Magdeburg l Agrarminister Hermann Onko Aeikens (CDU) sagte, das Kürzen der Schnäbel erfolge aus guten Gründen. Damit solle verhindert werden, dass sich die Tiere durch Federpicken und Kannibalismus gegenseitig verletzen. "Allen Beteiligten ist klar, dass Lösungen zum Ausstieg aus dem Schnabelkürzen gefunden werden müssen", sagte er. Es gebe aber noch kein "Allheilmittel". Der Minister betonte, gesetzgeberische Regelungen müssten auf einer soliden Basis beruhen, denn: "Die deutsche Nutztierhaltung ist keine Insel. Es handelt sich um ein marktwirtschaftliches System mit offenen Grenzen." Und: "Wir stehen vor der schwierigen Aufgabe, wissenschaftlich fundierte und gesellschaftlich akzeptierte Normen in der Nutztierhaltung zu definieren. Dabei dürfen wir auch ökonomische Belange nicht außer Acht lassen."

"Es darf nicht nur um Gewinnmaximierung gehen."
- Dorothea Frederking, Grüne

Die Bündnisgrünen, die die gestrige Debatte initiiert hatten, dringen auf mehr Tempo. Sie forderten einen Erlass der Landesregierung, der den Behörden ab Januar 2017 untersagt, Ausnahmegenehmigungen für das Schnabelkürzen zu erteilen. Auch Linken-Politiker Hans-Jörg Krause pochte darauf, "Nägel mit Köpfen" zu machen. Grünen-Politikerin Dorothea Frederking sagte, das Schnabelkürzen sei für die Tiere eine "qualvolle Tortur, die völlig inakzeptabel ist. Es ist vergleichbar mit dem Abschneiden der Fingerkuppen oder der Lippen beim Menschen."

Dem Agrarminister warf sie vor, das Problem auf die lange Bank zu schieben. "Bei der Tierhaltung müsse das Tierwohl in den Mittelpunkt gerückt werden, sagte Frederking. "Es darf nicht mehr nur um Gewinnmaximierung gehen. Der ständige Wettlauf zu billig und billiger muss gestoppt werden."

Große Handelskonzerne wollen von 2017 an keine Eier mehr von Legehennen verkaufen, deren Schnäbel gekürzt wurden. Dies sieht eine Regelung der Gütesiegelorganisation KAT vor. Einige Bundesländer wie etwa Niedersachsen haben sich bereits für ein Verbot von 2017 an ausgesprochen.

CDU-Agrarpolitiker Bernd Daldrup hackte auf die Grünen ein. Diese würden erneut eine Sau durchs Dorf treiben - dieses Mal die Legehennen. Fakt sei, dass es in Sachsen-Anhalt so gut wie kein Unternehmen gebe, welches die Schnäbel seiner Legehennen kürze. Außerdem: "Wir haben nichts gewonnen, wenn das Ergebnis grüner Politik ein Abwandern von Unternehmen ins Ausland mit geringeren Umwelt- und Tierschutzstandards bedeutet."

SPD-Agrarpolitiker Jürgen Barth sagte, das Schnabelkürzen müsse unter wissenschaftlicher Begleitung "so schnell wie möglich" umgesetzt werden. Der Verzicht auf das Schnabelkürzen sei nicht zum "Nulltarif" zu haben. Die Albert-Schweitzer-Stiftung gehe davon aus, dass die Preise um mindestens 4 Cent pro Ei steigen müssten. Die Mehrkosten entstünden etwa durch eine bessere Aufzucht, Beschäftigungsmaterial, besseres Futter und ein intensiveres Stallmanagement.

Der Bauernverband Sachsen-Anhalt und der Wirtschaftsverband "Eier und Geflügel Sachsen-Anhalt" erklärten: "Solange die Gefahr von Federpicken und Kannibalismus besteht, stellt der Ausstieg aus dem Schnabelkürzen ein großes Risiko dar und würde den Bestrebungen zur Verbesserung des Tierwohls entgegenlaufen."

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