Die Welle von Erkrankungen durch den Darmkeim EHEC hat Sachsen-Anhalt erreicht. Laut Gesundheitsministerium gibt es drei nachgewiesene Fälle. Das Robert Koch-Institut in Berlin warnt davor, rohe Tomaten, Salatgurken und Blattsalate aus Norddeutschland zu essen.

Salzwedel/Berlin (ue/dpa). Ein 40 Jahre alter Mann aus dem Altmarkkreis Salzwedel, eine 23 Jahre alte Frau aus dem Saalekreis und eine 22 Jahre alte Frau aus Magdeburg seien erkrankt, sagte die Sprecherin. Bei der Magdeburgerin sei noch nicht erwiesen, ob es einen Bezug zu den Fällen in Norddeutschland gibt. Ein weiterer Patient aus dem Altmarkkreis Salzwedel wird noch auf EHEC untersucht.

Peter Wiesner, Amtsarzt des Altmarkkreises Salzwedel, informierte auf Volksstimme-Anfrage, dass der Laborbefund die EHEC-Infektion bei dem 40-jährigen Mann aus der Nähe von Salzwedel bestätigt habe. Der Mann sei Mitte vergangener Woche von einer Reise nach Niedersachsen und Hamburg zurückgekehrt. Aufgrund von Bauchschmerzen und blutigem Durchfall suchte er einen Arzt auf und wurde dann ins Salzwedeler Altmark-Klinikum gebracht. Auch ohne Vorlage des Laborbefundes gingen die Ärzte im Altmark-Klinikum davon aus, dass sich der Patient mit EHEC-Bakterien infiziert hatte und behandelten ihn entsprechend. Inzwischen sei der Mann aufgrund seines schlechten Gesundheitszustandes in eine Klinik nach Hannover verlegt worden, so Wiesner weiter.

In Niedersachsen hat es vermutlich einen zweiten Todesfall auf Grund einer EHEC-Infektion gegeben. Die 41 Jahre alte Frau aus dem Kreis Cuxhaven war laut Gesundheitsministerirum seit vergangenem Sonnabend stationär wegen einer besonders schweren Durchfall- erkrankung behandelt worden.

Unterdessen steigt deutschlandweit die Zahl der schweren Krankheitsverläufe mit EHEC. Bis zum Dienstagabend waren dem Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin rund 140 sogenannte HUS-Fälle mit blutigem Durchfall und Nierenversagen gemeldet worden, darunter drei Todesfälle. Bei einer älteren HUS- Patientin aus Schleswig-Holstein war die Infektion nach gestrigen Angaben des zuständigen Landesgesundheitsministeriums jedoch nicht die Todesursache. Das hämolytisch-urämische Syndrom (HUS) geht mit akutem Nierenversagen und Blutarmut durch den Zerfall roter Blutkörperchen und einem Mangel an Blutplättchen einher. Die Zahl der schwe- ren Verläufen in einem kurzen Zeitraum sei sehr ungewöhnlich, auch die betroffenen Altersgruppen seien untypisch, hieß es.

Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat angesichts der EHEC-Infektionswelle von einer "bedrohlichen Situation" gesprochen. Gesundheitsminis-ter Daniel Bahr (FDP) betonte: "Deswegen ist besondere Vorsicht geboten." Das Berliner Robert Koch-Institut warnt vor dem Verzehr von Salatgurken, Blattsalaten und rohen Tomaten insbesondere aus Norddeutschland. Eine epidemiologische Studie habe gezeigt, dass EHEC-Erkrankte diese Gemüse deutlich häufiger verzehrt hätten als gesunde Vergleichspersonen, hieß es.Die Seite Drei