• 25. Oktober 2014



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In Magdeburg entsteht das erste stationäre Kinderhospiz Sachsen-Anhalts - Neuland für alle Beteiligten. Von Andreas Stein


Kinderhospiz: Auch Kinder müssen sterben

06.07.2012 06:50 Uhr |




Hospizleiterin Tabea Friedersdorf steht vor dem Eingang des Luisenhauses der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg. Bis November wird für 900000 Euro im Ober- und im Dachgeschoss das erste stationäre Kinderhospiz Sachsen-Anhalts eingerichtet, im Erdgeschoss gibt es bereits seit März 2003 ein Hospiz für Erwachsene.

Hospizleiterin Tabea Friedersdorf steht vor dem Eingang des Luisenhauses der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg. Bis November wird für 900000 Euro im Ober- und im Dachgeschoss das erste stationäre Kinderhospiz Sachsen-Anhalts eingerichtet, im Erdgeschoss gibt es bereits seit März 2003 ein Hospiz für Erwachsene. | Foto: Viktoria Kühne Hospizleiterin Tabea Friedersdorf steht vor dem Eingang des Luisenhauses der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg. Bis November wird für 900000 Euro im Ober- und im Dachgeschoss das erste stationäre Kinderhospiz Sachsen-Anhalts eingerichtet, im Erdgeschoss gibt es bereits seit März 2003 ein Hospiz für Erwachsene. | Foto: Viktoria Kühne

Wenn am Montag bei Pfeiffers in Magdeburg der Grundstein für das erste stationäre Kinderhospiz Sachsen-Anhalts gelegt wird, ist das auch ein Sieg für Tabea Friedersdorf. Seit Jahren kämpft sie dafür, dass Tod und Sterben kein Tabu mehr sind. Mit Erfolg.

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Magdeburg l Der Tod. Ohne ihn gäbe es kein Leben, und doch blenden die meisten Menschen das Ende der eigenen körperlichen Existenz selbst im Angesicht der Vergänglichkeit um sie herum konsequent aus. Bis das Ende naht. "Der Tod ist die absolute Beleidigung des Menschen und seiner Fantasie von der Allmächtigkeit", sagt Christoph Radbruch, Vorstand und Vorstandsvorsitzender der Pfeifferschen Stiftungen in Magdeburg. Früher, als Tote noch zu Hause aufgebahrt wurden, habe das Sterben selbstverständlich zum Alltag gehört. Im Fortschrittsdenken der Moderne soll der Tod keinen Platz mehr haben - die Menschen reizen die Möglichkeiten von Medizin und Technik immer mehr aus, werden immer älter. Und sterben am Ende doch.

Christoph Radbruch

Christoph Radbruch | Foto: Viktoria Kühne Christoph Radbruch | Foto: Viktoria Kühne

Auf dem Stiftungsgelände von Pfeiffers, in den roten Backsteinmauern des Luisenhauses, arbeitet Tabea Friedersdorf. Für sie und ihre Mitarbeiter ist der Tod ein alter Bekannter: Man grüßt ihn freundlich, statt die Augen vor ihm zu verschließen. Hier gibt es seit mittlerweile neun Jahren ein stationäres Hospiz für Erwachsene. Hunderte Schwerstkranke und Sterbende sind in dieser Zeit gekommen und nach ein paar Stunden, Tagen, Wochen oder Monaten wieder gegangen. Die Kapazitäten sind nahezu ausgelastet, die Wartelisten lang.

Norbert Bischoff

Norbert Bischoff | Foto: Viktoria Kühne Norbert Bischoff | Foto: Viktoria Kühne

Tabea Friederdorf ist vom ersten Tag an dabei und hat mittlerweile das nächste Ziel ins Auge gefasst: Den Aufbau des ersten stationären Kinderhospizes in Sachsen-Anhalt. Nicht auf der grünen Wiese, sondern unter dem Dach des Luisenhauses sollen Ober- und Dachgeschoss bis November 2012 für 900000 Euro ausgebaut werden. Das Kinderhospiz hat einen anderen Anspruch als das der Erwachsenen, sagt sie: "Unten versterben die Leute. Die Kinder gehen zum Sterben nach Hause." Das Kinderhospiz soll darum eher eine Einrichtung zum Auftanken für die Eltern sein - und zum Lösen vom Kind, je nach Bedürfnis.

