Havelberg/Weißewarte (as/bsh). Die Havel hat in den vergangenen Tagen ebenso wie die Elbe täglich zugelegt. Gestern Mittag hatte sie am Pegel Havelberg 4,33 Metern erreicht. Der Höchstwert wird mit 4,40 Metern für den heutigen Sonnabend erwartet. Damit wird er rund zehn Zentimeter unter dem Stand von 2002 bleiben. Damals hatte die Havel diesen Wert erreicht, weil das Wehr Neuwerben erstmals seit seiner Errichtung in den 1950er Jahren zur Kappung des Hochwasserscheitels der Elbe geöffnet worden war. In der Folge wurden die Havelpolder geflutet. Das war dieses Mal aufgrund der Prognosewerte für die Elbe nicht erforderlich. Auch eine Polderflutung zur Entlastung des Havelschlauches ist nicht vorgesehen.

An der Havelberger Stadtinsel steht das Wasser kurz vorm Überschwappen. In der Weinbergstraße stehen Gärten unter Wasser. Ein an der Dombrücke gelegenes Gasthaus musste gestern seinen Betrieb vorübergehend einstellen, weil im Keller Wasser durch die Fußbodenentwässerung drückte. Die Elbstraße zum Mühlenholz wurde gestern gesperrt, weil sie teilweise überflutet ist. Die Wiesen des Pferdemarktbereiches sind seit Tagen Land unter.

Die Verantwortlichen gehen davon aus, dass es zu keinen größeren Problemen kommen wird, noch sei alles beherrschbar. "Die Stadtinsel ist nicht gefährdet", sagte Reinhard Kürschner, Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz Genthin, gestern, als er sich vor Ort ein Bild von der Lage machte. Gerade hatte er im Autoradio eine Reportage gehört mit der Aussage, auf der Stadtinsel würde Wasser in die Häuser laufen. "Solche Falschmeldungen ärgern mich ungemein." Auf der Stadtinsel gibt es das Problem mit der Abwasserentsorgung, die aufgrund des Hochwassers nicht mehr normal möglich ist. Hier hofft der zuständige Wasserverband seit 2002 auf Unterstützung vom Land, denn allein kann er die 1,2 Millionen Euro für den Hochwasserschutz nicht aufbringen.

Im Wildpark Weißewarte am Rande der Tangerniederung im Süden des Landkreises Stendal herrschte in der Nacht zu Freitag Hochbetrieb. Die Fluten der Elbe, die in die Tangerniederung geströmt waren, hatten sich über die Straße Demker-Weißewarte, die seit Donnerstag gesperrt ist, und das Waldgebiet "Süppling" von hinten angepirscht und setzten große Teile des Parks unter Wasser. Mit einer Nachtschicht, bei der Zuläufe mit Sandsäcken abgedichtet wurden, und durch den Einsatz leistungsstarker Pumpen, die gestern dafür sorgten, dass keine weiteren Gehege vollliefen, konnte das Schlimmste verhindert werden. Einige Tiere stehen auf "Rettungsinseln" mitten im Wasser. Sie wurden vor Jahren aufgrund der Erfahrungen mit dem Hochwasser 2002 errichtet. Andere Tiere wurden in weiter vorn höher gelegene Gehegen untergebracht oder übergangsweise mit Bauzäunen vom Wasser abgetrennt. Evakuiert werden musste dank der Hilfe zahlreicher Feuerwehren aus der Region bislang nicht. "Ohne die Hilfe von vielen Seiten wäre der Wildpark, wie schon 2002, komplett in den Fluten versunken", schätzte Ortsbürgermeister Detlef Radke ein.