Wussten Sie schon, dass ...?

... in Sachsen-Anhalt 2013 rund 2,4 Millionen Hektoliter Bier verkauft wurden? Bundesweit waren es 94,6 - das ist der niedrigste Stand seit der Wiedervereinigung.

... es in Sachsen-Anhalt rund zehn Brauereien gibt? Eine genaue Zahl kann das Wirtschaftsministerium nach eigener Aussage nicht nennen, da einige nur für den direkten Verzehr produzieren.

... in Deutschland zwischen 5000 und 6000 Biere gebraut werden? Weltweit gibt es schätzungsweise 10.000 bis 15.000 Biermarken.

... Bier weniger Kalorien als Vollmilch und Traubensaft hat? Allerdings ist das Getränk trotzdem gefährlich für die Hüften, denn Hopfen wirkt appetitanregend.

... die ideale Trinktemperatur zwischen sieben und neun Grad Celsius liegt? Es gibt aber auch Biersorten, die ihre volle Aromenvielfalt erst bei 10 bis 12 Grad entfalten.

... Michael Jackson ein professioneller Biertester ist? Nein, der King of Pop ist nicht wiederauferstanden. Es handelt sich um einen Engländer, der zufällig denselben Namen trägt.

... Bier ganz ohne künstliche Aromen nach Mango, Marzipan und Kaffee duften kann? Es kommt ganz auf die Kombination von Malzen und Hopfen an.

... in Japan das Bier traditionell zusammen mit gekochten grünen Sojabohnen serviert wird?

... die Tschechen viel mehr Bier trinken als wir? Der Pro-Kopf-Verbrauch lag 2011 bei 154 Litern pro Jahr, in Deutschland waren es 107 Liter. Die Italiener und Franzosen tranken nur 30 Liter.

... die Deutschen beim Alkoholkonsum international einen Spitzenplatz einnehmen? Laut Jahrbuch Sucht trank 2013 jeder Deutsche 9,5 Liter Reinalkohol. Besonders auffällig: Bei immer mehr gutausgebildeten, berufstätigen Frauen steigt der Alkoholkonsum überproportional an.

... das alkoholhaltigste Bier der Welt 67,5 Umdrehungen hat? Es kommt von der schottischen Brauerei Brewmeister. Deutscher Spitzenreiter ist der Schorschbock 57 mit 57,5 Promille. Es wird in der fränkischen Brauerei Schorschbräu hergestellt.

... es in Deutschland auch Spargel- und Heubier gibt? Gebraut wird es in der Klosterbrauerei im brandenburgischen Neuzelle.

... zwei Fässer Bier 1835 die erste Fracht waren, die in Deutschland mit der Eisenbahn befördert wurde? Historischer Ort war die Bahnstrecke von Nürnberg nach Fürth.

... es eine Gesetzessammlung gibt, die sich ausführlich dem Bier widmet? Im Codex Hammurapi aus dem 18. Jahrhundert vor Christus beschäftigen sich zahlreiche Paragrafen mit Bier-Herstellung, -Preis und -Zuteilung. So hatten babylonische Provinzverwalter und Hohepriester Anrecht auf die Höchstmenge von rund fünf Litern pro Tag.

... die Schweiz seit 2012 einen eigenen Tag zu Ehren ihres Gerstensaftes hat? Am 19. April wird der Tag des Schweizer Bieres gefeiert.

... die ältesten Nachweise für die Bierherstellung aus dem mesopotamischen Raum stammen? Schon im 4. Jahrhundert vor Christus formte man aus Gerste und Weizen Teigfladen, die dann in Wasser eingeweicht wurden und vergoren.

Bitterfeld l In der Bitterfelder Brauerei ist alles etwas kleiner. Das geht schon mit der Braumeisterin los. Jacqueline Christ heißt sie, hat knallpinke Haare und misst nicht mehr als 1,54 Meter. Diese anderthalb Meter haben es allerdings in sich: Gespickt mit einer Kollektion von flotten Sprüchen erklärt sie bei einem Rundgang, wie sie aus Wasser Bier macht.

Da lernt man dann, dass Läutern hier nichts mit kirchlicher Bestrafung zu tun hat, sondern mit der Trennung von Flüssigkeit und Malzresten. Oder dass im Whirlpool keine Mitarbeiter baden dürfen - darin wird nämlich das Wasser-Hopfen-Malz-Gemisch gedreht, um ungewollte Bestandteile loszuwerden.

