Wernigerode l Derzeit können Bürger im Neuen Rathaus die Planungsunterlagen für das Gesundheitshotel auf dem Lindenberg einsehen. Michael König hat sie studiert. Sein Urteil: "Das passt nicht dorthin." Dem Wernigeröder, der am Fuß des Lindenbergs lebt, sowie weiteren Anwohnern ist das Gebäude zu groß.

Deshalb hat König eine Unterschriftenaktion gegen den Bau ins Leben gerufen. 250 Unterschriften liegen bereits vor, sagt der Wernigeröder, der in der Hilleborchstraße wohnt. Auf der Internetplattform openpetition.de haben sich weitere rund 80 Unterstützer eingetragen. In der Nachbarschaft hat König mit Flugblättern für seine Initiative geworben und ist, wie er sagt, auf viel Zuspruch gestoßen.

Wernigeröder haben Angst vor zunehmendem Verkehr

"Wir sind nicht gegen den Bau an sich", stellt er klar. Dass die einsturzgefährdete Ruine des alten Hotels "Lindenberg" verschwinden und das geplante Haus neue Arbeitsplätze bringen könnte, sei positiv. Doch fünf Stockwerke, wie sie laut Planungsunterlagen vorgesehen sind, wären zu viel. "Schließlich kommen noch zwei Geschosse für die Tiefgarage hinzu, die in den Hang hineingebaut werden."

Auch dass das neue Haus etwa 250 Betten haben soll, weckt Befürchtungen. "Das wären so viel wie im Harzer Kultur- und Kongresshotel oder im ehemaligen Hotel \\\'Stadt Wernigerode\\\' in Hasserode", sagt König und zieht den Vergleich zum Harzklinikum. Dort gebe es 350 Betten.

Werde der "Riesenklotz" gebaut, dann werde sich auch der Verkehr vervielfachen, fürchtet König. "In der von Ein- bis Zweifamilienhäusern geprägten Wohngegend hat ein solches Projekt keine Berechtigung", schreibt er im Begleittext zur Unterschriftensammlung. Dabei gehe es nicht nur um die Interessen der Anwohner, sondern auch um städtebauliche Belange. Bis zum 15. August will König weiter um Unterschriften werben. Dann endet die öffentliche Auslage und die Frist für Einwendungen der Bürger.

Wernigeröde Hotel "Lindenberg" war einst Nobelherberge

Derweil will Volker Griese die Initiative der Anwohner nicht kommentieren. Der Wernigeröder Projektentwickler vertritt die Investoren, eine Gruppe von Privatleuten aus Hannover, die das Geld für den Hotelneubau bereitstellen. "Es läuft derzeit das Baurechtsverfahren, da soll jeder seine Meinung sagen können", erklärt Griese. "Das wird dann ausgewertet, und am Ende entscheidet darüber der Stadtrat."

Aus der Stadtverwaltung gibt es auch keinen Kommentar zur Sache. "Was die Bürger vorbringen, geht in die Abwägung mit ein", sagt Hans-Dieter Nadler, Chef des Wernigeröder Planungsamtes. Sicher sei, dass die Anregungen Beachtung finden. "Aber es werden voraussichtlich nicht alle Wünsche erfüllt werden können."

Das Hotel "Lindenberg" erlebte seine Glanzzeit in den 1920er-Jahren, zahlreiche Prominente stiegen in der damaligen Nobelherberge ab. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde in dem Gebäude das FDGB-Ferienheim "Roter Stern" eingerichtet. Gleich nach der Wende stand es jahrelang leer und verfiel zusehends. Jetzt soll das Gebäude abgerissen und an seiner Stelle ein neuer Hotelkomplex errichtet werden. Dieser soll unter anderem über einen Wellnessbereich mit Schwimmbad und eine Gesundheitsabteilung verfügen.