Gerhard Jorch

Gerhard Jorch | Foto: Viktoria Kühne Gerhard Jorch | Foto: Viktoria Kühne

Fünf Zimmer mit acht flexiblen Betten soll es geben, zeigt die Hospizleiterin großformatige Bauzeichnungen. Ein Snoezelraum, eine Wohlfühloase mit Whirlpool und Beregnung, Wintergarten und Spielzimmer, ein großer Balkon, im Dachgeschoss ein Lager und die Besucherzimmer für Angehörige - Tabea Friedersdorf sieht die Räume schon vor ihrem geistigen Auge. Und auch sie wird als Bereichsleiterin dort ein Büro beziehen.

Wer genau hinhört, erkennt ein Sächseln, und in der Tat: Die 54-Jährige und ihr Mann stammen aus dem sächsischen Erzgebirge. In die Region Magdeburg kam die Familie, weil Friedersdorf hier eine Teeküche für Alkoholkranke aufbauen wollten. Das Soziale zieht sich durch das Leben der vierfachen Mutter und dreifachen Oma wie ein roter Faden.

Ulrich Paulsen

Ulrich Paulsen | Foto: Viktoria Kühne Ulrich Paulsen | Foto: Viktoria Kühne

Nach der Wende lebte die Familie mit Jugendlichen in einem Wohnprojekt in Wahlitz, Ortsteil von Gommern (Jerichower Land). Tabea Friedersdorf, die eine Ausbildung als Krankenschwester und kirchliche Fürsorgerin hat, arbeitete später als ambulante Krankenschwester und fand ihre Bestimmung, als die Pfeifferschen Stiftungen die Einrichtung des stationären Erwachsenen-Hospizes planten.

Zehn Jahre später steht Tabea Friedersdorf noch einmal vor einem Neuanfang: Ihr obliegt der Aufbau des Kinderhospizes. "Ich finde es toll, diese Idee zu verwirklichen und bin gespannt darauf", sagt sie. "Das ist eine Idee, für die ich lebe." Wenn man etwas wolle, finde man auch Wege, ist die forsche Blondine überzeugt und kämpfte beherzt für das Kinderhospiz - auch gegen Widerstände und Skepsis in der Öffentlichkeit.

Kuscheltiere und Bücher: Hauswirtschafterin Brunhild Thiele und die Krankenschwestern Katrin Krille und Maria Rupsch (v.l.) freuen sich über erste Spielzeugspenden für das Kinderhospiz.

Kuscheltiere und Bücher: Hauswirtschafterin Brunhild Thiele und die Krankenschwestern Katrin Krille und Maria Rupsch (v.l.) freuen sich über erste Spielzeugspenden für das Kinderhospiz. | Foto: Viktoria Kühne Kuscheltiere und Bücher: Hauswirtschafterin Brunhild Thiele und die Krankenschwestern Katrin Krille und Maria Rupsch (v.l.) freuen sich über erste Spielzeugspenden für das Kinderhospiz. | Foto: Viktoria Kühne
An einem sogenannten Wunschbaum können Angehörige und Besucher ihre Gedanken aufschreiben.

An einem sogenannten Wunschbaum können Angehörige und Besucher ihre Gedanken aufschreiben. | Foto: Viktoria Kühne An einem sogenannten Wunschbaum können Angehörige und Besucher ihre Gedanken aufschreiben. | Foto: Viktoria Kühne
Krankenschwester Britta Nimtz im Raum der Stille. Hier können Angehörige Abschied nehmen und Kraft tanken.

Krankenschwester Britta Nimtz im Raum der Stille. Hier können Angehörige Abschied nehmen und Kraft tanken. | Foto: Viktoria Kühne Krankenschwester Britta Nimtz im Raum der Stille. Hier können Angehörige Abschied nehmen und Kraft tanken. | Foto: Viktoria Kühne


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Copyright © Volksstimme 2014
Dokument erstellt am 2012-07-06 04:20:27
Letzte Änderung am 2012-07-06 06:50:21

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