So ein Rundgang mit der quirligen jungen Frau ist nicht nur kurzweilig, er dauert auch tatsächlich nur ein paar Minuten. Denn in der Brauerei spielt sich alles in einer einzigen Halle ab, in der im Kern drei Menschen für die Bierherstellung zuständig sind: ein Brauer, ein Anlagenfahrer und sie, die den Überblick behält. "Bei uns muss jeder alles können. Sonst funktioniert es nicht, wenn einer krank oder im Urlaub ist", erzählt die 32-Jährige. Zum Team gehören noch ein Azubi und einen Getränkelieferant - das ist auch schon die gesamte Belegschaft.

Etiketten stempeln wie Christel von der Post

Im Vergleich zu Sachsen-Anhalts größter Brauerei, Hasseröder in Wernigerode, ist das nahezu niedlich. Immerhin zählt sie 320 Mitarbeiter. Auch zwischen den Biermengen, die beide verkaufen, liegen Welten: Was in Bitterfeld in einem Jahr zusammenkommt - zwischen 3000 und 5000 Hektoliter -, verkaufen die Wernigeröder rechnerisch gesehen an einem Tag. Dort liegt die Jahresmenge bei 2,5 Millionen Hektoliter.

2009 brauten Jacqueline Christ und ihr Team sogar nur 500 Hektoliter. Damals ging es erst wieder los mit dem Bitterfelder Bier. Getränkehändler Harald Eisenmann machte die Brauerei neu auf - 18 Jahre nachdem der Traditionsbetrieb von 1880 der Wende zum Opfer gefallen war. Ein mutiger Schritt im Angesicht der Konkurrenz riesiger Brauereikonzerne, von denen eine übrigens auch Hasseröder gekauft hat. Eisenmann erklärt ihn damit, dass er damals in seinem Laden den Trend zu regionalen Produkten erkannt habe.

Beim Aufbau hielt er es wie mit dem Zapfen eines guten Bieres: Er ließ sich Zeit. Los ging es mit drei Mitarbeitern und sechs kleinen Tanks. Die Braumeisterin erinnert sich: "Normalerweise hat man die einen zum Gären und die anderen zum Lagern. Aber wir haben beides in denselben Behältern gemacht, immer abwechselnd." Die Frau in Pink grinst, dann erzählt sie noch einen Schwank. Diesmal vom Etikettieren.

"Wir haben die Kisten mit leeren Flaschen in die Mitte der Halle gestellt, sie mit einem Wasserdampf-Schlauch abgespritzt und danach die Etiketten per Hand abgepult. Das gab ordentlich Hornhaut. Danach hab` ich die neuen Etiketten angeklebt und das Verfallsdatum draufgestempelt. Ich kam mir vor wie Christel von der Post", witzelt sie.

Bierwerbung: "Du vermisst es doch auch!"

In Sachen Marketing hingegen setzte ihr Chef von Anfang an auf Modernes. Ein großflächiger Beweis dafür hängt an einer Häuserwand nahe der Brauerei. Darauf räkelt sich eine leichtbekleidete Brünette unter dem Spruch: "Du vermisst es doch auch!" Offenbar finden sich so einige Fans des alten Biers - oder der jungen Brünetten. Jedenfalls hat es das Bitterfelder in die großen Supermärkte der Region geschafft. Die Ellenbogen rausstrecken muss er immer wieder, erzählt Harald Eisenmann. Doch das Geschäft läuft, sagt er.

Jacqueline Christ merkt das auch, zum Beispiel weil sie statt sechs heute elf Tanks zum Gären und Lagern hat - und eine Etikettiermaschine. Doch Aufrüstung hin oder her: Technische Unterschiede zur Großbrauerei gibt es noch immer. Es läuft einfach weniger automatisch.

Genau das gefällt der 32-Jährigen. "Alles nur am Computer zu beobachten, das wär` nichts für mich", erklärt sie. "Außerdem haben wir hier die Möglichkeit, neue Sorten im Kleinen auszuprobieren." Das Weihnachtsbier zum Beispiel, oder Doppelkaramell - natürlich alles streng nach Reinheitsgebot nur aus Wasser, Hopfen, Malz und Hefe gebraut.

Und dann erzählt Jacqueline Christ von noch einem Grund, aus dem sie sich in ihrem Brauereichen so wohl fühlt: "Das hier hat einfach mehr Charme."

Das merkt sie zum Beispiel jeden Freitag. Dann kommt Bauer Holger mit seinem Pferdegespann vorbeigefahren und holt die Maisabfälle ab. Manchmal sogar im ganz kleinen Stil: mit Ponys.

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