Gardelegen. Empört ist eine 45-jährige Frau aus Tangermünde (Landkreis Stendal) über das Verhalten der Deutschen Bahn. Die Rollstuhlfahrerin wollte Anfang Dezember auf dem Bahnhof von Gardelegen (Altmarkkreis Salzwedel) mit Hilfe ihres Begleiters den Regionalzug 36984 von Stendal nach Oebisfelde verlassen. Doch ihr Rollstuhl blieb mehrfach an dem Gestänge der Triebwagentür hängen. Obwohl zwei junge Frauen, die ebenfalls aussteigen wollten, versuchten, ihr zu helfen, schlossen sich die Türen. Drei Kinder, die auf dem Bahnsteig warteten, konnten nicht mehr zusteigen.

Der Zugführer bemerkte davon offensichtlich nichts und setzte seine Fahrt planmäßig fort. Die Tangermünderin, ihr Begleiter und die beiden Helferinnen mussten ihre Fahrt unfreiwillig fortsetzten und konnten erst in Solpke aussteigen. Dort warteten sie rund eine Stunde bei zweistelligen Minusgraden auf den Zug in die Gegenrichtung.

Bislang hat sich die Deutsche Bahn AG noch nicht bei den Betroffenen entschuldigt, obgleich ihr der Sachverhalt bekannt ist. Im Gegenteil: Die Anrufe der Behinderten bei der 3-S-Zentrale der Bahn (Service, Sicherheit und Sauberkeit) wurden unfreundlich beschieden – nach Angaben der sechsfachen Mutter, die von Hartz IV lebt, legte die Bahnmitarbeiterin schließlich sogar einfach auf.

Bahnsprecher Jörg Bönisch bezeichnete den Vorfall auf Volksstimme-Nachfrage als "bedauerlich, falls das so gewesen ist". Die Frau habe sich vor Fahrtantritt "beim Triebwagenführer nicht gemeldet". Behinderte hätten die Möglichkeit, eine Fahrt "bis zu einem Tag vorher bei unserer Mobilitätsservice-Zentrale anzumelden". Diese Telefonhotline ist allerdings nicht kostenlos. Bei einem Mobilfunkpreis von bis zu 42 Cent pro Minute sei dieser Service "viel zu teuer", so die Tangermünderin.