Die CDU hat am Sonnabend in Halle ihren Wahlkampf eröffnet. Spitzenkandidat Reiner Haseloff warnte vor einem rot-roten Bündnis nach der Landtagswahl am 20. März. Die Union spricht von einer "Schicksalswahl".

Halle. Petra Zieger hüpft völlig losgelöst durch den Festsaal des Maritim-Hotels in Halle. "Aufstehen, hoch mit den Popos", kreischt die Rocksängerin ins Mikrofon. Also bleibt den 700 Menschen nichts anderes übrig, sie applaudieren und jubeln. Die Stimmung ist mächtig prächtig. Petra singt Songs, die "Zuversicht" heißen oder "Nimm mich". Für CDU-Spitzenkandidat Reiner Haseloff ein Geburtstagsständchen der besonderen Art. Er wird an diesem Tag 57 Jahre. Der Politiker hat ein glückseliges Dauerlächeln aufgesetzt und klatscht begeistert mit.

"Ich glaub’, ihr seid unschlagbar", ruft Zieger in den Saal. Tschaka, du schaffst es!

Gemach, gemach, meint Wolfgang Böhmer. Der Ministerpräsident sagt: "32 Prozent – das beruhigt mich noch nicht." 32 Prozent – dies ist das Ergebnis für die CDU in der jüngsten MDR-Umfrage. "Wir müssen Lösungen für die erkennbaren Probleme der Zukunft anbieten und uns nicht nur selbst auf die Schulter klopfen." So sagt er etwa: "Es wurmt mich, dass in der Frage der Sozialkompetenz andere Parteien vor uns liegen. Wir wollen keinen fürsorglichen Sozialstaat. Der führt zwangsläufig in den vormundschaftlichen Sozialstaat." Die CDU setze auf Eigenverantwortung. Böhmer: "Wir müssen unsere Alleinstellungsmerkmale betonen."

Böhmer weiß, dass die CDU zuweilen zu einer Selbstzufriedenheit neigt, die er für nicht gerechtfertigt hält. An diesem Tag bedankt sich der scheidende Regierungschef bei der Partei, "deren Unterstützung ich" – kurze Pause – "meistens hatte".

Böhmer ist ein Mann, der mit Lob geizt. Diesmal aber schüttet er ein Füllhorn guter Worte über Reiner Haseloff aus. "Er stand immer da, wo es am problematischsten war." Etwa zu Beginn der 1990er Jahre als Arbeitsamtsdirektor in Wittenberg. Jetzt sei Haseloff ein "erfolgreicher Wirtschaftsminister". Kurzum: "Von allen Anwärtern auf das Amt des Ministerpräsidenten ist er der am besten geeignete. Dafür müssen wir sehr aktiv werben."

Bundeskanzlerin Angela Merkel, von Zieger mit dem Song "Superfrau" empfangen, ist in Plauderstimmung. Mit Blick auf Haseloff verrät sie: "Am Anfang habe ich gedacht, na ja, will er wirklich Ministerpräsident werden? Wenn man ihn über eine gewisse Zeit verfolgt, kann man sagen: Ja, er will."

Haseloff, der wahrlich kein Volkstribun ist und manchem als zu spröde und akademisch gilt, sagt: "Wahlkampf ist keine Castingshow. Ich werde weder Gesangsunterricht noch Ballettunterricht nehmen. Ich will kein Kunstprodukt sein. Ich werde so bleiben, wie ich bin."

Der Moderator fragt die Kanzlerin, was sie an Böhmer am meisten schätze. Böhmer lächelt und raunt ihr zu: "... dass ich gehe." Merkel, die in dem knorrigen Wittenberger gelegentlich einen sehr eigenwilligen Partner hatte, grinst und sagt: "Ein guter Abgang ist auch etwas, was nicht jeder schafft."

Haseloff will nach der Landtagswahl in Böhmers Fußstapfen treten. Er sagt: "Wenn wir keine Stockfehler machen, werden wir die Wahl gewinnen." Er mahnt zugleich: "Es gibt keinen Automatismus in diesem Land, dass wir auch die nächste Regierung führen." Eindringlich warnt Haseloff vor Rot-Rot. Inzwischen stelle der Koalitionspartner SPD Überlegungen über einen Weg an, "den wir kennen und dessen Konsequenzen wir kennen".

Laut jüngster MDR-Umfrage liegt die SPD derzeit bei 23 Prozent, die Linke bringt es auf 26 Prozent. SPD-Spitzenkandidat Jens Bullerjahn hält eine rot-rote Koalition für möglich, aber nur unter Führung der SPD. Beflügelt durch den schrumpfenden Abstand zur Linken hat Bullerjahn zuletzt ein rot-rotes Bündnis verstärkt ins Gespräch gebracht und die Union scharf kritisiert: "Ich erlebe keine inhaltliche Zuspitzung bei der CDU – und die will ich erzwingen. Ich will die Zuspitzung zwischen CDU und SPD, zwischen Bullerjahn und Reiner Haseloff."

Das wird in der Union aufmerksam registriert. Landeschef Thomas Webel schießt zurück: Er erinnert daran, dass in Zeiten der von der damaligen PDS tolerierten SPD-Minderheitsregierung (1994 bis 2002) Jens Bullerjahn und der heutige Linken-Spitzenkandidat Wulf Gallert "im Hintergrund die Fäden gezogen haben".

Haseloff und auch Böhmer halten sich zurück. Der Name "Bullerjahn" kommt in ihren Reden nicht vor. Meinung

 

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