Erfurt (epd). Die von Martin Luther (1483-1546) verfassten Kirchenlieder sollen der UNESCO als Weltkulturerbe vorgeschlagen werden. Dafür setzt sich der Weimarer Musikwissenschaftler Siegfried Freitag ein. Unterstützt werde die Initiative vom Thüringer Landesmusikrat und dem Verband der Deutschen Schulmusiker.

Zur Begründung verwies der Musikwissenschaftler gegen-über dem MDR auf die Einmaligkeit kirchlichen Liedgutes wie "Eine feste Burg ist unser Gott". Erst mit den Kirchengesängen habe sich der Gottesdienst ab dem 16. Jahrhundert zu seiner heutigen Form entwickelt und eine breite Singbewegung sei entstanden. Schon Albert Schweitzer habe diese Choräle als "religiöse Poesie" bezeichnet, "der nichts in der Welt gleichkommt", sagte Freitag. Beispiele seien neben Luthers Liedern auch Werke von Paul Gerhardt. Freitag hofft, dass der UNESCO-Weltkulturerbe-Titel hilft, die Texte und Melodien der Kirchenlieder im Original lebendig zu halten. Sie dürften nicht durch moderne Versionen ersetzt werden, sagte er.

Den Welterbe-Antrag schlug Freitag als Thüringer Beitrag für die Feierlichkeiten des Reformationsjubiläums im Jahr 2017 vor. Der Antrag muss zunächst beim Deutschen Nominierungskomitee "Memory of the World" gestellt werden.

In der UNESCO-Welterbe-liste stehen beispielsweise das Nibelungenlied und Beethovens Neunte Sinfonie.

Der Lutherbeauftragte der Thüringer Landesregierung, Thomas Seidel, bezeichnet die Initiative als "interessante Anregung, die es wert ist, gründlich geprüft zu werden".