Entspannung an der Hochwasser-Front: Überall im Land sinken die Wasserstände. An den Zuflüssen dauert es jedoch etwas länger, weil sich das Wasser zurückstaut.

Magdeburg (dpa/sl/sta/kae/nk). Das Hochwasser in Sachsen-Anhalt geht weiter zurück. "Die Elbe fällt stetig", sagte gestern eine Sprecherin des Landesbetriebs für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft. An drei Pegeln im Land gilt noch die höchste Alarmstufe 4, vermutlich bis zum Wochenanfang: an der Elbe an der Landesgrenze zu Brandenburg, an der Bode in Staßfurt und an der Havel in Havelberg.

Die Wasserstände an Bode und Havel sinken nur ganz langsam, weil in Saale beziehungsweise Elbe kaum Platz für die Zuflüsse ist. Gestern Mittag lag der Pegel der Havel bei 4,38 Metern (Mittelwert 1,80 Meter). Die Deichwachen, die die Elbe kontrollierten, wurden am Morgen eingestellt, die Schwerpunkte werden von Fachleuten im Auge behalten. Auf dem 40 Kilometer langen Elbdeich-Abschnitt der Verbandsgemeinde Elbe-Havel-Land von Fischbeck bis Sandau sind weiterhin knapp 100 freiwillige Deichwachen im Einsatz.

Die Lage in Staßfurt an der Bode (Salzlandkreis) bleibt angespannt. Der Wasserpegel steigt kontinuierlich um ein bis zwei Zentimeter pro Tag. Am Ufer des Flusses sind zahlreiche Häuser nur über Stege zu erreichen. Wasser, das von der Bode in die Kanalisation drückt, sprudelt aus Gullydeckeln wieder an die Oberfläche.

In Magdeburg lag der Elbe-Pegel gestern Nachmittag bei 5,48 Metern, rund ein halber Meter weniger als am Sonnabendmorgen. In Tangermünde sank die Elbe etwas langsamer, bis gestern Nachmittag auf 6,80 Meter. Für den südlichen Landkreis Stendal gab Landrat Jörg Hellmuth weitgehend Entwarnung. Der Tanger laufe bereits wieder aus den Niederungen heraus. Prekär sei die Lage allerdings nach wie vor im elbnahen Schelldorf, das mit Rückstau und Sickerwasser aus dem Elbdeich zu kämpfen habe. "Das Wasser geht dort noch nicht zurück, und der Wasserstand ist hoch", so Hellmuth.

Im Überflutungsgebiet Bucher Brack bei Jerichow (Landkreis Jerichower Land) sind mehrere Rinder und Pferde auf einer Insel vom Hochwasser eingeschlossen. Die Tiere drängen sich derzeit um ein Heulager. Sie gehören laut Stadtverwaltung Jerichow dem Naturschutzbund in Buch (Landkreis Stendal) und seien nach mehreren Warnungen noch immer nicht ans schützende Ufer geholt worden.

Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) dankte allen Helfern. Er kündigte zugleich weitere Investitionen in den Hochwasserschutz an. So sollen bis 2020 alle 1300 Kilometer Deiche im Land saniert werden. Auch die gewachsene Grundwasser-Problematik solle angegangen und dazu alte Entwässerungssysteme auf Äckern und Wiesen wiederhergestellt werden.