Magdeburg l Um einen bandenmäßig organisierten Kreditbetrug geht es seit Montag vor dem Landgericht Magdeburg. Drei Angeklagte stehen vor Gericht. Zwei Männer - 68 und 63 Jahre alt - aus Magdeburg und ein 37-jähriger Afrikaner von der Elfenbeinküste.

Das Verfahren unter Vorsitz von Richterin Claudia Methling wird sich vermutlich bis in den Sommer hinziehen. Den Männern werden insgesamt 50 Betrügereien vorgeworfen.

Fälschung von Kontoauszügen


Laut Anklage gehen die meisten Straftaten auf den 68-jährigen Rolf H. zurück. Dem freiberuflich tätigen Kredit- und Versicherungsmakler werden 34 Betrügereien vorgeworfen. Die Taten ereigneten sich zwischen 2006 und 2012 in Magdeburg.

Die Vorgehensweise war immer ähnlich. Rolf H. beantragte im Auftrag angeblicher Kunden bei verschiedenen Banken und Sparkassen Kredite unter Vortäuschung von falschen Angaben und Unterlagen. In fünf Fällen soll ihn der mitangeklagte 63-jährige Eckhard Z. mit der Fälschung von Kontoauszügen und Verdienstbescheinigungen unterstützt haben.

Beantragt wurden zumeist Darlehen zwischen 15.000 und 30.000 Euro. Es gab aber auch Anträge von Baudarlehen - überwiegend zwischen 120.000 und 200.000 Euro. Nicht alle Kredite wurde bewilligt. Insgesamt soll ein Schaden von knapp einer Million Euro entstanden sein. Ratenzahlungen wurden in der Regel schnell eingestellt.

Kein Geld zurück


Die "Kunden" der Kredite gab es wirklich. Das waren häufig ahnungs- oder mittellose Menschen, die einen kleinen Teil der ausgezahlten Kreditbeträge behalten durften. Der Großteil des Geldes - so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft - wurde an Kreditvermittler Rolf H. übergeben.

Bemühungen der Banken, bei den angeblichen Kreditnehmern das Geld zurückzubekommen, verliefen ins Leere. Die Betroffenen gaben an, kein Geld zu haben. Dies werde auch bei dem Hauptangeklagten Rolf H. der Fall sein, kündigte sein Verteidiger Dieter Schulze in der Verhandlungspause auf Nachfrage an. "Mein Mandant ist unschuldig. Und er ist ein armes Schwein. Bei ihm gibt es nichts zu holen", so der Anwalt.

Von den drei Angeklagten war am Montag nur Freddy A. von der Elfenbeinküste zu einer ersten Aussage bereit. In elf Fällen, so die Anklage, soll der Afrikaner dem Hauptangeklagten Kunden - darunter mehrere Ausländer - zugeführt haben. Freddy A. bestreitet das. Er habe lediglich auf Nachfrage von Bekannten den Kreditvermittler empfohlen. Freddy A. lebt heute in Berlin.

Bis zu zehn Jahre Haft drohen


In Magdeburg wohnt seine ehemalige Lebensgefährtin mit dem gemeinsamen Kind. Die Altenpflegerin zahlt laut Aussage von Freddy A. noch heute an einem Baudarlehen von 150.000 Euro, welches Rolf H. vermittelt hatte und das zum Teil an eine Baumaklerin unter falschen Angaben ausgezahlt wurde. Das Geld sei weg. Ein Haus wurde damit nie gebaut. Die kriminellen Machenschaften dieser Maklerin waren kürzlich Gegenstand in einem anderen Verfahren. Freddy A. sagte auf Nachfrage der Richterin, er persönlich sei schuldenfrei.

Das Verfahren wird morgen mit Zeugenbefragungen fortgesetzt. Den Männern drohen bei Verurteilung wegen bandenmäßigen und gewerbsmäßigen Betrugs zwischen einem und zehn Jahren Haft.