Burg l Eine vietnamesische Familie muss in der Burger Innenstadt in ihren eigenen Imbiss flüchten. Der Grund: Dreimal am selben Abend wurden die Vietnamesen von rechten Tätern überfallen. Das war vor sieben Jahren. "Die Zustände durften so nicht bleiben, als Zeichen wurde der Runde Tisch gegen Rechts gegründet", erinnert sich Fabian Borghardt vom Büro zur Förderung von Demokratie und Vielfalt.

In einer Berliner Tageszeitung heißt es im Jahr 2009: "In Städten wie Burg haben sich feste Strukturen rechtsradikaler Jugendlicher gebildet, die Ausländer und Linke anpöbeln, jagen und zusammenschlagen." Borghardt kann im Jahr 2014 von positiven Veränderungen sprechen: "Man sieht auf der Straße weniger Rechte und es ist zum Glück nicht so, dass sich die Migranten gar nicht auf die Straße trauen." Aber: Probleme gäbe es trotzdem. Und die müssten diskutiert werden - mit Vertretern aus Vereinen, Organisationen und Verbänden. Vierteljährlich treffen sich rund 30 Personen zu dem Runden Tisch. Polizeibeamte aus dem Jerichower Land sprechen zur aktuellen Situation.

"Gut ist, dass die Bevölkerung sensibler geworden ist, dass zum Beispiel Schlägereien eher angezeigt werden", sagt Borghardt. Landrat Lothar Finzelberg betont im Hinblick auf die Zusammenarbeit mit der Polizei: "Die Beamten sind immer so schnell wie möglich vor Ort."

Finzelberg weiß aus Erfahrung, dass es in anderen Landkreisen "deutlich stärkere Tendenzen gibt". Sein Ziel trotzdem: Rechtes Gedankengut zurückdrängen. "Wer etwas kontinuierlich macht, hat irgendwann Erfolg." Mit den Strategien der Rechten habe man sich in der Verwaltung befasst und geht, zum Beispiel durch die Arbeit in Vereinen, dagegen vor. "Fakt ist, dass es im gesamten Kreis keinen gewählten politischen Vertreter einer rechtsextremen Partei gibt", sagt Finzelberg.