Ganz bei der Sache sind die Zuhörer im Landtag ja sonst auch nicht vom Anfang bis zum Ende der Debatten. Am Montag wurden auf den Abgeordnetensesseln aber auch schon mal Händchen gehalten. Im Plenum saßen allerdings Schüler - im Finale von "Jugend debattiert".

Magdeburg (dpa). Die Unterschiede zu den Landtagsdebatten waren nicht besonders groß: Vorn mühen sich die Redner, bringen ihre Argumente vor, wollen überzeugen. Im Publikum herrscht teils Langeweile, ab und zu gibt es Gelächter oder auch Applaus. Am Montag blieben die Abgeordneten in ihren Büros, auf ihren Sesseln im großen Plenarsaal nahmen rund 100 Schüler aus ganz Sachsen-Anhalt Platz. Vor ihren Augen diskutierten zwei Mal vier Gleichaltrige um den Titel des Landesmeisters im Wettbewerb "Jugend debattiert".

Nach zwei Stunden Finale stand fest: Die besten jungen Redner Sachsen-Anhalts kommen aus Magdeburg und Staßfurt. Bei den Klassenstufen 8 bis 10 setzte sich Hannes Gärtner (15) vom Dr.-Frank-Gymnasium Staßfurt durch. Unter den Teilnehmern der Klassenstufen 11 bis 13 holte sich Vera Neugebauer (17) vom Norbertusgymnasium Magdeburg den Titel. Sie diskutierten mit jeweils drei anderen Jugendlichen darüber, wie man am besten gegen Internetpiraterie vorgeht und ob das Volk über Großprojekte wie den Bahnhof Stuttgart 21 entscheiden soll. Entscheiden musste schließlich eine Jury - besetzt mit Vertretern verschiedenster Institutionen und Vorjahressiegern.

Die beiden Sieger und die Zweitplatzierten vertreten Sachsen-Anhalt im Juni beim Bundeswettbewerb in Berlin. Laut Kultusministerium hatten sich in den vergangenen Monaten rund 1800 Schüler um die Wette debattiert. "Jugend debattiert" gibt es seit zehn Jahren. Er war auf Anregung des damaligen Bundespräsidenten Johannes Rau ins Leben gerufen worden. Mehrere Stiftungen unterstützen den Wettbewerb.

Landtagspräsident Detlef Gürth (CDU) erinnerte sich am Rand an seine emotionalste Debatte: 1994 sei es gewesen, in der ersten Legislaturperiode. Es ging um eine mögliche vorzeitige Auflösung des Landtags und Neuwahlen. "Das hat so manchem erwachsenen Mann die Tränen in die Augen getrieben." Ganz anders, aber doch emotionale Erinnerungen an diesen Montag werden wohl mindestens zwei noch lange haben: Das Pärchen, das in der letzten Reihe des Plenarsaals die Köpfe aneinander legte und innig Händchen hielt.