Magdeburg l Mit einem "Wäschekorb voller Dokumente" habe sie 1995 angefangen, erinnert sich Edda Ahrberg, erste Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen in Sachsen-Anhalt. 20 Jahre später ist die Aufarbeitung der Stasi-Vergangenheit noch immer ein heißes Thema, wie sich am Dienstag im Landtag zeigt.

Reminiszenzen auch von Markus Meckel, letzter DDR-Außenminister und Vorsitzender der Stiftung Aufarbeitung, der das Wesen der Diktatur nicht nur an der Staatssicherheit festmacht. "Aufarbeitung ist mehr als die Stasi-Frage. Die DDR war nur ein kleiner Zipfel im kommunistischen Großreich." Für einen "Skandal" hält Meckel die ungenügende Haftentschädigung für DDR-Opfer. Die Große Koalition müsse endlich etwas tun.

Roland Jahn, Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen, spricht sich dafür aus, die weitere Aufarbeitung differenziert zu betreiben. Jahn:"IM ist nicht gleich IM." Meckel unterstützt dieses Herangehen. Er hält es für unstrittig, dass die Akten künftig in Berlin und regionalen Standorten bleiben und nicht ins Bundesarchiv nach Koblenz kommen. Dafür brauche es keine Sonderbehörde, aber Sonderregelungen, damit die Akten weiter zugänglich bleiben.

Die heutige Landesbeauftragte Birgit Neumann-Becker verweist darauf, dass die Behörde nicht zeit ihres Bestehens nicht nur für die Opfer da, sondern für die früheren Täter Ansprechpartner ist. Moderierte Gespräche zwischen Opfern und Tätern kann sie sich gut vorstellen. Aufarbeitung, betont sie, sei nichts Statisches. Auch Landesbischöfin Ilse Junkermann schlägt eine Brücke zur Gegenwart mit überbordenden Sicherheitsapparaten in der heutigen Gesellschaft: "Es ist ja nicht so, dass sich die geheimdienstliche Überwachung erledigt hätte."

Johannes Rink, Vorsitzender der Landesvereinigung der Opfer des Stalinismus, erinnert an einen peinlichen Abschnitt in der Geschichte der Behörde: Jahrelang war die Leitungsstelle nach der Ablösung von Gerhard Ruden unbesetzt. Rink: "Die Nichtbesetzung war ein Affront für uns."

 

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