Bürgerarbeit in Magdeburg und was aus den Jobs werden soll

Das Bundesprogramm "Bürgerarbeit" endet nach dreijähriger Laufzeit ersatzlos am 31. Dezember 2014. Die städtische Beschäftigungsgesellschaft AQB hatte für Magdeburg 372 Bürgerarbeitsplätze eingerichtet, wobei die ersten zum 28. Februar ausgelaufen sind. Davon betroffen war auch das Projekt "Schülerlotsen" zum 30. April Dieses konnte nahtlos zum 1. Mai über das Förderprogramm "Aktiv zur Rente plus" fortgeführt werden.

Sport-Bürgerarbeit: Mit dem Modellprojekt "Bürgerarbeit" wurden in drei Maßnahmen insgesamt 118 Mitarbeiter in 45 Sportvereinen und acht kommunalen Sportstätten beschäftigt. Die Mitarbeiter unterstützten bislang die Sportvereine beispielsweise bei der Betreuung von Kindern und Jugendlichen und Senioren, bei Veranstaltungen und vielem mehr.

Abzug von den Sportplätzen: Die erste dieser Maßnahmen mit insgesamt 21 Mitarbeitern (u. a. beim SV Arminia) ist zum 31. Mai. ausgelaufen. Die zweite Maßnahme mit 44 Mitarbeitern endet am 30. September und die dritte Maßnahme mit 53 Mitarbeitern am 31. Oktober.

Wie geht es weiter? So viele Bürgerarbeitsstellen wie möglich sollen in Magdeburg als Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) fortgesetzt werden. Dabei könnten allerdings nicht alle Maßnahmen Berücksichtigung finden, betonen Stadt und AQB. In einigen Fällen sei auch eine Unterbrechung/Pause möglich.
Die Stadt Magdeburg hat bereits eine Prioritätenliste erarbeitet, in der die Maßnahmen nach verschiedenen Gesichtspunkten gewichtet wurden. Diese Liste dient dem Jobcenter als Bewilligungsgrundlage und Entscheidungshilfe für die Vergabe der begrenzten Fördermittel.

Magdeburg l "Sportplatz geschlossen!" Diese Nachricht auf der Internetseite des SV Arminia (460 Mitglieder) schockte am Mittwoch nicht nur die eigenen Mitglieder (u.a. Fußball, Volleyball). Auch zahlreiche Magdeburger Eltern, deren Kinder den Vereinssport oder andere Freizeitangebote des Vereins nutzen, waren baff.

Gordon Bode, Abteilungsleiter Fußball bei Arminia: "Am Montag müssen wir hier abschließen." Der Verein bezeichnet diesen Schritt selbst als "unkonventionelle, aber zwingende Maßnahme".

Grund: Am 31. Mai sind die Stellen der vier Bürgerarbeiter des Vereins ausgelaufen. Diese hatten nicht nur den Trainings- und Spielbetrieb betreut, sondern auch die Öffnungszeiten des Platzes für die Allgemeinheit täglich von 7 bis 21 Uhr abgesichert. Arminia als Pächter der städtischen Sportanlage mit Fußball-, Volleyball- und Basketballplatz sowie Laufstrecke könne den Betrieb allein nicht aufrechterhalten, sagte Gordon Bode: "Wir haben viele Ehrenamtler, aber die decken in erster Linie den Trainingsbereich ab. Viel mehr ist neben dem Beruf einfach nicht drin."

Jobs ersatzlos gestrichen

Tatkräftige Hilfe hatten die Arminen zuletzt von vier Bürgerarbeitern. "Sie haben auch Grünpflegearbeiten und Kleinst- reparaturen übernommen sowie Schul- und Sportfeste betreut", erklärt Bode: "Da bei uns der Schulsport mehrerer Einrichtungen stattfindet, gehen die Konsequenzen nun weit über unseren Verein hinaus."

Fakt ist: Das Bundesprogramm "Bürgerarbeit" endet nach dreijähriger Laufzeit ersatzlos. Alexandra Rießler, Geschäftsführerin der zuständigen kommunalen Gesellschaft für Ausbildung und Qualifizierung (AQB): "Die AQB hatte in Magdeburg diverse Projekte der Bürgerarbeit mit insgesamt 372 Arbeitnehmern in verschiedenen Bereichen, die sukzessive auslaufen. Von Seiten der Bundespolitik gibt es keine adäquaten Anschlussförderungen." Eine Tatsache, die auch zahlreiche Sportvereine mit ihren Anlagen trifft - oder noch treffen wird (s. Kasten). Denn feste Platzwarte gibt es nur für sogenannte "Kernsportstätten". Insgesamt sechs Stadtmitarbeiter betreuen die Nebenplätze am Stadion, das Heinrich-Germer-Stadion, den Tonschacht, die Seilerwiesen, den Sportplatz Hessestraße, den Sportplatz Beyendorf und das Leichtathletikzentrum an der MDCC-Arena.

Stadt sichert Schulsport zu

Die AQB sei "bemüht, in Zusammenarbeit mit dem Jobcenter der Landeshauptstadt eine Vielzahl der Bürgerarbeitsstellen in ,Arbeitsgelegenheiten` zu überführen", sagte die AQB-Chefin: "Wir sind auf einem guten Weg. Dass nicht alles naht- und reibungslos bzw. ersatzlos geht, liegt auch an den begrenzten Fördermitteln des Jobcenters."

Von den versprochenen Arbeitsgelegenheiten (Ein-Euro-Jobs) sollen künftig auch Sportvereine wie Arminia profitieren. AQB-Geschäftsführerin Alexandra Rießler kündigte an: "Zum 23. Juni ist der Beginn einer neuen ,Sportmaßnahme` geplant."

Was sagt die Stadt zu dem Hilferuf vom Jahnsportplatz? "In Abstimmung zwischen AQB und Sportvereinen, die derzeit noch Mitarbeiter in Bürgerarbeit haben, wird eine kurzfristige Unterstützung des SV Arminia geprüft", so Rathaussprecherin Cornelia Poenicke gestern auf Volksstimme-Nachfrage. Sie stellte klar: "Eine Schließung des Sportplatzes für den Schulsport kommt nicht in Frage."

Die Arminen bleiben bislang hart. Abteilungsleiter Gordon Bode: "Am Wochenende nach Pfingsten müssen wir drei Punktspiele absagen, denn unser Platz ist ab 9. Juni geschlossen."

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