Magdeburg (bb/jq/mm/sh/spö/ti/we) l Die Testanrufe - die nicht repräsentativ sind - sind auf Praxen für die besonders knapp besetzten ärztlichen Disziplinen Augenheilkunde, Orthopädie und Inneres/Kardiologie beschränkt worden. Typisch ist ein Anruf bei einem Augenarzt in Wernigerode. Hier gibt es schon eine automatische Ansage, die frühestmögliche Termine für Ende September ankündigt. Ernüchternd ein Anruf beim Kardiologen in Halberstadt: Nächster Termin im Februar.

Bei mehrstündiger telefonischer Terminsuche in Magdeburg wird zunächst ins Bewusstsein gerufen, dass in Sachsen-Anhalt Ferien sind: Viele Facharzt-Praxen geben per Anrufbeantworter die Urlaubszeiten kund, häufig gleich mit Verweis auf entsprechende Vertretungen in der Landeshauptstadt.

Nach mehreren Versuchen der erste Erfolg im Orthopädie-Bereich: Eine Praxis bietet Termine für die kommende Woche an. Etwas länger würde es mit der gewünschten Nierenuntersuchung (mit Ultraschall und Blutentnahme) bei einem Spezialisten für Innere Erkrankungen dauern: Im September könnte die freundliche Mitarbeiterin aber einen Termin anbieten.

Extrem begehrt sind auch in Magdeburg Augenarzt-Termine. Bedauernd wird in einer Praxis darauf hingewiesen, dass man nur Operationen ausführe. In der nächsten lautet die Frage sofort: "Sind Sie Patient bei uns?" Leider nicht. Doch es gibt den Hinweis auf eine andere Praxis, bei der es "hundertprozentig" mit einem Termin klappen würde. Und tatsächlich: Bei der von der Kassenärztlichen Vereinigung selbst betriebenen Augenarzt-Praxis in der Magdeburger City gäbe es sogar noch Rest-Termine für die laufende Woche! Ansonsten ließe sich einer für die Folgewoche vereinbaren.

Ein halbes Jahr warten für den Kardiologie-Termin

Ganz anders in Wolmirstedt: Dort kann ein Augenarzt Termine erst ab Oktober bieten, als Grund wird die Urlaubszeit genannt. Auch erst von Mitte Oktober an hat eine Orthopädie-Praxis freie Kapazitäten - wegen zu vieler Patienten. Beim Kardiologen wäre dagegen noch ein Termin in dieser Woche drin. In Genthin beträgt die Wartezeit für einen Termin bei einem Orthopäden etwa drei Monate. In Burg gäbe es einen Orthopäden-Termin hingegen schon kommenden Dienstag.

In Stendal wurde beim Orthopäden darauf verwiesen, dass Terminabsprachen jeweils am 1. des Monats für den Folgemonat zu machen sind. Es wurde empfohlen, vormittags anzurufen, da nachmittags die Termine schon wieder weg sein könnten. In der altmärkischen Kreisstadt gibt es seit einem Jahr nur noch einen Kardiologen, ist angedockt ans Klinikum. Der nächste freie Termin wäre im Januar 2015 zu haben gewesen. Beim Augenarzt werden derzeit keine neuen Patienten mehr angenommen.

Wer bereits in Behandlung ist, kann frühestens Anfang des Jahres mit einem Termin rechnen. Es wurde angeboten, sich noch einmal Ende des Jahres zu melden.

In Salzwedel war eine dortige Augenarztpraxis trotz mehrfacher Versuche nicht zu erreichen. Fehlanzeige auch bei der Kardiologie, allerdings aus Urlaubsgründen. Beim Orthopäden, angefragt wegen Knieproblemen, kam die Antwort: "Neue Patienten nehmen wir nicht auf." Aber man könnte eine private Sprechstunde anbieten. Kosten: Zwischen 40 und 60 Euro.

Fazit dieses Schlaglichtes aus sachsen-anhaltischen Praxen: Mit einiger Geduld sind meist Termine zu bekommen - ohne Überweisung vom Hausarzt und ohne Nachfrage, ob der Patient gesetzlich oder privat versichert - und mithin privilegiert - ist. Angespannt die Lage in der Altmark. Beweis für die Faustregel: Je größer die Kommune, desto besser die Chancen auf einen baldigen Facharzt-Termin.

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