Magdeburg l Wie denken ADAC-Mitglieder über die Affären an der Konzernspitze? Fordern sie Konsequenzen? Spannende Themen, ja - aber nichtöffentlich. Der Regionalverband Niedersachsen/Sachsen-Anhalt hat kein Interesse daran, dass Medienvertreter die Mitgliederversammlung verfolgen. Warum nur? "Wir haben den Rat aus München bekommen", sagt der neue Geschäftsführer Uwe Ilgenfritz-Donné. Der ADAC-Zentrale also.

Ilgenfritz-Donné, im Januar von der Continental zum ADAC gekommen, wittert Ungemach und beeilt sich zu versichern: "Davon haben wir uns nicht leiten lassen." Sondern? "Das steht in der Satzung drin." Und überhaupt: Bundesweit würden nur zwei Regionalverbände die Versammlungen für die Presse öffnen. In der im Internet veröffentlichten Satzung des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt findet sich indes kein Satz, dass die Presse von Mitgliederversammlungen ausgeschlossen wird.

219 Delegierte erscheinen zur ADAC-Versammlung


Zur Versammlung im Maritim-Hotel sind Delegierte geladen. Am Freitag noch hat der ADAC mit 277 Delegierten gerechnet - tatsächlich kommen nur 219. Die Delegierten sind Vertreter der 133 im Regionalverband organisierten Ortsclubs mit ihren etwa 9000 Mitgliedern.

Die Ortsclubs stehen unter Kontrolle des Gesamtclubs und des Regionalverbandes. Der Vorstand des ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt ist per Satzung berechtigt, "einem Ortsclub, der gegen die Satzung oder die Interessen des Gesamtclubs verstößt, das Recht zur Bezeichnung als \'ADAC-Ortsclub\' mit sofortiger Wirkung zu entziehen."

Einzelmitglieder über Verbandszeitschrift eingeladen


Was aber ist mit den mehr als 1,3 Millionen Mitgliedern, die keinem Ortsclub angehören? Zur Mitgliederversammlung kommen 41 Einzelmitglieder. Gar nicht so schlecht, findet die ADAC-Spitze: "In den vergangenen Jahren waren es zehn."

Nur zehn von 1,3 Millionen? Wie kann das sein? Spielt womöglich die recht spezielle Einladungspraxis des ADAC eine Rolle? Nicht jeder muss es wissen: Einzelmitglieder werden über die Verbandszeitschrift ADAC-Motorwelt eingeladen. Diesmal in der Januar-Ausgabe, Seite 103, ganz unten links.

Am Sonnabend wird mit Ulrich Krämer (67) ein neuer Vorsitzender gewählt. Er hatte dieses Amt im vorigen August kommissarisch übernommen.

"Wenn man sehr hoch schwebt, fällt man sehr tief." - Uwe Ilgenfritz-Donné

219 Delegierte und 41 Einzelmitglieder dürfen abstimmen. Journalisten werden nach der Wahl per Pressemitteilung informiert. Krämer sei "mit überwältigender Mehrheit und ohne Gegenstimmen" gewählt worden. Was heißt das genau? Nachfrage bei der Pressesprecherin. Die muss sich schlaumachen. Dann die Auskunft: 5583 Ja-Stimmen, 170 Enthaltungen. Wie errechnet sich diese Stimmenzahl? "Das kann ich Ihnen am Montag sagen."

Zuvor, beim Pressefrühstück am Sonnabend, ist die Spitze des Regionalverbandes bemüht, gute Laune zu verbreiten. Ilgenfritz-Donné sagt: "Ich bin 52 Jahre alt, ach nein, 51. So schnell altert man beim ADAC." Der Mann ist neu dabei. Noch darf er auf Kosten des Automobilclubs scherzen. Der Jurist hat den Geschäftsführer-Posten von Hans-Henry Wieczorek übernommen - der musste 2013 gehen. Der Betriebsrat hatte ihn angezeigt, weil E-Mails von Mitarbeitern ausspioniert worden sein sollen. Die Staatsanwaltschaft hat ihre Ermittlungen inzwischen eingestellt.

Ilgenfritz-Donné sagt, der ADAC habe nach den Manipulationen beim Autopreis "Gelber Engel" einen "großen Vertrauensverlust" erlitten. "Der ADAC muss sich von innen heraus erneuern", sagt er. "Wenn man sehr hoch schwebt, fällt man sehr tief und kommt sehr hart auf."

6800 Mitglieder im ersten Quartal ausgetreten


Als Folge der Krise haben im Regionalverband im ersten Quartal 6800 Mitglieder den Club verlassen; im Vergleichszeitraum des Vorjahres gab es 10.700 Eintritte.

Der neue Chef Krämer gibt die Richtung vor: "Mein Wunsch ist es, den Kurs der letzten acht Monate mit Offenheit und Transparenz fortzusetzen." An diesen Worten wird er sich messen lassen müssen.