Werben/Seehausen l "Ich war darüber informiert, dass von der Verwaltung Arneburg-Goldbeck eine Maßnahme in Werben stattfinden sollte. Aber von dem was sich in Seehausen vor der Schule abgespielt hat, davon wusste ich nichts. Ich kann eine solche Aktion auch nicht gutheißen und dachte, solche Zeiten hätten wir überwunden", äußerte sich gestern Robert Reck gegenüber der Volksstimme. Der Verbandsgemeindebürgermeister bestätigte, dass der Verdacht von Scheinummeldungen vorliegt, die Eltern aus der Hansestadt Werben in den zurückliegenden Wochen vorgenommen haben sollen, um ihre Kinder in der Grundschule Seehausen und nicht in Iden zu beschulen.

Robert Reck: "Um dem Verdacht auf den Grund zu gehen, gibt es Amtshilfeersuchen von der Schulbehörde und der Verbandsgemeinde Arneburg-Goldbeck. Dem sind wir selbstverständlich nachgegangen und es erfolgen noch weitere Überprüfungen." Aber der Verwaltungschef ergänzte, dass es sich in allen Fällen um legitim gemeldete Personen handele, die an den neuen Wohnorten auch über eine Wohnstätte verfügten. Die bisherigen Überprüfungen seien also ohne Befunde.

"Helfen gern, aber nicht auf diese Weise"

Robert Reck, Seehausen

"Behördliche Recherchen als Amtshilfe sind ein ganz normaler Vorgang. Aber für die eigenmächtige Überwachungsaktion aus unserer Nachbar-Verbandsgemeinde, insbesondere vor der Schule, fehlt mir jegliches Verständnis. Und mir erschließt sich auch nicht, welchen Sinn das gehabt haben soll", meinte Reck. Er betonte: "Ich habe Verständnis, dass man Klarheit haben will und wir helfen auch gern. Aber diese Methoden - das geht gar nicht!" Der VG-Bürgermeister sprach sogar von einer Misstrauensbekundung gegenüber der VG Seehausen. "Offenbar unterstellt man uns, dass wir unsere Arbeit nicht richtig machen." Der Verbandsgemeindebürgermeister will nun aber erst einmal in aller Ruhe das Gespräch mit seinem Arneburg-Goldbecker Amtskollegen, Eike Trumpf, suchen.

Reck zeigte indes auch Verständnis für die betreffenden Eltern. "Ich bin mir sicher, dass sich die Erziehungsberechtigten gut überlegt haben, auf welche Schule sie ihre Kinder schicken möchten. In diesem Alter werden oft auch schon die Kinder selbst mit einbezogen. Die Entscheidung ist in diesen Fällen für die Seehäuser Schule ausgefallen. Ich gehe davon aus, dass die Eltern im Sinne des Wohls ihrer Kinder gehandelt haben." Die acht Mädchen und Jungen, so Reck weiter, würden nun in Seehausen ordnungsgemäß beschult. Er hoffe, dass sie nicht gezwungen werden, die Schule wieder zu wechseln.

"Eltern pochen immer mehr auf Mitspracherecht"

Eike Trumpf, Arneburg-Goldbeck

Der Verbandsgemeindebürgermeister betrachtet die Praxis der rigorosen Aufteilung in Schuleinzugsbereiche ohnehin als zunehmend problematisch und nicht mehr zeitgemäß. "Wir haben es mit einer neuen Generation von Eltern zu tun. Die Erziehungsberechtigten pochen, was die Entwicklung ihrer Kinder betrifft, immer mehr auf ihr Mitspracherecht. Das führt, wie wir wissen immer häufiger zu Konflikten. Daher bin ich der Meinung, dass man auf Ebene der Landespolitik über die Auflösung von Schuleinzugsbereichen nachdenken sollte."