: Zum Sommercampus 2013 kamen 15 Künstler für sechs Wochen nach Kalbe - Maler, Literaten, Musiker.

Sie lebten und arbeiteten in leeren Wohnungen, die Köbele auf Vordermann gebracht hatte. Zu ihrem Glück fanden sich nach und nach immer mehr Helfer - auch einige, die mit ihr einen Verein gründeten. Letztlich zogen die Künstler mit Konzerten, Lesungen und Rundgängen Hunderte Besucher an. Für Corinna Köbele war das erst der Anfang. Ihr Verein hat inzwischen sogar schon die erste Galerie eröffnet. Außerdem plant die 51-Jährige längst das Sommercamp 2014, diesmal auch mit internationalen Künstlern. Ihr Ziel: "Wenn ich 70 bin, will ich mit meinem Rollator durch Kalbe wackeln und überlegen, ob ich erst in die Galerie, ins Künstlercafé oder zur Lesung gehe."