So verträgt man sich

In Sachsen-Anhalt darf erst nach einem Schlichtungsversuch durch eine Schiedsstelle, einen Rechtsanwalt oder Notar eine nachbarrechtliche Streitigkeit vor Gericht verhandelt werden.

Knapp 55 Prozent dieser Fälle konnte der Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen 2013 schlichten. Ansprechpartner gibt es in Magdeburg, Stendal, Halle und Dessau-Roßlau. Kontaktformulare finden Sie unter: www.schiedsleute.de

Weitere Informationen gibt es in der Broschüre "Einigung am Gartenzaun - Nachbarrecht in Sachsen-Anhalt. Einfach und konkret" des Justizministeriums.

Magdeburg l Stellen Sie sich vor, Ihr Nachbar wirft Ihnen eine Katze ins Gesicht. Oder noch schlimmer: Er ertränkt ihre Lieblinge in der Regentonne. Der Fall mit den Katzenbabys ereignete sich erst kürzlich im Landkreis Harz. Der Fall mit der geworfenen Katze landete letztes Jahr vor dem Landgericht in Stendal.

Aber auch weniger außergewöhnliche Fälle werden immer wieder angezeigt. 277 Nachbarschaftsstreitigkeiten wurden 2013 insgesamt verhandelt. Eine Studie vom Meinungsforschungsinstitut GfK belegt: 38,6 Prozent der Sachsen-Anhalter hatten schon einmal Streit mit den Nachbarn. Damit liegt das Land auf Platz 4 - knapp hinter Sachsen (38,8 Prozent) und Baden-Württemberg (42,9 Prozent). Absolute Spitzenreiter, wenn es um den Ärger am Zaun geht, sind allerdings die Hamburger. Mehr als 50 Prozent hatten hier schon einmal eine Auseinandersetzung mit der Nachbarschaft. Laut der Untersuchung entstehen die meisten Nachbarschaftsstreits aufgrund von Lärmbelästigung.

Lieber Schiedsmann statt Gericht

In Sachsen-Anhalt führen außerdem hauptsächlich falsch geparkte Autos zum Streit. Häufiger Grund für Ärger ist auch der Garten, wie Rechtsanwalt Detlef Baarth berichtet: "Bei einem Großteil meiner Klienten geht es um Überwuchs - also um Hecken oder Baumwurzeln, die sich im Nachbargarten breitmachen." Die gleiche Erfahrung hat auch Guido Scholz vom Bund Deutscher Schiedsmänner und Schiedsfrauen Sachsen-Anhalt gemacht.

Von einer Gerichtsverhandlung raten beide Experten ab. Denn eine Seite verliert immer. Und der Krisenherd ist damit nicht beseitigt. "Die Angeklagten warten oft nur darauf, den kleinsten Verstoß der Nachbarn zu melden. Am klügsten ist es, sich mit seinen Nachbarn zusammenzusetzen und in Ruhe über das Problem zu sprechen", rät Baarth.

Man kann sich zum Beispiel an einen Schiedsmann wenden. "Die Schiedsperson versucht zu vermitteln und hilft den Streitenden eine vernünftige Lösung zu finden", erklärt Scholz. Bei einem solchen Gespräch gehe es nicht, wie vor Gericht, um Beweise oder Akten. Viel mehr seien die Friedensleute dazu da, eine friedliche Einigung zu erreichen. Vielleicht sogar mit Entschuldigung und Versöhnung.

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