Hier tanzen die Teufel und fliegen die Hexen

Schierke

Ab 11 Uhr im Kurpark Mittelalter-Erlebnis-Markt, 19 Uhr Hexenumzug, 23.45 Uhr Feuerwerk

Wernigerode
Von 10 Uhr bis Mitternacht Live-Musik und Hexenshow in der Innenstadt; von 10 bis 1 Uhr im Schloss Wernigerode historischer Markt und Musik

Thale
Walpurgismarkt in der Innenstadt ab 11 Uhr, Party Hexentanzplatz ab 17.30 Uhr

Blankenburg
ab 14 Uhr Kirmes auf der Festwiese, 18.30 Uhr Fackelumzug

Stieger See
ab 18 Uhr Unterhaltung auf dem Festplatz

Gröningen
Ab 18 Uhr Umzug zum Kloster Gröningen
Emmeringen: Fackelumzug ab 19 Uhr, Beginn am Schloss

Amesdorf
Hexenfeuer auf dem Festplatz ab 18.30 Uhr

In der Nacht zum 1. Mai werden mehr als 100.000 Menschen im Harz erwartet - es ist Walpurgisnacht. Wo der Hexenspuk seinen Ursprung hat, erklärt die Göttinger Forscherin Ines Köhler-Zülch im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa.

Frau Köhler-Zülch, woher kommt der Name Walpurgisnacht?
Ines Köhler-Zülch:
Er wird auf Walburga zurückgeführt, eine Nichte des heiligen Bonifatius, die im Jahr 761 Äbtissin des Klosters Heidenheim wurde und deren Festtag der 1. Mai ist.

Was hat denn der Harz mit Hexen zu tun?
Zunächst einmal nichts Spezielles. Im 14. Jahrhundert deklarierten Theologen Hexen als sektenähnliche Gruppe und Gefahr für die Kirche. Dies war die Basis für die Hexenverfolgungen, die es in den folgenden Jahrhunderten im Harz gab wie andernorts auch, und denen europaweit nach Schätzungen in katholischen wie evangelischen Gebieten etwa 50 000 Menschen zum Opfer gefallen sind.

Welche Rolle spielt der Brocken?
In regionalen Hexenprozessen des 16. Jahrhunderts wird der Brocken als Veranstaltungsort für den Hexentanz zur Walpurgisnacht erstmals genannt. So gestand die als Hexe angeklagte Grete Wroist aus Elbingerode im Jahr 1540, in der Nacht zum 1. Mai zum Hexentreffen auf den Brocken geflogen zu sein. Solche durch Folter erzwungenen Geständnisse dienten der Kirche als Beweise ihrer Auffassung vom Hexentanz als Teufelskult. Und unter den vielen angeblichen Hexenversammlungsplätzen nahm der auch als Blocksberg bezeichnete Brocken bald eine herausragende Stellung ein.

Der Brocken - ein dämonischer Berg?
Zu diesem Ruf haben religiöse, aber auch nicht-theologische Schriften beigetragen. In der Reiseliteratur seit dem 18. Jahrhundert waren Hinweise auf die Hexentänze und Treffen mit dem Teufel die Regel. Um 1800 war der Hexentanz in der Walpurgisnacht ein geradezu inflationäres Modethema. Dabei wurde der Hexensabbat allerdings aus dem historischen Kontext der Hexenverfolgungen herausgenommen und als harmlose Sage wiedergegeben. Besonders bekannt wurde der Brocken durch das Werk "Blockes-Berges Verrichtung" von Johannes Praetorius (1668) und später durch Goethe und die Walpurgis-Szene im "Faust".

Den Walpurgisnachtfeiern wird oft ein heidnischer Ursprung zugeschrieben. Gibt es dafür Belege?
Im frühen 18. Jahrhundert entwickelte sich die These, dass Hexentanzplätze Opferplätze der alten heidnischen Sachsen gewesen seien. Dabei ist der Brocken auch entgegen der Meinung Jacob Grimms nie ein Kultplatz gewesen. Populär wurde die Erklärung, Karl der Große hätte - als er die Sachsen zum christlichen Glauben bekehren wollte - Wachen aufgestellt, um die Harz-Bewohner davon abzuhalten, nachts zu Kult-Festen auf die Berge zu ziehen. Die Sachsen sollen sich verkleidet haben, etwa als Hexen oder Teufel, um die Wachen zu erschrecken und ihnen zu entkommen. Diese Geschichte hält sich bis heute hartnäckig. Sie wurde aber erwiesenermaßen 1752 vom Bibliothekar Peter Christian Decker erfunden.

Seit wann gibt es Walpurgisnachtfeiern?
Sie sind am Ende des 19. Jahrhunderts entstanden. Auf Initiative des Harzklub-Zweigvereins Bad Harzburg fand 1896 die erste dokumentierte öffentliche Walpurgisfeier auf dem Brocken statt, auf der seltsamerweise nur Männer feierten, darunter viele Studenten aus der Clausthaler Bergakademie. Ab 1908 hat dann das Wernigeroder Verkehrsamt zusammen mit dem Brockenwirt das Walpurgisfest organisiert. (dpa)

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