Zeitz (epd) l Drei Wochen nach dem Bürgermeister-Rücktritt in Tröglitz wegen rechter Anfeindungen hat in dem Ort eine Bürgerversammlung mit rund 500 Teilnehmern stattgefunden. Hauptthema am Dienstagabend war die ab Mai geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen in dem Dorf bei Zeitz. Zu der "Einwohnerfragestunde" hatte der Landrat des Burgenlandkreises, Götz Ulrich (CDU), in das Kultur- und Kongresszentrum in Alttröglitz eingeladen.

Ziel müsse es sein, die Herausforderung der Unterbringung gemeinsam zu stemmen, betonte Ulrich. Der Landrat erläuterte dabei Details zu den Plänen. So werde beispielsweise ein Sozialpädagoge zur Betreuung der Asylbewerber eingestellt. Darauf folgte eine kontroverse Debatte, in der Bürger etwa die staatlichen Geldleistungen für Asylbewerber scharf kritisierten. So erhält den Angaben zufolge ein Erwachsener monatlich 337 Euro für seine Lebenshaltungskosten und damit weniger als ein Hartz-IV-Empfänger.

Zudem wurde von einer Initiative um den evangelischen Pfarrer Matthias Keilholz und den ehemaligen Ortsbürgermeister Markus Nierth eine "Tröglitzer Erklärung" vorgestellt. Schwerpunkte sind Wege zur Schaffung einer Willkommenskultur und zur Integration der Flüchtlinge.

Die Unterbringungspläne sind seit Ende 2014 bekannt. Der Kreistag hatte dann am 9. März formal beschlossen, Räume in dem etwa 2700 Einwohner zählenden Dorf anzumieten. Vorgesehen sind für die Asylbewerber Wohnungen in einem Häuserblock.

Der ehrenamtliche Ortsbürgermeister Nierth war Anfang März zurückgetreten, weil eine von Rechtsextremen organisierte Demonstration gegen die Flüchtlingsunterbringung vor sein Privathaus führen sollte. Die Behörden sahen zunächst keine Möglichkeit, den Streckenverlauf zu verhindern. Inzwischen sind die Aufmärsche ausgesetzt. Nierth sah sich später auch mit Morddrohungen konfrontiert. Seit Ende 2014 wirbt er in Tröglitz für eine Willkommenskultur gegenüber Flüchtlingen. Sein Rücktritt hatte bundesweit für Aufsehen gesorgt. Meinung