Calbe l Freitag, 9.10 Uhr, in der Kleinen Mühlenbreite in der 10000-Einwohner-Stadt Calbe. Die Feuerwehr rückt zu einem Brand im leeren Keller eines Mehrfamilienhauses aus. Die Löscharbeiten verlaufen routiniert. Kein Wunder, seit sieben Monaten halten ein oder mehrere Brandstifter die Feuerwehr der Saalestadt in Atem. Für die vier Beamten der besonderen Ermittlungsgruppe "Calbe" ist dies bereits Einsatz Nummer 47. Es bleibt in diesem jüngsten Fall zum Glück beim Sachschaden.

Polizeisprecher Marco Kopitz: "Es wird wieder Brandstiftung vermutet." So auch am Abend zuvor gegen 22.30 Uhr. Da ging ebenfalls der Keller eines Mehrfamilienhauses in der Lessingstraße in Flammen auf. 13 Bewohner konnten sich noch rechtzeitig in Sicherheit bringen. Darunter eine Mutter mit ihren vier Kindern, die später im Krankenhaus psychologisch betreut werden mussten. Auch in diesem Fall hat die Spurensicherung den Verdacht, dass ein Brandbeschleuniger im Spiel war.

Nerven liegen blank

Inzwischen ist dies eine Art Markenzeichen des Calben-ser Feuerteufels. Er verwendet immer wieder mit Brandbeschleunigern getränkte Lappen oder Ähnliches, um die Feuer zu legen.

Bei den Fahrzeugen, es sollen mindestens drei Autos und drei Lkw gewesen sein, legte der Unbekannte nach Angaben der Ermittler vor allem Grillkohleanzünder auf die Räder - zuletzt am frühen Donnerstagmorgen an einem Pkw in der Barbyer Straße. Vor mehreren Wochen war an der gleichen Stelle schon ein Lkw angezündet worden. Die beiden in der Fahrerkabine schlafenden Männer waren gerade noch rechtzeitig durch den Brandgeruch aufgewacht, sodass Schlimmeres verhindert werden konnte.

Die Kriminalisten haben inzwischen neben einer ganzen Reihe von Zeugen auch schon mehrere mögliche Verdächtige vernommen. "In keinem der Fälle konnten sich die Hinweise aber erhärten", sagt Marco Kopitz vom Revier Bernburg.

Die Nerven der Anwohner in Calbe liegen angesichts der nicht enden wollenden Serie inzwischen blank. Der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Uwe Wirth sagt: "Dass nun bei diesen Bränden Menschen in akute Lebensgefahr gebracht werden, hat eine neue traurige Dimension." Bürgermeister Dieter Tischmeyer: "Immer wieder werden Menschenleben leichtfertig aufs Spiel gesetzt." Die Angst gehe um.

Polizeisprecher Marco Kopitz warnt schon vor möglicher Selbstjustiz. So sei einer der Verdächtigen bereits selbst Opfer von Körperverletzungen geworden. "Wir können nicht ausschließen, dass es einen Zusammenhang damit gibt, dass er bei uns auf der Liste steht", sagt der Beamte. "Wer einen Verdacht hat, sollte sich deshalb lieber sofort an die Polizei wenden", sagt er. Die Ermittler könnten inzwischen nicht ausschließen, dass es sich auch um mehrere unterschiedliche Brandstifter handelt.