Sangerhausen l Namen von Investoren will Lucas Flöther zwar nicht nennen, aber der Insolvenzverwalter macht den 600 Mifa-Beschäftigten Mut: Mehrere Interessenten wollen beim Fahrradbauer in Sangerhausen einsteigen. Es handele sich dabei sowohl um Unternehmen aus der Branche als auch um branchenferne Firmen, sagte ein Sprecher Flöthers am Dienstag der Volksstimme.

Der Rechtsanwalt aus Halle habe sich vorgenommen, bis Dezember die Verhandlungen abzuschließen. Das hat auch formelle Gründe. Derzeit befindet sich die Mifa im vorläufigen Insolvenzverfahren. In dieser Zeit verhandelt Flöther nicht nur mit Investoren, sondern prüft auch die Bücher des Unternehmens. Die Mitarbeiter erhalten währenddessen Insolvenzgeld von der Bundesagentur für Arbeit.

Im Dezember muss Flöther dann dem Insolvenzgericht in Halle seine Prüfergebnisse vorlegen. Das Gericht hat anhand derer zu entscheiden, ob es das Hauptinsolvenzverfahren eröffnet. Die Entscheidung hängt dabei grundsätzlich von der finanziellen Lage der Mifa ab. Das Unternehmen muss das Insolvenzverfahren finanzieren können und es muss ab Dezember wieder selbst für die Löhne der Mitarbeiter aufkommen, weil die Bundesagentur für Arbeit nur drei Monate lang Insolvenzgeld zahlt. Flöther geht zum gegenwärtigen Zeitpunkt offenbar davon aus, dass die Mifa das schafft.

Mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens könnte dann auch eine zügige Einigung mit einem Investor einhergehen. Auch hier ist der Hintergrund ein formeller: Gegenwärtig sind die Befugnisse Flöthers als vorläufiger Insolvenzverwalter noch eingeschränkt. Selbst wenn er sich jetzt schon mit einem Investor einig wäre, dürfte er keinen Vertrag mit ihm im Namen der Mifa unterschreiben.

Sollte das Gericht im Dezember das Insolvenzverfahren eröffnen und Flöther als Verwalter bestätigen, dann wäre er auch berechtigt, Verträge mit Investoren zu unterschreiben. Ab diesem Zeitpunkt wäre er außerdem legitimiert, Mitarbeiter der Mifa zu entlassen, wenn es die wirtschaftliche Lage des Unternehmens erfordert. Weniger wahrscheinlich, aber dennoch möglich ist das Szenario, dass es zu einer außerinsolvenzlichen Einigung kommt. In dem Fall würden sich die Gesellschafter der Mifa bereiterklären, die finanzielle Schieflage des Unternehmens auszugleichen.

Fakt ist: dem Fahrradbauer fehlen 15 Millionen Euro, um die Produktion im kommenden Jahr zu sichern. Flöther gibt sich trotzdem optimistisch, auch weil die Großkunden und Banken bislang hinter dem Fahrradhersteller stehen. So hätten die Banken Sanierungsbeiträge angekündigt, die weit über das übliche Maß hinausgehen. Unklar ist noch, inwiefern sich Großaktionäre wie Finanzunternehmer Carsten Maschmeyer an der Rettung beteiligen. Maschmeyer signalisierte zwar seine Bereitschaft, mehrere Millionen zuzuschießen. Flöther erklärte hierzu allerdings, dass ihm noch keine konkreten finanziellen Zusagen gemacht wurden.

Ausgangspunkt für die Misere bei den Mitteldeutschen Fahrradwerken (Mifa) waren Verluste von insgesamt 30 Millionen Euro in 2013. Unter anderem waren Bestände falsch bewertet worden. Nachdem der indische Fahrradriese "Hero Cycles" als möglicher Investor abgesprungen war, musste der absatzstärkste deutsche Fahrradproduzent Ende September Insolvenz anmelden.

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