Mit 16, 8 Prozent der Stimmen wählten die Leser der Volksstimme auf Platz drei : den Chef des Sax ‘ n-Anhalt-Orchesters – Uli Haase. Nachfolgend die Laudatio.

Nun ist es also so weit. Der, der sonst anderen ein musikalisches Ständchen bringt, bekommt heute selber eines : Uli Haase, Chef des Sax’n-Anhalt-Orchesters. Er steht auf der Nominierungsliste zum Magdeburger des Jahres. Die Wähler schoben ihn bis auf Platz drei.

Für Uli Haase sorgt die Nominierung übrigens für ein mulmiges Gefühl.

Und das, obwohl gerade er mehr als die meisten anderen Kandidaten Öffentlichkeit gewohnt ist. Schließlich braucht einer wie Uli Haase das Rampenlicht, um seine musikalischen Botschaften ans Publikum zu bringen.

Doch es ist ein Unterschied, ob man eine Botschaft transportiert oder – wie jetzt – selbst zu einer wird. Deshalb also die Mulmigkeit.

Wer Uli Haase näher kennt, weiß, dass hinter seiner selbstbewussten, manchmal etwas knurrigen Art, auch ein weicher, einfühlsamer Kern steckt. In den aber dringt all das vor, zu dem er sich besonders verbunden fühlt. Die Nominierung zum Magdeburger des Jahres gehört dazu.

" Allein schon auf der Nominierungsliste zu stehen, ist für mich eine große Ehre ", sagte Uli Haase als Erstes, als ich ihn Anfang Dezember für das spätere Zeitungsporträt besuchte.

Jede Stimme gehört

auch der Band

Doch die Ehre ist das eine. Der Umgang mit dieser neuen Art von Öffentlichkeit das andere.

Klar, Uli Haase steht mehr als 80 Mal im Jahr mit seiner Band im Rampenlicht.

In den zum Markenzeichen gewordenen schwarzen Lederklamotten mit gelben Schriftzügen fallen die Musiker allein schon optisch auf. Akustisch tun sie es noch viel mehr. Uli Haase geht in dieser Kombination auf für seine Band.

Doch wenn sich wie jetzt das Rampenlicht plötzlich auf ihn fokussiert, mischt sich unter Kandidatenehre eben auch Unbehagen, weil er selbst nicht so genau weiß, ob er da überhaupt hingehört.

Uli Haase spürt, was das auch bedeutet. " Seitdem ich auf der Kandidatenliste stehe, tut meine linke Schulter richtig weh ", sagt er augenzwinkernd und meint damit den Zuspruch, den er seit der Veröffentlichung erfahren durfte :

Es kamen viele bekannte, aber auch unbekannte Leute, die ihm schulterklopfend sagten : Uli, wir haben Dich gewählt. Nun schmerzt die Schulter, natürlich nicht vom Schlag, sondern – und so will es Uli Haase auch verstanden wissen – wegen der damit verbundenen Verantwortung. Für Uli Haase ist jede Stimme Verpflichtung. Und : Jede Stimme ist auch eine für seine Band.

Anfang der 90 er Jahre aus der Taufe gehoben, hat sich das Sax’n-Anhalt-Orchester überregional einen Namen gemacht, verbreitet mit einer besonderen Art von Musik gute Laune.

In Zeiten, in denen viel von Wirtschaftskrise, Hartz IV und Bankensterben die Rede ist, tut so ein musikalischer Stimmungsaufheller not.

Nicht, um Schwierigkeiten zu übertünchen.

Nicht, um Probleme wegzuspielen.

Nicht, um das Klagen des Alltags zu übertönen.

Aber um zu zeigen : Magdeburg und Sachsen-Anhalt – das ist eben nicht düstere Prognose, sondern ein Land im Wandel, hin zum Aufschwung.

Uli Haase weiß darum – und viele andere auch – und deshalb ist das Sax’n-Anhalt-Orchester häufig da präsent, wo für die Region geworben werden soll.

Wie nötig dieses musikalische Botschaftern ist, zeigen die Reaktionen auf ihre Auftritte. Nicht selten, so berichtet Uli Haase, wird da gesagt :

" Was, aus Magdeburg in Sachsen-Anhalt kommt ihr ? Hätte nicht gedacht, dass es da so etwas gibt. "

Was sagt uns das ? Offenbar gibt es außerhalb der Stadtund Landesgrenzen immer noch viele, ja zu viele Mitbürger, die mit unserer Region mehr Negatives als Positives verbinden.

Uli Haase weiß, dass er allein nicht viel ausrichten kann, weder gegen die tatsächlichen Probleme in der Region noch gegen das bisweilen vollkommen überzogene Negativ-Image.

Aber : Er sieht sich samt Band als Teil einer immer größer werdenden Bewegung aus Menschen der Region, die mit einer gesunden Portion Selbstbewusstsein die Vorzüge ihrer Heimat auch außerhalb vertreten, ohne die Probleme zu vergessen. Viele von denen sitzen übrigens heute auch im Saal.

Die zahlreichen Auftritte, hauptsächlich in Deutschland, lassen das Orchester deshalb zu einer musikalischen Reisegemeinschaft werden, übrigens schon bevor ein einziger Ton das Saxofon verlassen hat. Die Band fühlt sich Magdeburg und Sachsen-Anhalt verpflichtet, ist aber beileibe nicht immer vor Ort.

Liebe zu Musik

und Magdeburg

Hamburg, Dresden, Weimar – die zumeist ehrenamtlichen Bandmitglieder sind deutschlandweit zerstreut. Vom Studenten bis zum Berufsmusiker sind unter den etwa 20 Mitgliedern viele zu finden, die zu jeder Probe und erst recht zu jedem Auftritt aus ganz Deutschland anreisen – übrigens auch heute Abend.

