Was sind eigentlich...

Profiler: Das sind Spezialscheinwerfer, die mit Vorsätzen und Spezialfolien versehen, die Alleskönner im Theater sind. Beleuchtungsmeister nennen sie auch gerne Töppe, Kannen, Büchsen.

Beleuchtungsproben: Probe, die ausschließlich für die Einrichtung des Lichtes da ist. Lichttechniker nennen es auch "Leuchten". Hier sehen sowohl die Spieler als auch die Regisseure ihr Stück das erste Mal im richtigen Bühnenlicht.

Stimmungen: Farb- und Lichtwechsel innerhalb des Stückes, die mittels eines digitalen Pultes programmiert werden und über ein Steuerkabel an die Scheinwerfer weitergegeben werden.

Magdeburg l Bei der Lach- und Schießgesellschaft in München hat alles angefangen "Ich habe im Haus der ,Lach-und Schieß` gewohnt und irgendwann hat mich mein Vermieter, der auch gleichzeitig der Wirt und Beleuchter der Lach- und Schießgesellschaft war, angesprochen, ob ich ihm nicht mal ein bisschen mit dem Licht helfen kann", erinnert sich Enrico Rößler an seine Anfänge als Beleuchter.

2003 hat es ihn dann nach Magdeburg gezogen. Ein Sprung ins kalte Wasser. "Mitten in der Spielzeit, kurz vor dem Festival kam ich dann hier an. Viel Zeit, mich einzugewöhnen hatte ich nicht. Aber die Aufgabe hier am Puppentheater hat mich gereizt."

Von Büchsen, Apparaten und Pötten

Gereizt hat ihn vor allem die künstlerische Herausforderung. Denn als Beleuchtungsmeister ist er von Anfang bei Produktion eines Stückes dabei. Einen 0815-Fahrplan für die Ausleuchtung oder das Lichtdesign einer Inszenierung gibt es nicht. Jedes Stück ist anders, jedes Stück ist eine neue Herausforderung. "Das beginnt meistens schon in den ersten Proben. Die Regisseure sprechen mit mir, wir entwickeln zusammen Ideen und ich muss sie dann technisch umsetzen", erzählt er.

Technisch umsetzen heißt, es müssen Lichtstimmungen programmiert werden. Effekte ausprobiert und manchmal sogar selber entwickelt werden. Und alle der mehr als sechzig Scheinwerfer müssen genauestens positioniert werden. "Das ist möglicherweise etwas schwieriger als im ,richtigen` Theater", erklärt er. "Denn die Objekte, die wir ausleuchten, sind kleiner und das verlangt schon viel Geduld und Akkuratesse." Und jede Menge technisches Fachwissen.

Enrico Rößler ist ein Lichtverrückter, das merkt man schnell, wenn man mit ihm spricht und die Begeisterung für seine Büchsen, Apparate und Pötte, wie er die hochsensiblen Lichtwerfer nennt, ist ansteckend.

Fast liebevoll erzählt er von aus alten Teedosen gebastelten Scheinwerfern, die von den Spielern per Hand bedient werden, oder von seinen Spezialscheinwerfern - den Profilern. "Die können einfach alles, wenn man weiß, wie es geht. Du kannst scharfe Konturen zeichnen oder ganz zarte Farbverläufe auf die Bühnenbilder zaubern. Das ist schon mehr als nur bloße Technik."

Mit Hilfe von Licht und Dunkel im Nichts verschwunden

Für ihn ist Licht Magie. Und diese Magie braucht das Theater in der heutigen Zeit, denn: "Gegen die immer brachialere effekthaschende Bilder- und Inszenierungssprache von Fernsehen und Kino kann das Theater nur die magischen Momente setzen." Momente der Leichtigkeit und Illusion, die halt nur das Theater erzeugen kann. Rößler erinnert sich voller Stolz an eine Inszenierung, in der die Schauspieler und Puppen nur mit Hilfe von Licht und Dunkel im Nichts verschwanden. "Als dann ein Raunen durch das Publikum ging, wussten wir, wir haben es mal wieder geschafft. Wir haben lichtgezaubert."

Neben den Momenten des Glücks und der Leichtigkeit, die er mit dem Wort Licht verbindet, ist sein Beruf aber auch einer, dem der große Applaus nicht vordergründig vergönnt ist. "Das ist absolut o.k. für mich. Ich genieße es, im Hintergrund zu arbeiten und der Applaus ist ja auch immer ein Stück weit für uns Techniker mit." Applaus für einen Beruf, der Kreativität, künstlerisches Denken technischer Bedingungen und Regieanweisungen sowie harte körperliche Arbeit miteinander verbindet. "Scheinwerfer sind echt schwere Apparate und heiß sind sie auch noch und wenn du in einer Leuchtprobe an die zweihundert Mal die Leiter hoch und runter bist, spürst du jeden Knochen", erzählt er.

Larmoyanz schwingt allerdings nicht mit, als er das sagt, denn für den Beleuchter Enrico Rößler gibt es keinen schöneren Beruf auf der Welt. "Wer kann schon die Sonne auf- und untergehen lassen, wann er will? Oder mit Licht ganze Welten voller Wunder erschaffen - nur der Beleuchter mit seinen Töppen kann das", sprach er und stieg wieder auf die Leiter, um für die nächste Vorstellung noch ein paar Scheinwerfer zu richten.