Schönhausen l Die Auftragsbücher sind gut gefüllt. Alle Geschäftspartner, die bis zur Flut als Stammkunden überwiegend Wickelhülsen für textile Materialien oder auch Dachrinnen bestellt haben, sind Thermoplast treu geblieben. Seit dem Sommer können sie wieder ihre Bestellungen aufgeben.

Die vier großen, hochmodernen Maschinen laufen noch nicht mit voller Kraft. Die Kapazität will der Geschäftsführer aber mehr und mehr ausschöpfen - nicht nur, um die Arbeitsplätze zu sichern, sondern auch, um neue zu schaffen.

Wenn Aribert Meißner jetzt am Jahresende zurückblickt und Bilanz zieht, muss er erst einmal durchatmen. Denn hinter ihm liegen bange Monate. Die Frage, ob er den 60 Jahre alten Traditionsbetrieb retten kann, quälte ihn so manche schlaflose Nacht. Da hatte er die Bilder vor Augen, wie das Fischbecker Deichbruchwasser am Morgen des 10. Juni über die Schönhauser Märsche unaufhaltsam das Betriebsgelände flutete. Maschinen, Rohstoffe, für die Auslieferung fertigen Bestellungen - alles versank im Wasser.

Ein Jahr nach der Flut laufen Maschinen an

Aufgeben? Mit 60 Jahren hätte Aribert Meißner alles hinter sich lassen und sich zur Ruhe setzen können. Aber die Angestellten setzten auf ihn. Und schließlich lief der Betrieb doch bis zum 10. Juni gut. Und die Zusagen des Landes, dass es Hilfe gibt, ließen das Stimmungsbarometer vom Tiefpunkt langsam wieder steigen.

Kurz vor Weihnachten letzten Jahres hatte Aribert Meißner es dann schwarz auf weiß, dass es Wiederaufbaumittel gibt. Jetzt konnte er durchstarten. Die schon mit dem Risiko, dass es ja doch keine Hilfen gibt, geschmiedeten Pläne konnten nun hieb- und stichfest fortgesetzt werden. Nicht nur eine neue Produktionshalle musste entworfen werden, sondern auch die Maschinen waren zu bestellen. Keinen einzigen Tag wollte Aribert Meißner nutzlos verstreichen lassen.

Am 7. Februar war Baubeginn, im Frühling stand Aribert Meißner hoch oben im Dachgerüst der neuen Halle und zog zusammen mit dem Bauleiter die symbolisch letzte Schraube fest. Anfang Juli wurden die ersten Maschinenteile geliefert. Bis alles zusammengebaut und programmiert war und die erste Wickelhülse am Ende der etwa 50 Meter langen Produktionsstrecke herauskam, dauerte es bis Anfang August. Aribert Meißner schwärmt: "Das ist Technik, die begeistert! Die Präzisionsmaschinen liefern ein perfektes Ergebnis. Und die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeiter haben sich erheblich verbessert. Die Maschinen arbeiten leise, verursachen kaum mehr Staub. Es macht einfach Spaß hier zu arbeiten", gibt es die Meinung seiner Angestellten wieder.

Die erste von insgesamt vier Maschinen läuft seit dem Sommer rund um die Uhr. Die Angestellten arbeiten im Drei-Schicht-System. "Im November sind wir auf dem Produktionsstand wie vor der Flut angekommen", ist Aribert Meißner mehr als zufrieden. "Die Maschinen übertreffen meine Erwartungen. Wenn alle in Gange sind, können wir mindestens doppelt so viel produzieren."

Alte Gebäude werden saniert und verschönert

Das bedeutet, neue Kunden zu gewinnen. Noch hatte der Geschäftsführer keine Zeit, für den Schönhauser Betrieb zu werben. Denn erst kurz vor Weihnachten wurden die Außenanlagen fertiggestellt und abgenommen - bis dahin musste er sich neben dem alltäglichen Produktionsbetrieb dem Wiederaufbau widmen. "Es sind immer noch ein paar Kleinigkeiten zu tun, das kann warten, bis der Winter vorbei ist."

Bis dahin werden auch die Risse, die an den alten Gebäuden mehr und mehr auftreten, genau beobachtet. Die alte Produktionshalle ist jetzt das Lager. Der Propangasvertrieb ist an die BHG von Frank Guderjan abgegeben - hier ist jetzt die Werkstatt eingezogen. "Wir werden sehen, ob die Schäden noch behoben werden müssen. Auf jeden Fall werden die alten Gebäude noch angeputzt, damit sie zur neuen Produktionshalle passen."

Beräumt worden ist die Fläche auf der anderen Seite der Bundesstraße - hier waren die alten Gebäude nicht mehr zu retten und durch die Kraft des Wassers teilweise auch schon eingestürzt.

Tag der offenen Tür für das Frühjahr geplant

Wie der neue Thermoplast-Betrieb aussieht, wollen Aribert Meißner und die Angestellten im Frühling bei einem Tag der offenen Tür zeigen. Denn nicht nur ehemalige Beschäftigte, sondern auch viele andere Schönhauser interessieren sich dafür, was aus dem Betrieb geworden ist. "Viele haben mit uns gebangt und freuen sich, dass der Neustart geglückt ist. Das wollen wir zusammen feiern."

Und im Sommer will Thermoplast dann auch wieder einen Lehrling einstellen. Verfahrensmechaniker kann man hier werden - an modernsten Maschinen. Und die Chancen, nach der Ausbildung übernommen zu werden, stehen nicht schlecht. Denn der Betrieb hat in die Zukunft investiert. "Vor anderthalb Jahren standen wir vor einem Scherbenhaufen. Der Neustart ist geglückt, nun werden wir das Beste darauf machen", versichert Aribert Meißner. Das muss er auch.

Denn auch wenn es zusammengerechnet zwölf Millionen Euro Wiederaufbaumittel gegeben hat, so ist der Eigenanteil doch nicht unerheblich - die Kredite wollen jeden Monat bedient werden. Das verursacht aber längst keine schlaflosen Nächte mehr. Aribert Meißner weiß, dass er zusammen mit seinem Team aus Thermoplast einen zukunftsfähigen Betrieb gemacht hat. Die Saat, die nach der Flut gelegt wurde, ist aufgegangen, nun muss sie wachsen und gedeihen.

 

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