Magdeburg l Die Prüfung sei deutlich härter als in den Vorjahren gewesen, urteilt Jürgen Ruscher, Schulleiter im Merseburger Herder-Gymnasium. "Diesen Eindruck haben auch viele andere Schulleiterkollegen." Ruscher vermutet politische Gründe: Sachsen-Anhalt wolle wohl nicht zurückstehen hinter den Aufgaben, die die Länder Bayern, Thüringen und Sachsen ihren Schülern vorsetzen. "Bei uns sind die Ergebnisse um drei bis vier Notenpunkte abgesunken."

Ohne Nennung des Namens werden viele Pädagogen noch deutlicher. "Bei mir sind Schüler heulend aus der Prüfung gelaufen", berichtet die Lehrerin eines angesehenen Magdeburger Gymnasiums. Mancher habe von den 15 möglichen Notenpunkten mit Mühe einen erreicht. "Viele Kollegen fragen sich, was das soll. Es geht doch um die allgemeine Hochschulreife, nicht jeder will Mathematiker werden", schimpft sie.

Bei vielen Oberstufenschülern ist Mathe gefürchtet, weil das Fach auf zwei verschiedenen Schwierigkeitsebenen geprüft wird, der Unterricht aber für alle auf erhöhtem Niveau erteilt wird. Auch abwählen können Sachsen-Anhalts Schüler das Fach nicht, anders als ihre Altersgenossen in anderen Ländern. Die Noten sind entsprechend. 2011 und 2010 erreichten die Prüflinge auf grundlegendem Niveau die Schulnote 4 - im Durchschnitt.

Verfasst werden die Aufgaben vom Landesinstitut für Schulqualität und Lehrerbildung. Dessen Direktor Siegfried Eisenmann hält Kritik für unbegründet. "Anspruchsvoll, aber angemessen" sei die Prüfung gewesen, sagt er. Unter Lehrern gibt es einige, die dem beipflichten. "Für eine 1 oder 2 musste man eine Menge leisten, aber auf eine 4 konnte jeder durch reines Lernen kommen", sagt Rainer Aschmann, Mathelehrer und Direktor im Salzwedeler Jahn-Gymnasium. Selbst unter Schülern ist die Meinung gespalten. "Die Fragen waren irritierend formuliert", klagt eine Abiturientin aus Haldensleben. "Es war schwerer als im Vorjahr, aber zu bewältigen", widerspricht Louis Lukas von der Latina in Halle.

Eine Auswertung der Noten will das Kultusministerium erst im September vorlegen. Die Prüfungsaufgaben sollen gar völlig unter Verschluss bleiben, anders als in den Vorjahren. Nach einer Verabredung der Kultusminister tauschen die Länder sie für künftige Prüfungen aus, erklärt Sprecher Martin Hanusch.