Die Urania
Die Idee zur Gründung der Urania gab der Naturforscher Alexander von Humboldt mit seinen "Kosmos"-Vorträgen, in denen er zwischen 1827 und 1828 seine Forschungsergebnisse zur Bildung der Bevölkerung öffentlich präsentierte.

Der Gedanke, Ergebnisse aus der Wissenschaft einem breiten Publikum zugänglich zu machen, wurde im Jahr 1888 bei der Gründung der ersten Urania in Berlin aufgegriffen. Als zweiter Ableger folgte 1894 die Magdeburger Urania. Beide Einrichtungen bestehen bis heute.

Magdeburg l Die Zeiten, in denen Vorträge der Urania in Magdeburg ein echter Besuchermagnet waren, sind vorbei. Allein in den 1980er Jahren hörten Hunderttausende die Vorträge. Mit dem Ende der DDR brachen aber schwerere Zeiten an. Die Zahl der Mitglieder schrumpfte von 900 auf 35. Ebenso die Teilnehmerzahl, die sich zwischen 2002 und 2012 von knapp 14000 auf rund 6000 halbierte. Die Unterrichtsstunden gingen in dieser Zeit von rund 8700 auf etwa 4300 zurück. Dennoch feiert die Magdeburger Urania Ende November ihr 120-jähriges Jubiläum.

Gegründet wurde sie im Dezember 1894. Damit ist sie nach der Urania in Berlin die zweitälteste in Deutschland. Allerdings mit Unterbrechungen: Bis 1914 wurde zu Vorträgen eingeladen. Dann legte die Urania eine 40-jährige Pause ein. Erst ab 1955 gab es wieder Angebote in Magdeburg.

"Zu DDR-Zeiten gab es in jedem Kreis eine Urania. Nach der Wende wurde dann geschaut, welcher Verein überleben kann", sagt Detlef Rademeier. Er ist Geschäftsführer des Landesverbandes der Urania. Heute gibt es noch selbstständige Vereine in Salzwedel, Staßfurt, Wernigerode, Halle und Wittenberg. Die meisten Mitglieder sind in Salzwedel aktiv: 140 waren es im vergangenem Jahr. In Staßfurt waren es 50, im Harz 36.

Jeder Verein setzt unterschiedliche Schwerpunkte und hat eigene Nischen gefunden. Etwa 50 000 Besucher lockte im vergangenen Jahr die Aussichtsplattform der Harzer Urania an die Rappbodetalsperre. Dort, an der höchsten Betonstaumauer Deutschlands, vermitteln zwölf Referenten Wissen über den Wasserreichtum des Mittelgebirges.

Gern auf Reisen gehen hingegen die Salzwedeler. Etwa 30 Tages- oder Mehrtagestouren bietet der Verein jedes Jahr an. Neben Fahrten durch die altmärkische Heimat stehen auch Reisen nach Spanien, Schweden oder in die Niederlande im Programm. Darüber hinaus gibt es Vorträge und Lesungen.

Auf berufliche Weiterbildung setzt die Staßfurter Urania. Hier können sich Teilnehmer zum Kindererziehungs- oder Altenpflegehelfer ausbilden lassen. Ähnliche Angebote haben auch die anderen Vereine im Programm.

"Wir haben keinen Träger. Die Urania muss sich selbst ernähren", sagt Detlef Rademeier. Allein mit Weiterbildungskursen, die auch durch das Jobcenter gefördert werden, können sich die Vereine nicht finanzieren. Der Anteil dieser Lehrgänge darf nicht mehr als 50 Prozent des Gesamtangebotes ausmachen, um Fördermittel vom Land zu erhalten.

Diese Mittel sanken von rund 6,1 Millionen Euro im Jahr 1992 auf 3,6 Millionen im Jahr 2012. Das zeigt ein Blick in den Erwachsenenbildungsbericht des Jahres 2013. "Mit dem Geld decken wir 30 Prozent unserer Ausgaben."

Der Rest muss durch Teilnehmergebühren erwirtschaftet werden. Erfolgreiche Vortragsreihen, etwa die Medizinischen Sonntage, von denen es seit 1959 bereits 421 Ausgaben in Magdeburg gab und die jedesmal rund 300 Zuhörer anlocken, würden jedoch "keinen Pfennig einbringen", wie Rademeier sagt. Eintritt werde hier nicht verlangt. Bei anderen Vorträgen seien es maximal vier Euro.

Für die Zukunft ist die Magdeburger Urania auf der Suche nach neuen Bereichen. So könnten Angebote für Migranten und Flüchtlinge, deren Zahl zunehmen wird, in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Das verspricht der Ausblick, den die Urania in ihrer Festschrift zum 120-jährigen Bestehen gibt.

Update (18.11.2014, 18.50 Uhr): Die erwähnten 3,6 Millionen Euro im Jahr 2012 wurden nicht nur an die Urania-Vereine gezahlt. Es handelt sich dabei um die Gesamtförderung der Erwachsenenenbildung im Land. Die Urania-Vereine erhielten 2013 rund 190000 Euro Förderung vom Land.