Tröglitz (dpa) I Nach einem Brand in der geplanten Flüchtlingsunterkunft in Tröglitz geht die Staatsanwaltschaft von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Eine politisch motivierte Tat könne nicht ausgeschlossen werden.

"Es ist definitiv besonders schwere Brandstiftung", sagte Staatsanwalt Jörg Wilkmann am Samstag in Halle. Es handle sich um eine gemeingefährliche Straftat schlimmster Art. Nach bisherigen Erkenntnissen seien in der Nacht zu Samstag einer oder mehrere Täter in das Mehrfamilienhaus eingebrochen. Dort legten sie laut Wilkmann wahrscheinlich mit Brandbeschleuniger das Feuer.

Ein politisches Motiv wollten Polizei und Staatsanwaltschaft mit Verweis auf den Beginn der Ermittlungen am Samstag zunächst nicht direkt bestätigen. "Es liegt jedoch im Gesamtzusammenhang nahe", sagte die zuständige Polizeipräsidentin Christiane Bergmann. Ähnlich äußerte sich der Direktor des Landeskriminalamts, Jürgen Schmökel. Er sprach von "einem gemeinen Anschlag und dem politisch fast schon nicht auszuschließenden Hintergrund."

Auch Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sieht die Rechtsextremen und die NPD zumindest im Umfeld der Brandstiftung. An den bisherigen Aktivitäten der NPD-Kreistagsfraktion in Tröglitz sehe man, "dass diese Personen den geistigen Nukleus darstellen für das, was sozusagen die Spitze jetzt erreicht hat in diesem furchtbaren Verbrechen".

Noch am Samstagnachmittag sprachen der Ministerpräsident, der ehemalige Bürgermeister, der Landrat und Engagierte aus Vereinen und Kirchen auf einer spontanen Demo in Tröglitz. Die Bürgerinitiative "Miteinander - füreinander" um die unermüdliche Familie Nierth hatte dazu aufgerufen. 300 Menschen aus Tröglitz und Umgebung kamen. "Tröglitz ist so ein schöner Ort und unsere Heimat, die lassen wir uns von Verbrechern nicht kaputt machen", sagte Haseloff bei der Kundgebung unter lautem Applaus.

Der Ort im Burgenlandkreis ist bundesweit in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärt hatte. Die NPD-geführten Proteste richteten sich gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen. Die ersten sollen Anfang Mai nach Tröglitz kommen.

Wie die Polizei in Halle mitteilte, konnten sich zwei Bewohner des Hauses unverletzt in Sicherheit bringen. Wer sie sind, war zunächst unklar. Eine Nachbarin habe beide rechtzeitig gewarnt, sie konnten sich unverletzt ins Freie retten. Das gesamte Dach sei durch das Feuer zerstört worden. Nach ersten Schätzungen liegt der Schaden im sechsstelligen Bereich.

Der zurückgetretene Ortsbürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth, hat sich entsetzt über das Feuer in dem zukünftigen Flüchtlingsheim des Ortes gezeigt. "Davon wird Tröglitz sich wohl nie erholen", sagte er dem Berliner "Tagesspiegel" am Samstag. "Ich bin fassungslos, traurig und wütend zugleich. Da ist die braune Saat so weit aufgegangen, dass man nun lieber Häuser niederbrennt, in denen Familien eine neue Bleibe finden sollten."

Nierth, der Anfang März wegen rechtsextremer Anfeindungen zurückgetreten war, nannte den Brand "eine bleibende Schande für Tröglitz, die uns nun mit Mölln und Hoyerswerda in eine Reihe bringt und noch viele unabsehbare Folgen haben wird".

In Mölln in Schleswig-Holstein starben 1992 bei einem Brandanschlag auf ein von Türken bewohntes Haus drei Frauen. Im sächsischen Hoyerswerda attackierten Neonazis 1991 eine Asylunterkunft mit Molotow-Cocktails und Stahlkugeln.

Nierth war Anfang März zurückgetreten, weil eine genehmigte Anti-Asyl-Demonstration direkt vor seiner Haustür stattfinden sollte. Er fühlte sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt und sah seine Familie nicht gut genug geschützt. Sein Schritt hatte eine bundesweite Debatte über den Schutz von Politikern vor Demonstranten ausgelöst, die Entscheidungsträger auch in ihrer Privatsphäre unter Druck setzen wollen.

Unterdessen will Nierth private Wohnungen zur Verfügung stellen. "Ich habe noch zwei Wohnungen, die ich bereits als Unterkünfte angeboten habe", sagte Nierth am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. Er wünsche sich, dass auch andere Tröglitzer private Unterkünfte zur Verfügung stellten. "Die Braunen dürfen über unseren Ort nicht siegen", sagte der 46-Jährige.

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