Salzwedel l Der Lehrermangel an Lessing-Sekundarschule, Jahngymnasium und Comeniusschule hat sich zu Beginn des neuen Schuljahres den Zahlen nach entspannt. So startet die Lessingschule, die vor den Ferien noch von massiven Ausfällen betroffen war, laut Landesschulamt mit 100,3 Prozent Unterrichtsversorgung (zuletzt 96,3 Prozent). An der Comeniusschule liegt die Quote bei 104,3 Prozent (zuletzt 97,7 Prozent) und am Gymnasium bei 103,0 Prozent (103,1 Prozent). Gesetzliche Zielvorgabe des Landes sind 102,5 Prozent - die Lehrergewerkschaft GEW hält 105 Prozent für notwendig, um erkrankte Lehrer ersetzen zu können.

Wie Silke Stadör, Sprecherin des Landesschulamts informierte, ist die Verbesserung zum einen der Einstellung neuer Lehrer zu verdanken. Zwei von vier im Frühling zusätzlich ausgeschriebenen Stellen am Gymnasium seien neu besetzt worden. An der Lessingschule konnte eine von drei Stellen besetzt werden. Für Entspannung am Gymnasium sorgt zum anderen die Rückkehr von zwei Kollegen aus der Langzeiterkrankung.

Engpässe im Lehrerkollegium

Obwohl die Zahlen auf Entspannung hindeuten, bleibt die Situation in der Praxis problembehaftet. Holger Lahne, Schulleiter der Lessingschule, spricht für seine Einrichtung von einer realen Versorgung von lediglich 99,9 Prozent. Trotz der Einstellung eines neuen Kollegen mit der Kombination Mathematik/Religion bleibe die Abdeckung der naturwissenschaftlichen Fächer ein Problem, das sich in den nächsten Jahren weiter verschärfen wird.

Es sei zunehmend schwierig, junge Lehrer für eine Stelle in der Altmark zu gewinnen. Problematisch sei daneben die knapp bemessene Versorgungsgrenze des Landes von 102,5 Prozent. Werde diese wie an der Lessingschule unterschritten, fallen die ohnehin schmalen Reserven weg. "Spätestens wenn ein Kollege längerfristig ausfällt, können wir das nicht mehr kompensieren", sagt Lahne. Die Folge: Neben Stundenausfällen und häufigen Planwechseln müssen Angebote wie Förderunterricht gestrichen werden - Leidtragende seien vor allem schwächere Schüler.

Stundenplan in Salzwedel überdauert nur zwei Tage

Auch Rainer Aschmann, Leiter des Salzwedeler Gymnasiums, rechnet im neuen Schuljahr mit personalbedingten Ausfällen. "Wenn ich mir den durchschnittlichen Krankenstand ansehe, komme ich nicht hin", sagt er. "Wir haben 1207 Stunden pro Woche abzusichern und dabei nur 31 Reservestunden." Fehle ein Kollege seien schon 1,5 Prozent Unterrichtsversorgung weg.

So paradox es klingt: Für das Gymnasium wird auch die im Vergleich zu anderen Schulen gute Personalausstattung zum Problem. Denn mit der offiziellen Unterrichtsversorgung von 103 Prozent verfügt die Einrichtung aus Sicht des Landes über Reserven. Ende vergangener Woche erhielt Rainer Aschmann nun die Nachricht, dass eine Französisch-Lehrkraft an das schlechter aufgestellte Gardeleger Gymnasium abzuordnen ist. "Unser erster Stundenplan hielt damit ganze zwei Tage." Auch Aschmann empfindet die vom Land vorgegebene Soll-Versorgung von 102,5 Prozent als zu knapp bemessen: "Aus Sicht der Praxis ist das viel zu wenig."

Zufrieden mit der Lage äußert sich lediglich Norbert Hundt, Schulleiter der Comeniusschule. "Wir haben derzeit keine Sorgen", sagt er. Mit 104,3 Prozent Unterrichtsversorgung werde seine Schule sogar mit Abordnungen aushelfen können. Mit Blick auf die Zukunft ist auch Hundt aber nicht uneingeschränkt optimistisch. "Wenn sich nichts ändert, kommen auch wir irgendwann in die Bredouille."