Im Saal findet sich nahezu die komplette Band, die sich diesen Augenblick nicht entgehen lassen will. Und so ist es für Orchesterchef Uli Haase oft ein wenig so, als müsse er einen Sack Flöhe hüten, der sich nur mit klaren Regeln beherrschen lässt.

" Man muss eben auch ab und zu den Chef raushängen lassen ", kommentiert der seinen Führungsstil übrigens selbst.

Der Chef ist das eine, die Liebe zur Musik und zu seiner Heimatstadt das andere. Wie manch anderer guter Musiker wurde Uli Haase als Kind erst mit sanftem Druck vom Instrumentenspiel überzeugt.

Für Uli Haase kam diese Erkenntnis erst später. Heute ist es ganz und gar so, dass er sich ein Leben ohne Musik nicht mehr vorstellen kann, übrigens auch nicht ohne sein Magdeburg.

Vor 53 Jahren wurde Uli Haase als waschechter Elbestädter hier geboren. Das allein ist schon lobenswert.

Aber es unterscheidet ihn natürlich noch nicht von den vielen anderen dieses ganz besonderen Menschenschlages an der Elbe.

Uli Haase aber wohnt nicht nur in Magdeburg, er lebt und liebt es auch. " Aus Magdeburg wegzugehen ? Undenkbar für mich ", sagt er über sich und die Stadt, die er nur für Armeezeit und Studium zwangsweise für längere Zeit mal aus den Augen verlor.

Orchester mischt

Steubenparade auf

Ansonsten gehören für ihn Dom und Elbe zur Lebensgrundlage, im Grunde so wie Wasser, Brot – und natürlich Musik.

Diese Heimatverbundenheit ist zugleich Triebkraft. Lange bevor er im Mai 2009 offiziell zum Musikalischen Botschafter der Landeshauptstadt durch den Stadtrat berufen wurde, lebte er dieses Ehrenamt schon.

Wo es geht, verbindet er seine musikalische Botschaft mit der regionalen Herkunft, erzählt von Magdeburg und trägt dazu bei, das Image des Landes und seiner Hauptstadt zu verbessern – mittlerweile sogar international.

Neben Auftritten in Brüssel, Wien und Nottingham war die Teilnahme seines Orchesters 2007 an der Steubenparade in New York im Rahmen einer städtischen Delegation eines seiner herausragenden Engagements.

Eine goldrichtige Entscheidung der Stadt Magdeburg war das, wie sich herausstellen sollte. Die Band mischte den – mit Verlaub – etwas angestaubten Umzug in New York musikalisch auf, und vermittelte Zehntausenden Besuchern am Straßenrand, dass Deutschland nicht nur aus Lederhose, Hofbräuhaus und Schwarzwaldmädln besteht.

Uli Haase & Band hinterließen in New York für die Geburtsstadt Steubens einen positiven Eindruck, der erstens ohne sie so nicht möglich gewesen wäre und zweitens nicht ohne Folgen blieb. Die Band wurde auch 2009 zur Parade eingeladen und repräsentierte dort erneut Magdeburg – übrigens auf eigene Kosten und mit großer Wirkung.

Lars Halter, Präsident der Steubenparade, sah das ebenso und schrieb im Nachgang : " Uli Haase und sein Sax’n-Anhalt-Orchester haben Magdeburg in den letzten Jahren zu einem Zentrum der deutsch-amerikanischen Partnerschaft werden lassen. Mit seinen Auftritten in New York waren die Magdeburger um Uli Haase eine der beliebtesten Gruppen auf der weltberühmten Fifth Avenue. Das Sax’n-Anhalt-Orchester hat mehr als 200 Jahre nach dem Wirken des Magdeburgers Friedrich Wilhelm von Steuben seinen Teil dazu beigetragen, die transatlantische Freundschaft zu festigen. "

Lob also von höchster Stelle.

Doch nicht nur in der großen weiten Welt weiß Uli Haase mit seinem Orchester zu überzeugen, auch vor der eigenen Haustür. Wenn die Band helfen kann, tut sie es. Zugunsten vieler Vereine und Verbände spielte das Sax’n-Anhalt-Orchester auf.

Uli Haase mag derlei Aufzählungen nicht. Er ist ein Mann der Tat und des Tones im wahrsten Wortsinn. Richtig wohl fühlt er sich nur auf der Bühne, wenn er mit seinen Band-Kollegen spielt oder im Keller seines Hauses, in dem die Fäden für die Band zusammenlaufen.

Dort ist die Schaltzentrale, das Managerbüro, der Treffpunkt für Freunde, Vorbereitungsort für seine Lehrtätigkeit an Konservatorium und privater Musikschule. Der Keller ist aber auch ein Stück Refugium, um im ganzen Trubel des Alltags etwas Ruhe zu suchen, die er aber im Grunde genommen nicht findet.

Ständchen

mit Lokalkolorit

Uli Haase war, ist und bleibt deshalb ein musikalischer Hansdampf in allen Gassen. Ständig ist er auf Achse.

Und wenn nicht, dann bereitet er sich darauf vor, anderen ein Ständchen mit diesem ganz gewissen Magdeburger Lokalkolorit zu bringen.

Nur heute ist das mal anders. Heute bringen ihm diejenigen ein Ständchen, für die er sonst mit seiner Band ins Saxofon bläst : die Magdeburger, die ihn bis auf Platz drei nach vorn schoben.

Ich sage deshalb : Uli, lass dein mulmiges Gefühl jetzt einfach unten im Saal und komm auf die Bühne.

Tusch und Glückwunsch für den guten Ton der Landeshauptstadt – herzlichen Glückwunsch zu Platz drei, Uli Haase !