Magdeburg l Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat die Verdienste des verstorbenen Ex-Regierungschefs Reinhard Höppner (SPD) gewürdigt. "Mit ihm verlieren wir eine Persönlichkeit, die das Land mehr als ein Jahrzehnt stark geprägt hat", sagte er am Donnerstag bei der Gedenkveranstaltung der Landesregierung in Magdeburg. Haseloff erinnerte an Höppners "Begabung zu moderieren und auszugleichen". Er sei ein "Pflichtmensch" gewesen, das Gegenteil eines "Basta-Politikers". Haseloff hob das starke kirchliche Engagement Höppners hervor. "Die Verbindung von Politik und Evangelium blieb für ihn stets wesentlich. Reinhard Höppner war ein leidenschaftlicher und überzeugter Christ und Politiker."

Zum Gedenkakt waren 350 Vertreter aus Politik, Kirche und Gesellschaft in das Kloster Unser Lieben Frauen gekommen. Unter ihnen waren der SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel sowie frühere Ministerpräsidenten wie Kurt Beck, Harald Ringstorff, Manfred Stolpe und Wolfgang Böhmer.

Ex-Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sagte in einer bewegenden und persönlich gehaltenen Rede, er habe einen Weggefährten und Freund verloren. "Reinhard Höppner war 1990 einer der Repräsentanten des Aufbruchs in die Demokratie." Er habe den Um- und Aufbruch in Sachsen-Anhalt mitgestaltet, sei ein sehr reflektierter Politiker gewesen, kein Mann der lauten Töne. "Reinhard Höppner war ein souveräner Mensch von einer beträchtlichen, manchmal unterschätzten Widerstandskraft", sagte er. Als Christ in der Politik habe Höppner den Menschen Mut gemacht, Verantwortung für sich zu übernehmen. "Er war ein Kämpfer und Mahner für ostdeutsche Interessen."

Höppner war Pfingstmontag nach einer langen Krebserkrankung mit 65 Jahren gestorben. Von 1994 bis 2002 war er Regierungschef. Als erster deutscher Ministerpräsident bildete er eine rot-grüne Minderheitsregierung, die von der PDS toleriert wurde.